Wochenlang am Straßenrand geparkte Wohnmobile sind in Freiburg ein häufiger Anblick und können für auf
Parkplätze angewiesene Anwohner ein Ärgernis sein. Foto: Heike Schwende
Erst zerstachen im Frühjahr Unbekannte die Reifen von geparkten Campern in der Wiehre, nun brannten vergangene Woche zwei Wohnmobile im Rieselfeld – die Polizei vermutet Brandstiftung. Entlädt sich hier möglicherweise die Wut über immer mehr Wohnmobile, die in Freiburg öffentliche Parkplätze beanspruchen?
Vergangene Woche haben gegen 1.45 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zwei Wohnmobile im Stadtteil Rieselfeld gebrannt. Die Polizei gehe derzeit von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagt Michael Schorr, Pressesprecher der Polizei Freiburg. Die betroffenen Wohnmobile waren in der Cornelia-Schlosser-Allee und in der Maxim-Gorkij-Straße geparkt – im öffentlichen Verkehrsraum. Beide Fahrzeuge brannten aus, laut Polizeimeldung liegt der Schaden bei 140.000 Euro. Durch die beim Brand entstandene Hitze wurden auch weitere benachbart geparkte Autos beschädigt.
Was die bisher unbekannten Täter zur Brandstiftung veranlasst hat, weiß man nicht. „Um das zu erfahren, müssten wir sie erst einmal kriegen“, so Schorr. Doch es ist in Freiburg nicht das erste Mal, dass geparkte Wohnmobile Objekte von Anschlägen werden: Im April hatten Unbekannte im Stadtteil Wiehre an insgesamt acht Fahrzeugen, Camper und Wohnwagen, die Reifen zerstochen. Einer der betroffenen Wohnmobilbesitzer im Rieselfeld gab gegenüber der BZ an, zuletzt vermehrt Botschaften an der Windschutzscheibe und verbale Anfeindungen erhalten zu haben.
Eines der ausgebrannten Wohnmobile im Stadtteil Rieselfeld. Foto: Michael Bamberger
Parkdruck nimmt zu
In Wohngebieten geparkte Wohnmobile führten schon seit etlichen Jahren zu Beschwerden von Anwohnern, sagt Stefan Schillinger, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion SPD und Junges Freiburg (JF) im Freiburger Gemeinderat. In jüngster Vergangenheit habe das Thema an Dynamik gewonnen. Seit die Stadt das Bewohnerparken ausgeweitet habe, sei der Parkdruck in den Quartieren gestiegen. In Wohngebieten, in denen das Parken nur mit dem Bewohnerparkausweis erlaubt ist, stünden Besitzer von Wohnmobilen vor einem Dilemma: „Das Wohnmobil ist meistens das Zweitfahrzeug“. Mit dem Parkausweis kann aber nur ein Fahrzeug im Wohngebiet geparkt werden. Das Ergebnis ist, dass Wohnmobile in anderen Wohngebieten abgestellt werden, wo bisher kein Bewohnerparken gilt – und das oft über viele Monate. In Folge finden dortige Bewohner schwerer einen Parkplatz für ihre Autos.
Wohnmobile parken meist legal
Im Mai stellte die SPD/JF-Fraktion im Gemeinderat den Antrag, das Parken von Wohnmobilen im öffentlichen Raum zu steuern. Eine rechtliche Handhabe gibt es für die verärgerten Anwohner oft nicht: „Laut Straßenverkehrsordnung dürfen die meisten Wohnmobile, Caravans oder Gespanne legal am Straßenrand oder auf Parkplätzen in Wohngebieten parken“, so Andreas Müller, der beim ADAC Südbaden die Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt leitet. Viele Einschränkungen würden erst bei Fahrzeugen mit einem Gewicht über 7,5 Tonnen greifen. Die wenigsten Eigentümer machten sich vor dem Kauf Gedanken über einen Abstellplatz. Auch wenn das Parken von Wohnmobilen im öffentlichen Raum rechtlich nicht zu beanstanden sei, könnten durch beeinträchtigte Sicht gefährliche Verkehrssituationen entstehen.
Wie Rathaussprecherin Tabea Krauß mitteilt, waren Ende vergangenen Jahres von 95.432 im Stadtgebiet zugelassenen Personenkraftwagen 5.229 Wohnmobile – rund 5,5 Prozent. Das dürfte Freiburg einen der bundesweiten Spitzenplätze bei der Wohnmobildichte sichern.
