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Drogenkonsum an der Freiburger Bismarkallee: Händler kritisieren Zustände

Neuer DrogenkonsumplatzRund um das Ex-Commerzbankhaus tummelt sich die Drogenszene. Foto: Michael Bamberger

Der Streit um die Aufenthaltsplätze für suchtkranke Menschen war eines der Aufregerthemen im vergangenen Jahr. Der zusätzliche Platz an der Stefan-Meier-Straße sollte die Lage eigentlich entspannen. Doch durch den neuen Platz würden die Probleme nur noch offensichtlicher zutage treten, beklagen Händler in einem offenen Brief und wünschen sich mehr Kontrollen.

Es ist – „vielleicht auch aufgrund der Sommermonate“, sagt Christian Grether – zu einem alltäglichen Bild geworden: An der nördlichen Bahnhofsachse, rund um das Ex-Commerzbank-Gebäude an der Bismarkallee, sind immer wieder Menschen anzutreffen, die mit Drogenutensilien hantieren und sich in dunklen Ecken wie der Tiefgarageneinfahrt zurückziehen. Oder die, wie ein Mann am Sonntagnachmittag vor dem Volksbank-Gebäude, irgendwo in zusammengekauerter Haltung regungslos auf dem Pflasterboden sitzen. Ein paar Meter weiter, vor dem Sonnenkaufhaus, dessen Geschäftsführer Grether ist, parkt in diesem Moment ein Streifenwagen der Polizei. „Den habe ich gerufen“, berichtet Grether am Montag von rund 30 Personen, die sich am Sonntag auf dem Areal hinter seinem Geschäft getroffen hätten. „Es ist irre, was sich hier abspielt“, sagt er.

Seit zusätzlich zum Pergolaplatz am Colombipark der zweite Platz für suchtkranke Menschen an der Stefan-Meier-
Straße existiert, habe sich die Situation „zugespitzt“. Grether erzählt von benutzten Spritzen und anderen Drogenutensilien, die überall dort zu finden seien. Das Drogenbesteck würde teilweise sogar über längere Zeit nicht beseitigt. Solche und weitere Schilderungen finden sich auch in einem offenen Brief, den der Geschäftsmann in Abstimmung mit weiteren Händlern und Anwohnern an Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn verschickt hat.

Wichtig sei es Grether zu betonen: Der Brief und die deutliche Kritik an den Zuständen richteten sich nicht an die suchtkranken Menschen: „Diese Menschen benötigen Hilfe, medizinische Versorgung und soziale Unterstützung. Sie tun mir leid“, sagt Christian Grether. Es könne jedoch nicht akzeptiert werden, dass die Folgen dieser Situation „nahezu ausschließlich von den Gewerbetreibenden, den Beschäftigten, den Anwohnern und den Besuchern dieses Stadtteils getragen werden“, heißt es in dem Brief.

Auf Anfrage des Wochenberichts äußert sich Oberbürgermeister Horn zu der Situation. „Selbstverständlich nehmen wir die Eindrücke sehr ernst“, sagt der OB und verweist auf ein regelmäßiges Treffen mit allen relevanten Akteuren wie Polizei, Sozialamt, Drogenhilfe, Universität sowie Anwohnern.

Dass sich die Stadtverwaltung regelmäßig mit verschiedenen Akteuren zu der Situation um die Drogenszene am Bahnhof austauscht, weiß inzwischen auch Christian Grether, Geschäftsführer des Sonnenkaufhauses. Was ihn jedoch verwundert: Vertreterinnen und Vertreter des betroffenen Einzelhandels seien in dieser Runde nicht mit dabei. Das habe ihm nach eigener Aussage eine Referentin des Oberbürgermeisters in einem Telefonat bestätigt. „Es wäre sinnvoll, auch das eine oder andere Unternehmen da mit einzubeziehen“, so sein Vorschlag. Schließlich seien es die Einzelhändlerinnen und Einzelhändler, die Steuern bezahlten, ausbildeten und dazu beitrügen, die Freiburger Innenstadt lebendig zu halten, wie es auch in dem offenen Brief an den Oberbürgermeister heißt.

Um die Situation an der Bismarckallee zu verbessern, fordert Grether in seinem Brief mehr Präsenz von Polizei und Gemeindevollzugsdienst sowie eine deutlich häufigere Reinigung öffentlicher Flächen. Zur Polizeipräsenz sagt Polizeisprecher Árpád Kurgyis auf Wochenbericht-Anfrage: „Unsere Einsatzkräfte bestreifen den Bereich und insbesondere den Aufenthaltsplatz in der Stefan-Meier-Straße regelmäßig und führen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Personenkontrollen durch.“

Oberbürgermeister Martin Horn sagt außerdem: „Dass die Gesamtsituation herausfordernd ist, können wir gut nachvollziehen. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen, dass es keine einfache Lösung gibt. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Situation vor Ort zu sichern und für die Anwohnerinnen und Anwohner zu verbessern. Die aktuellen Polizeizahlen zeigen nach unserem Kenntnisstand auch keine Verschlechterung der Lage.“

Die Folgen des neuen Drogenkonsumplatzes an der Stefan-Meier-Straße sorgen weiterhin für Diskussionen. Foto: Thomas Kunz