Aus vielen Branchen ist KI bereits nicht mehr wegzudenken. In anderen wird sie jedoch zunehmend zur Konkurrenz – gerade in kreativen Berufen. Künstlerinnen und Künstler aus Freiburg berichten, wie sie zu künstlicher Intelligenz stehen und sehen neben Herausforderungen vor allem Möglichkeiten.
Ein Bild bearbeiten, Ideen für den Text für Omas Geburtstagskarte, oder ganze Songs mit künstlicher Intelligenz schreiben: Die Möglichkeiten, die KI bietet, sind heute fast grenzenlos. Auch für Privatpersonen werden ChatGPT und Co. immer mehr zum Werkzeug für den alltäglichen Gebrauch.
Als Musiker nutzen Felix und Till Neumann von Zweierpasch KI täglich: Zum Beispiel ChatGPT für Technikfragen. „Das spart Zeit und pimpt den Workflow“, so Till Neumann. Untertitel werden per KI generiert, Bilder nach Wunsch optimiert oder generiert.
„Im besten Fall ist KI eine teuflisch gute Helferin“, so Till Neumann. Trotzdem wirft KI Fragen auf – zum Beispiel nach dem Schutz geistigen Eigentums. Außerdem kritisiert der Musiker, dass zum Beispiel Spotify seine Playlists mit KI-Liedern füttere, ohne dafür Abgaben zu zahlen, und damit eine ohnehin schon klamme Einnahmequelle von Künstlern weiter schmälere. „Das ist kriminell“, so Neumann.
Angst habe er dennoch keine vor KI: „Kunst darf fehlerhaft sein, Schwächen zeigen, das ist zutiefst menschlich.“ Generell jedoch befänden sich freie Kulturschaffende „im freien Fall“, so Neumann: „Wer möchte, dass Vielfalt und Kreativität erhalten bleibt, sollte hin und wieder ein paar Euro in Tickets seiner Local Heroes stecken.“
Auch Unternehmen setzen in ihrer Arbeit auf Künstliche Intelligenz: Nico Dörle ist Gründer von drei Animationsstudios in Freiburg. In den letzten zwei Jahren seien künstliche Intelligenzen so gut geworden, dass man damit arbeiten könne, auch ChatGPT wird zu Recherchezwecken herangezogen. Generative KI sei noch zu unzuverlässig und dadurch „eher nervig“, so Dörle. Außerdem verstößt die Arbeit mit generativer KI gegen die Firmenethik: „Wir nutzen auch nie Stockfotos. Wir wollen wirklich alles selber machen.“
Das soll auch in Zukunft so bleiben. Was KI ohnehin nicht übernehmen könne, so Dörle, sei die beratende Tätigkeit, die die Animationsstudios übernehmen. „Wir wollen Ideen formen und gemeinsam mit dem Kunden herausfinden: Was passt hier überhaupt?“ Wer hingegen kleinere Projekte umsetzen will und schon genau weiß, was er oder sie sich vorstellt, könne von KI durchaus profitieren.
Gerade Firmen, die auf kleine Jobs mit niedrigen Budgets angewiesen sind, könnten dadurch verdrängt werden. Dieser Trend sei jedoch nicht unbedingt durch KI ausgelöst: Für Grafiker sei Deutschland aufgrund der Möglichkeit, Projekte in Niedriglohnländer outzusourcen, ein schwieriger Standort.
Doch auch Dörle geht davon aus, dass KI seinen Job beeinflussen wird. Umso wichtiger ist es ihm, sich jetzt zu positionieren. „Wer mit KI kämpft, wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren große Probleme haben.“ Er bedauert, dass KI den Eindruck verbreite, dass kreative Arbeit leicht zu ersetzen und weniger Wert sei.
KI wird Änderungen bringen
Auch Luca Forbes, Gründer des Freiburger Spielestudios „Sticky-Stones-Studios“, beobachtet, dass die Nutzung von KI steigt – vor allem in der Entwicklung von Prototypen sowie der effizienteren Arbeit an monotonen Aufgaben und weniger im kreativen Bereich. Im Rahmen der DSGVO und interner Richtlinien ist es den Mitgliedern erlaubt, KI einzusetzen. „Wir sind nicht der Ansicht, dass es aktuell ohne jegliches Grundwissen der Materie möglich ist, ein Spiel aus dem Nichts zu erschaffen“, so Forbes. Denn: „Am Ende ist KI nur so gut wie das Wissen und die Kenntnisse der Person, die den Prompt eingibt“, so Forbes.
Er sieht vor allem die starke Abhängigkeit von einzelnen Konzernen und die Wertschöpfungskette im Bezug auf Hard- und Software als problematisch an. Lösung könne hier eine euopäische und vor allem wettbewerbsfähige KI sein.
Die Freiburger Grafikdesignerin Susa Goerke erlebt durch KI einen großen Einfluss auf ihre Branche, den sie auch durch das Internet bereits bemerkt habe. Wie Dörle weist sie hier auf die Nutzung billiger Arbeitskräfte in Drittländern durch das Internet hin.
Im Ideenfindungsbereich oder zu Recherchezwecken nutze sie selbst KI, allerdings nur vorsichtig: „Man kann sich nie sicher sein, wie korrekt so eine Antwort ist“, so Goerke. Zur Logogestaltung nutze sie KI nach wie vor nicht und sieht dies kritisch: „Die Wertschätzung und damit die Wertschöpfung meiner Arbeit nimmt generell ab“, so Goerke. Ein Laie könne auch nur schwer erkennen, ob das Logo professionell sei. Dies sei aber durch das Internet und KI allgemein billiger und niederschwelliger geworden. Das sei „nicht nur Konkurrenz sondern Killer ganzer Berufe“, so Goerke. Sie wäre generell für eine Reglementierung von Künstlicher Intelligenz.


Mit künstlicher Intelligenz können heute schon ganze Songs produziert werden – live bleibt das Gefühl aber ein anderes. Foto: Adobe Stock