Der Antrag der SPD/JF-Fraktion wurde einstimmig angenommen. Nun soll die Verwaltung bis zur Beratung im Herbst dem Problem auf den Grund gehen und feststellen, welche Quartiere in Freiburg besonders belastet sind, sowie welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, um beispielsweise Parkbeschränkungen für Wohnmobile anzuordnen. Als Stadtrat und Vorsitzender des Bürgervereins Freiburg-Mooswald ist Stefan Schillinger mit dem Ärger von Anwohnern über dauerparkende Wohnmobile in Wohngebieten vertraut. Aber Zerstörung und Brandstiftung wie jetzt im Rieselfeld könnten niemals der Weg sein, damit umzugehen, sagt Schillinger.
Margaret (Emily Blunt) und ihr Partner Jackson (Wyatt Russell) erleben mysteriöse Ereignisse. Foto: Universal Pictures
Was wäre, wenn die Menschheit herausfinden würde, dass sie nicht allein auf der Erde ist? Und das schon seit langer Zeit. Angenommen, jemand könnte die Existenz Außerirdischer beweisen: würde alles im Chaos versinken? Darum geht es im neuen Sci-Fi-Thriller von Meisterregisseur Steven Spielberg.
Weltweit tauchen mysteriöse Lichter am Himmel auf, Menschen beobachten seltsame Phänomene: Auch Fernsehmeteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt, „A Quiet Place“) hat während eines TV-Auftritts ein mysteriöses Erlebnis. Während die Behörden zu vertuschen suchen, dass Außerirdische dahinterstecken könnten, will Aktivist Daniel Kellner (Josh O’Connor, „The Crown“) die Weltöffentlichkeit mit allen Mitteln über die Wahrheit informieren. Gemeinsam mit Margaret und einem erfahrenen Diplomaten (Oscar-Preisträger Colin Firth,„The King’s Speech – Die Rede des Königs“) versucht er, die Herkunft der Signale zu entschlüsseln.
Fast 50 Jahre nach „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ kehrt Kultregisseur Steven Spielberg zu einem seiner Lieblingsthemen zurück und erzählt von einem Ereignis, das die gesamte Menschheit erschüttert. Der Blockbuster wurde von ihm konzipiert und inszeniert. Verfasst wurde das Skript von David Koepp, der für Spielberg unter anderem bereits die Drehbücher zu „Jurassic Park“, „Krieg der Welten“ sowie „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ geschrieben hat.
In weiteren Rollen sind Eve Hewson („Ein neuer Sommer“) und Colman Domingo („Sing Sing“) zu sehen. Die ersten Kritiken feiern den Sci-Fi-Thriller. „Ein rasanter Achterbahnritt, der Verfolgungsjagden, Liebesgeschichte und Mystery vermischt – alles verpackt im Sci-Fi-Gewand. Es ist Steven Spielbergs bester Film seit 20 Jahren, voll mit der Magie, die seine Filme so einzigartig machen“ oder „Spannend, unterhaltsam, zutiefst emotional und mit makellosen Darbietungen (vor allem Emily Blunt ist umwerfend). Voller Geheimnisse und Wunder; Spielberg beweist, warum das niemand so gut hinbekommt. Einfach großartig“, heißt es hier.
Anna (Anna Ctvrtnícková), Pater Vitus (Heino Ferch) und Matteo (Radoslav Gavlas) gehen den Machenschaften der Geheimgesellschaft auf den Grund. Foto: Balda Film
Seit seiner Kindheit gehört Matteo (Radoslav Gavlas) einer mächtigen Geheimgesellschaft an und verkehrt mit mächtigen und nahezu unantastbaren Persönlichkeiten verschiedenster Institutionen. An der Spitze der einflussreichen Gesellschaft steht der Meister (Pawel Lawrynovicz), ein überaus geschickter Manipulator. Nach seinem Initiationsritual wird Matteo befördert und mit der Kontaktaufnahme zu Vater Vitus (Heino Ferch) beauftragt, der für die Geheimgesellschaft enorm wichtig ist. Matteo wird dann aber Zeuge entsetzlicher Machenschaften und beginnt, auch durch Gespräche mit Anna (Anna Ctvrtnickova), der Sache auf den Grund zu gehen. Annas Vater Juraj (Féodor Atkine) ist – wie Vater Vitus – Mitglied eines geheimen Ordens innerhalb der Kirche; die Gesellschaft des Meisters ist ihr Feind. Aber ist sie das wirklich? Der Kampf des Vaters Vitus zwischen seinem Streben nach Macht und seinen moralischen Werten gibt dem Meister die Chance, die Kirche auf verschiedenen Ebenen zu infiltrieren. Es scheint, dass Juraj in diesem Kampf auf sich allein gestellt ist.
Während seines Studiums in Bologna trifft Matteo einen Universitätsprofessor (Pavel Kriz), der ihm die Funktionsweise von Sekten und anderen Gesellschaften erklärt, und Matteo beginnt zu begreifen, dass er Teil einer fanatischen Gesellschaft ist. Überraschenderweise ist es Juraj, der Matteo überredet, sein Wissen über die mächtige Gesellschaft dem investigativen Journalisten Ivan (Arnaud Binard) preiszugeben. Dies führt zu einer bedrohlichen Kette unvorhersehbarer Ereignisse und selbst die einflussreichen Akteure ahnen nicht, dass das Spiel viel weitreichender ist, als es zunächst scheint.
Der atmosphärische Mystery-Thriller von David Balda erzählt, wie in ganz Europa und darüber hinaus eine mächtige Elitegesellschaft im Verborgenen agiert und dabei unsichtbare Kontrolle ausübt. In weiteren Rollen sind Féodor Atkine („Becoming Carl Lagerfeld“), James Faulkner („Game of Thrones“), Predrag Bjelac („Harry Potter und der Feuerkelch“) und Anna Ctvrtnícková („Schatten in meinen Augen“) zu sehen.
Die in sich gekehrte Elisabeth
(Agathe Rousselle) kämpft um ihr inneres Gleichgewicht. Foto: Port au Prince Pictures
Am Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele vibriert Paris vor Energie. Mitten in diesem Ausnahmezustand kämpft Elisabeth (Agathe Rousselle) um ihr inneres Gleichgewicht. Die hörgeschädigte junge Frau arbeitet für eine Appartementvermittlung und hetzt zwischen Ferienwohnungen, Gästen und den Erwartungen ihres Arbeitgebers umher.
Als sie dabei dem unbeschwerten Amerikaner Elijah (Alex Lawther) begegnet, entsteht zwischen der in sich gekehrten jungen Frau und dem quirligen Rucksacktouristen inmitten des Trubels eine unerwartete Freundschaft. Der Film von Laurent Slama ist ein poetisches Stadtporträt zwischen dokumentarischer Beobachtung und modernem Märchen – eine zarte Ode an Freundschaft, Zufall und die Möglichkeit eines Neuanfangs.
Geburt im St. Josefskrankenhaus: Der Mensch und sein Wohlbefinden soll im Mittelpunkt stehen. Foto: Isabell Steinert
Eine Geburt gehört zu den prägendsten Momenten im Leben – und sie bleibt nicht immer unbeschwert. Was medizinisch gut verläuft, kann sich für Frauen dennoch belastend oder sogar traumatisch anfühlen. Genau hier setzt das St. Josefskrankenhaus Freiburg mit der verpflichtenden Fortbildung „Wenn die Geburt zum Trauma wird“ an. Als erste Geburtshilfe der Region hat das St. Josefskrankenhaus traumasensible Geburtshilfe fest in die Qualifizierung seines Teams integriert.
„Ausdruck der ganzheitlichen Philosophie unserer Geburtshilfe ist die bewusste Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema Traumatisierung“, betont Bärbel Basters-Hoffmann, Chefärztin der Geburtshilfe. Ziel sei es, Fachkräfte für die Perspektive der Frauen zu sensibilisieren und ihnen Sicherheit im Umgang mit belastenden Geburtserfahrungen zu geben. Der Kurs vermittelt fundierte wissenschaftliche Grundlagen ebenso wie praxisnahe Impulse für den klinischen Alltag. Bereits mehr als 1.600 Fachpersonen haben die Weiterbildung absolviert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie belastende Erfahrungen erkannt, eingeordnet und professionell begleitet werden können – und wie sich traumatischen Verläufen vorbeugen lässt.
Zentrale Impulse liefert die Arbeit von Ute Taschner. Die Ärztin, Stillberaterin und Resilienz-Trainerin zeigt, dass nicht allein medizinische Komplikationen entscheidend sind, sondern vor allem das subjektive Erleben der Frauen. Fehlende Mitbestimmung, unzureichende Kommunikation oder das Gefühl von Kontrollverlust können dazu beitragen, dass eine Geburt als traumatisch erlebt wird – mit möglichen Folgen für die Bindung zum Kind und die psychische Gesundheit. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Geburtshilfe an Bedeutung, die Vertrauen schafft, Sicherheit vermittelt und die individuelle Situation der Frauen ernst nimmt.
„Ganzheitliche Philosophie“: Bärbel Basters-Hoffmann, Chefärztin der Geburtshilfe am St. Josefskrankenhaus. Foto: Artemed Kliniken
Die Fortbildung ist Teil eines umfassenden Gesamtkonzepts. Mit der Ende 2025 eröffneten zentralen Elternschule wurden die Angebote für werdende Eltern gezielt gebündelt und erweitert. Sie schafft einen geschützten Raum für Information, Vorbereitung und Austausch – und stärkt Familien bereits vor der Geburt. Ergänzt wird dieses Angebot durch moderne geburtshilfliche Strukturen, darunter ein hebammengeleiteter Kreißsaal sowie ein Be-Up-Kreißsaal, die eine interventionsarme und selbstbestimmte Geburt fördern. Als Babyfriendly Hospital (WHO/UNICEF) setzt das Haus zudem auf konsequente Bindungsförderung, unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakt und Stillunterstützung. Niedrige Kaiserschnittraten und hohe Stillquoten bestätigen die Qualität dieses Ansatzes. Mit der konsequenten Verankerung traumasensibler Kompetenzen unterstreicht das St. Josefskrankenhaus seinen Anspruch, Geburt ganzheitlich zu denken – medizinisch, emotional und menschlich.
Mister Rollkunstlauf: Michael Obrecht holte seinen Sport ins Rampenlicht. Foto: Kilian Kreb/ FT
Früher war Michael Obrecht vor allem eines: ehrgeizig. Sehr ehrgeizig. „Ich wollte aus allen meinen Sportlerinnen und Sportlern Weltmeister machen“, sagt er rückblickend. Und es ist ihm auch häufig gelungen: Frank Albiez, Kiki (Frédérique Florentin) sowie die Brüder Stefan und Daniel Müller wurden Weltmeister in der Kombination. Früher gab es nur die Kombination – bestehend aus Pflicht und Kür. Die Kür, sagt Obrecht, sei nichts für reine Fleißarbeiter gewesen. „Da braucht man Dinge, die man nicht erlernen kann.“ Talent unter anderem. Kiki hatte reichlich davon. „Wenn sie eine Kür einmal fehlerfrei konnte, dann saß sie. Bombensicher“, erzählt er begeistert. Seine jüngste Weltmeisterin Alina de Silva holte 2023 den Titel in der Pflicht. „Eine unglaublich nervenstarke Sportlerin“, sagt er voller Stolz. Als Sportler hat es Michael Obrecht zu vier Weltmeistertiteln in der Kombination gebracht.
Vierfacher Weltmeister
Obrecht ist nahe des FT-Sportparks aufgewachsen. Die einfache Betonfläche – über die später das Parkett und dann die Schauenberghalle gebaut wurde – hatte er quasi ständig vor Augen. Der entscheidende Moment kam dann Anfang der 60er-Jahre: eine Schaulaufprobe, Markus Gallmann als Solist – und plötzlich war Obrecht mittendrin. „Auf einmal hatte ich einen Ballon in der Hand und bin bei der Show mitgelaufen.“
Die Trainingsbedingungen waren damals überschaubar. Einer seiner damaligen Trainer konnte selbst nicht mal Rollschuhlaufen, erzählt Obrecht lachend. Umso erstaunlicher: Bei den Deutschen Meisterschaften 1964 in der Freiburger Stadthalle wurde der damals 13-jährige Obrecht Vierter im Jugendbereich. Drei Jahre später startete er bereits in der Meisterklasse, wurde Zweiter und qualifizierte sich für die WM in Birmingham, wo er den fünften Platz in der Kombination belegte. 1968 folgte WM-Silber, 1970 in Nebraska der erste Weltmeistertitel. Insgesamt wurde Michael Obrecht viermal Weltmeister: 1970, 1971, 1972 und 1974. 1973 bremste ihn eine Verletzung aus. 1975 beendete er seine aktive Laufbahn. Eigentlich wollte er 1976 noch bei der WM in Rom starten – doch seine Mutter, jahrelang Leiterin der Rollkunstlaufabteilung, fand das keine gute Idee. „Nur über meine Leiche“, war ihre Antwort auf seine damaligen Ambitionen, erzählt Obrecht schmunzelnd.
Statt Rom kam etwas viel Größeres: Märchen auf Rollen. Die Idee kam von seiner Mutter, die erste Show 1976 hieß Peterchens Mondfahrt – und war der Beginn einer 50-jährigen Erfolgsgeschichte. „Von den Rollkunstlaufshows lebt der Sport“, sagt Obrecht. „Hier haben wir den Nachwuchs generiert.“ Shows machen den Sport attraktiv. „Ich bin ein Show-Mensch“. Unvergessen bleibt für ihn aber auch die WM 2009 in Freiburg: hochprofessionell, fantastisch organisiert. Für Obrecht: bis heute unerreicht.
Schon mit 15 war er Übungsleiter. 1980 wurde er festangestellter Vereinstrainer, später Landes- und Bundestrainer. Eigentlich sollte er etwas „Ordentliches“ werden, studierte Sport und Deutsch auf Lehramt. Halbherzig. Bei einer Sportprüfung erlitt er einen Muskelfaserriss. „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt er und lacht. Das war das Ende des Studiums – und der Anfang der Karriere von Mister Rollkunstlauf.
„Ich bereue nichts“
Heute ist Michael Obrecht 75 Jahre alt. Anfang Februar legte er sein Amt als stellvertretender Abteilungsleiter und Pressewart der FT-Rollkunstlaufabteilung nieder. Jetzt reist er durch die Republik, schaut sich Musicals an und kennt den Berliner Theaterbetrieb besser als so mancher Einheimische. Zuhause entspannt er gerne, gibt noch „zum Spaß“ etwas Training und freut sich auf Tatort-Sonntage. „Ich schlaf regelmäßig ein“, erzählt er schmunzelnd, „und wache weit nach Ende des Films wieder auf.“ Dankbar blickt er zurück. Sein Ehrgeiz, sein Mut und die Möglichkeiten, die er hatte, haben den Rollkunstlauf in Freiburg und weit darüber hinaus ins Rampenlicht gerückt. Besonders stolz ist er auf die Nanny auf dem Dach. „Ein richtiges Musical.“ Über 100 Läuferinnen und Läufer standen bei den Märchen auf der Fläche – Deutsche, Europa- und Weltmeister, von jung bis alt.
In Freiburg waren die Märchen auf Rollen eine Marke, und die Vorstellungen immer ausverkauft. Der Rollkunstlauf hat von ihm profitiert – und er von seinem Sport. „Ich bereue nichts“, sagt er. Über 20-mal war er in Australien, zweimal beim Sommerfest des Bundeskanzlers eingeladen. Einmal bei Willy Brandt – daran erinnert er sich. Wer der zweite Kanzler war? „Keine Ahnung. Ich stand da neben Karin Dor und Pierre Brice – da kann ich mich beim besten Willen nicht mehr an den Bundeskanzler erinnern“, sagt er und lacht wie so häufig. Auch das aktuelle Sportstudio lud ihn ein.
Fünf Jahrzehnte Shows auf Rollen, rund sechs Jahrzehnte als Trainer, unzählige Läuferinnen und Läufer zu Titeln geführt und selbst zahlreiche Erfolge gefeiert: Michael Obrecht prägte den Rollkunstlauf wie kaum ein anderer und half, einen Sport sichtbar zu machen, der sonst in der Nische steht. Gut, dass Michael Obrecht kein Lehrer geworden ist.
Die letzte Staffel soll die „geilste Saison in der Geschichte von ‚Immer wieder sonntags’“ (IWS) werden, verspricht Moderator Stefan Mross bei der Auftaktshow im Euro-Park. Hier mit IWS-Außenreporterin und „Der Bergdoktor“-Star Ronja Forcher. Foto: Joachim Hahne
Die beliebte Schlagershow „Immer wieder sonntags“ ist im Europa-Park in ihre letzte Saison gestartet. Bei der Auftaktshow wurde Moderator Stefan Mross ganz emotional, weil die Sendung nach über 30 Jahren aus Kostengründen eingestellt wird. „Ich habe mir wirklich lange überlegt, was soll ich denn zur ersten Sendung beziehungsweise zur ersten Moderation erzählen? Sie haben es ja alle mitbekommen“, sagte der 50-Jährige. Das zähle jetzt aber überhaupt nicht, „an dieser Stelle will ich mich erstmal bedanken, beim SWR, bei der ARD, bei Werner Kimmig Entertainment, bei meinem besten Freund, beim Europa-Park“, zeigte er sich versöhnlich. Seine Gäste an diesem Sonntag – darunter Andy Borg und Beatrice Egli – bezeichnete Mross als Freunde, die ihn seit vielen Jahren unterstützt hätten.
Die letzte Staffel soll die „geilste Saison in der Geschichte von ‚Immer wieder sonntags’“ werden. Nach der Sendung postete Mross auf Instagram auch noch ein emotionales Fazit zur ersten Folge. Unter einem gemeinsamen Bild mit Andy Borg und der Band „Die Fetzigen“ schrieb er: „Ich geb’s zu: Ich hatte Tränchen in den Augen“. Die Zuschauer dürfen sich auf weitere zwölf Folgen aus dem Europa-Park freuen, dass die Show beliebt ist wie eh und je, zeigten auch die Einschaltquoten: mehr als 1,1 Millionen Schlagerfans waren dabei. In den kommenden Folgen wird Stefan Mross bestimmt noch das eine oder andere Tränchen vergießen!
In der Wüste (hier in Mauretanien) fühlt sich Extremläuferin Brigid Wefelnberg in ihrem Element. Foto: Privat
Brigid Wefelnberg, 62, liebt die Wüste – und sie liebt es, ihre Komfortzone zu verlassen. Im Oktober 2025 startete die Läuferin der FT 1844 Freiburg in der Wüste Gobi, im Januar 2026 in Mauretanien. Im Juni geht es weiter: Dann stehen 520 Kilometer durch die Wüste Gobi auf dem Programm.„Ich war im siebten Himmel, als ich in Mauretanien an den Start ging“, erzählt die Extremläuferin, die Anfang Januar vom kalten Schwarzwald in die Sahara flog, um am Trans333 Non-Stop-Lauf teilzunehmen.
Schon 2019 absolvierte sie dort einen 1.000-Kilometer-Non-Stop-Lauf, 2022 sogar einen 1.200 Kilometer langen Non-Stop-Lauf – die Krönung ihrer bisherigen Karriere. Für die FT-Läuferin ist die Wüste ein Refugium. Beim 333-Kilometer-Lauf, bei dem sie als erste Frau und einzige Finisherin durchs Ziel lief, war sie 72 Stunden unterwegs – geschlafen hat sie insgesamt nur sechs bis sieben Stunden. „Heute brauche ich sonst viel mehr Schlaf als früher, beim Wettkampf aber weniger – der Ehrgeiz treibt mich sehr stark an“, sagt Wefelnberg, die seit 20 Jahren an Extremläufen teilnimmt. Auch ihre Osteoporose-Erkrankung, über die sie offen spricht, hält sie nicht auf. Wie viele Läufe es bisher insgesamt waren, weiß sie nicht genau: „Ich schätze, über 80. Die Zahl ist nicht so wichtig. Ich liebe es, diesen Sport unter extremen Bedingungen weit außerhalb der Komfortzone zu betreiben!“
Extremlaufen bedeutet Selbstverantwortung
Für Wefelnberg bedeutet Extremlaufen vor allem Selbstverantwortung: Navigation, Ernährung, Schlaf – alles liegt in ihrer Hand. „Viele Trail-Läufe sind inzwischen so organisiert, dass man sich kaum um etwas kümmern muss. Bei vielen Wüstenläufen aber Gott sei Dank noch nicht. Ich mag Sicherheit – aber Komfort brauche ich nicht“, erklärt sie. Auch bei der Navigation setzt sie auf Einfachheit: „Viele nutzen hochmoderne GPS-Uhren. Ich bin aus gutem Grund absolut oldschool. Als Hauptnavigationsgerät nutze ich ein Garmin, ein Modell, das man in der Hand hält. Ansonsten nur ein paar Apps als Backup, die offline funktionieren. Mein Garmin funktioniert auch offline.“
In Mauretanien bewies diese Herangehensweise ihren Wert: In einem starken Sandsturm stieß sie auf den bis dahin zweitplatzierten Läufer, dessen Navigationssystem den Geist aufgegeben hatte. Er hatte die Orientierung verloren, doch gemeinsam und mit Brigids Garmin erreichten sie sicher den nächsten Checkpoint. Am Ende war Wefelnberg die einzige Frau von drei Starterinnen, die das Ziel erreichte. „Was für ein genialer Wüstenlauf!“, schwärmte Wefelnberg. „Nachts mussten wir mitten im Auge von Afrika, dem berühmten geologischen Phänomen Mauretaniens, etliche gewaltige, auch steinige Dünenabschnitte besteigen, danach nicht enden wollende Salzseen überqueren – an Kamelherden vorbei. Genau mein Ding!“
Der Lauf war auch eine Art Wiedergutmachung. Ihren letzten Ultra, den 400 Kilometer langen „Ultra Gobi“ im Oktober 2025, musste sie nach 54 Kilometern abbrechen: Bei einem Sturz hatte sie sich beide Daumen gebrochen. „Es war kein schöner Moment. Ich habe gerungen, ob ich weiterlaufen kann. Doch die bevorstehende Gebirgsstrecke war zu anspruchsvoll, und ich konnte das GPS nicht bedienen, nicht einmal meine Schuhe binden“, erinnert sie sich. Doch Wefelnberg ließ sich nicht entmutigen. Nach der Versorgung ihrer Daumen kehrte sie als Volunteer ins Rennen zurück – ein Einsatz, für den andere Läufer ihr später dankten.
„Ich laufe nur old school“
Die nächste Reise steht jetzt im Juni an – zum 520 Kilometer langen „The Track“ in der Mongolei, den sie bereits im australischen Outback und in der Namib-Wüste in Namibia absolviert hat. Zehn Tage durch die Wüste Gobi, wo nachts Temperaturen von bis zu minus 20 Grad herrschen können. Am 11. Juni geht der Flug in die mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar. Direkt anschließend folgt der 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte in Freiburg. „Das wird sehr sportlich werden!“ Im November könnte sie das Jahr mit einem 1.400-Kilometer-Lauf krönen. „1.200 Kilometer habe ich schon geschafft, 1.400 wären toll. Davon träume ich schon lange. Aber natürlich laufe ich nur old school – mit zwei Garmins und Batterien“, sagt sie lachend.
Nicht alle Kinder mit ADHS werden diagnostiziert – umso mehr Erwachsene bekommen heute eine ADHS-Diagnose. Foto: Adobe-Stock
Immer mehr Menschen diagnostizieren sich selbst eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung oder eine Autismusspektrumsstörung – oft inspiriert von dementsprechenden Kanälen in den sozialen Medien. Warum die Diagnosezahlen tatsächlich steigen und was Betroffene tun können, erläutert Swantje Matthies, Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Freiburg.
In den sozialen Medien ist oft die Rede von Neurodivergenz: Was bedeutet das und gibt es belastbare Zahlen, wie viele Menschen daran leiden?
Swantje Matthies: An sich ist Neurodivergenz kein Begriff aus der Krankheitslehre, mit der wir uns als Ärzte beschäftigen. Der Begriff sollte ursprünglich so was wie kognitives Anderssein beschreiben und entstand im Rahmen des Kampfes von uns für Menschen, die sich anders fühlen. Später wurde er eher zum Begriff einer politischen Bewegung. An sich handelt es sich bei Neurodivergenz also nicht um eine Krankheit. Es lässt sich auch nicht genau sagen, welche psychischen Erkrankungen und Konditionen dazu gehören. Die Rede ist oft von Entwicklungsstörungen wie Autismus oder ADHS, aber auch Teilleistungsstörungen wie LRS und Dyslexie. Auch Hochsensibilität wird oft darunter genannt, dabei handelt es sich wiederum um einen Begriff, den manche Menschen für sich selbst verwenden, der nicht gut definiert ist und auch nicht zu den psychischen Erkrankungen zu rechnen ist. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, „belastbare Zahlen“ für das Vorkommen von Neurodivergenz zu nennen. Denn das Konstrukt ist nicht scharf definiert. Für psychische Erkrankungen wie ADHS beispielsweise lassen sich hingegen Zahlen nennen. Man geht davon aus, dass zweieinhalb bis vier Prozent der Erwachsenen von einer ADHS betroffen sind, im Kindesalter sind die Zahlen doppelt so hoch.
Haben sich diese Zahlen in der Vergangenheit verändert?
Matthies: Die Diagnosezahlen für Entwicklungsstörungen steigen, das heißt aber nicht, dass die Erkrankung zunimmt, sondern dass mehr Diagnosen gestellt werden. Gerade bei der Zunahme von ADHS-Diagnosen im Erwachsenenalter sind zum Beispiel auch Menschen dabei, die im Kindesalter schon einmal diagnostiziert wurden und jetzt wieder in der Statistik auftauchen. Und gerade weil das Thema so in den Fokus gerückt ist, haben viele Menschen, die im Kindesalter übersehen wurden, einen Diagnosebedarf.
Früher war es der Zappelphilipp, heute gibt es die ADHS-Diagnose – was ist dran an dem Vorurteil?
Matthies: ADHS als Kinderkrankheit gerade bei Jungen kennen wir schon sehr lange und auch die Behandlungsmöglichkeiten. Die sogenannte Awareness für solche Erkrankungen ist dadurch gewachsen.
Swantje Matties ist Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: Matthies
Was halten Sie von sogenannten Selbstdiagnosen?
Matthies: Der Vorteil der sozialen Medien ist, dass sie die Leute aufklären können. Allerdings sind auch viele Fehlinformationen im Netz zu finden. Und Erfahrungsberichte können auch irreführend sein. Wer sich umfassend informiert hat, kann das Gefühl bekommen, sich im Gesamtbild wiederzuerkennen. Damit kann man richtig liegen, aber es können natürlich auch andere Erkrankungen oder Gründe dahinterstecken. Eine Selbstdiagnose ist deswegen nicht gut möglich. Es ist aber durchaus okay, zu sagen, dass man bestimmte Eigenschaften bei sich erkennt, und sich dann weiter darüber zu informieren. Welchen Weg könnte man dann gehen?Matthies: Nicht jede Person, die glaubt, ADHS oder Autismus zu haben, muss zwangsläufig zum Arzt oder Therapeuten – das ist aufgrund der langen Wartezeit auch oft frustrierend. Betroffene können sich weiter informieren: Zum Beispiel bei Selbsthilfegruppen, Informationsveranstaltungen oder mit Hilfe von Büchern. Wichtig ist, dass man sich wirklich gut informiert und nicht nur oberflächlich. Möglichkeiten zur Selbsthilfe sind dort und in den sogenannten DiGAs zu finden.
Wann ist der Weg zum Therapeuten angezeigt?
Matthies: Manche Menschen sind von ihrer Erkrankung schwer beeinträchtigt: Zum Beispiel schaffen sie es nicht, einen Job zu behalten, eine Partnerschaft zu führen oder sich und ihre Kinder zu versorgen. Auch wenn die ADHS Auswirkungen auf Ausbildung oder Studium hat und dieses erschwert, sollte man zur Diagnostik gehen.
Informationen bieten zum Beispiel die Selbsthilfegruppen ADHS Deutschland e. V. (www.adhs-deutschland.de) oder Aspies e. V. (www.aspies.de).
Von links: Nicole Razavi, Verkehrsministerin des Landes Baden-Württemberg, Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB-InfraGO, Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister und Clarissa Freundorfer, Konzernbevollmächtigte für das Land Baden-Württemberg. Foto: Enya Steinbrecher
Mit einem symbolischen Spatenstich haben die Deutsche Bahn, der Bund und das Land Baden-Württemberg am vergangenen Freitag den offiziellen Baubeginn für die neue Güterzugstrecke im Rheintal eingeläutet. Das Infrastrukturprojekt ist Teil des Ausbaus der Bahnverbindung Karlsruhe–Basel und des europäischen Güterverkehrskorridors Rotterdam–Genua.
Es war ein bedeutender Spatenstich, der sich am vergangenen Freitag zwischen den Gemeinden Reute und Teningen ereignet hat: Nach Jahrzehnten der Vorbereitungen geht es nun mit dem Ausbau der Rheintalbahn voran.
Die neue Strecke wird zwischen Offenburg und Müllheim im Markgräflerland entlang der Autobahn A5 verlaufen und künftig den Güterverkehr von der bestehenden Rheintalbahn aufnehmen. Gemeinsam mit der Bestandsstrecke stehen damit künftig vier statt bislang zwei Gleise zur Verfügung. Ziel ist es, die Kapazitäten für den Schienengüterverkehr deutlich zu erhöhen und gleichzeitig mehr Raum für den Nah- und Fernverkehr zu schaffen.
Zum Auftakt der Bauarbeiten wurde der erste Bauabschnitt zwischen Riegel und March gestartet. Auf einer Länge von rund elf Kilometern entstehen hier zwei zusätzliche Gleise, die im Regelbetrieb ausschließlich für Güterzüge genutzt werden. Die Bauzeit für diesen Abschnitt wird auf etwa sechs Jahre geschätzt.
DB-InfraGO-Vorstandsvorsitzender Philipp Nagl bezeichnete den Baubeginn als „neues Kapitel beim Ausbau der Rheintalbahn“ und betonte die Bedeutung des Projekts für einen leistungsfähigen und umweltfreundlichen Schienenverkehr.
undesverkehrsminister Patrick Schnieder sprach von einem der wichtigsten europäischen Schienenprojekte, das sowohl den Güterverkehr stärke als auch die Menschen entlang der bestehenden Strecke entlaste. Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi hob die wirtschaftliche Bedeutung des Ausbaus für die Region sowie die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene hervor.
Ein wesentlicher Vorteil der neuen Güterzugstrecke liegt in der Entlastung der Anwohnerinnen und Anwohner entlang der heutigen Rheintalbahn. Nach Angaben der Deutschen Bahn werden künftig rund 50.000 Güterzüge pro Jahr Freiburg und die umliegenden Gemeinden umfahren. Dadurch soll die Lärmbelastung entlang der bestehenden Strecke spürbar sinken. Die neue Güterzugstrecke wird insgesamt mehr als 90 Kilometer lang sein. Wann die Gesamtstrecke in Betrieb gehen kann, hängt von den noch ausstehenden Genehmigungsverfahren für die weiteren Bauabschnitte ab.