Sie könnte bald auf den großen Catwalks der Welt unterwegs sein: Louisa Hoogerwerf, die in Freiburg lebt und Medizin studiert überzeugte die Jury beim Modelcasting sofort. Foto: Privat
Sie träumen davon, so wie Topmodel Anna Ewers aus Freiburg-Tiengen als Model durchzustarten und bald auf den großen Laufstegen der Welt unterwegs zu sein und unzählige Magazincover zu schmücken. Annas Entdecker, Model- und Eventmanager Enzio Maggiore hatte am Sonntag zum Modelcasting in die M.A.K Studios eingeladen und der Andrang war riesig: „Damit hätten wir nicht gerechnet, für Freiburg war es ein extrem großes Model-Casting“, verrät er mir.
500 Bewerbungen waren bei seiner Agentur Enzio M. eingegangen, 300 potenzielle Nachwuchsmodels wurden zum Termin vor Ort eingeladen, 90 Prozent davon Freiburger. Hier stellten sie sich der Jury vor – bestehend aus Enzio Maggiore, Filmemacher Louis Leininger und Fabian Simbeck von Fossil – und posierten vor der Kamera. Und das mit Erfolg. „Es gibt einige vielsprechende Kandidaten und Kandidatinnen“, so der Modelmanager. Eine von ihnen könnte vielleicht sogar die neue Anna Ewers werden. Louisa Hoogerwerf, die in Freiburg lebt und Medizin studiert, hat die Jury sofort überzeugt und einen Modelvertrag bekommen. „Sie ist eine der Finalistinnen, in der ich großes internationales Potenzial sehe“, sagt Enzio Maggiore. Vielleicht entdecken wir sie ja bald auf einem Magazincover?
Sie hatten beim Model am Sonntag viel zu tun: 300 potenzielle Nachwuchsmodels stellten sich bei der Jury – bestehend aus nzio Maggiore von Enzio M., Filmemacher Louis Leininger und Fabian Simbeck von Fossil – vor. Foto: privat
300 Nachwuchsmodels waren bei dem Casting am Sonntag dabei. Foto: privat
Mit dem Steckenpferd über das Hindernis: Für Hannah kein Problem. Foto: Enya Steinbrecher
Arbeitstier, Freizeitgefährte, Sporttier: Die Beziehung von Mensch und Pferd hat viele Gesichter und zieht sich auch durch Spielzeuge und Sport. Aus Finnland schwappt nun ein neuer Trend herüber: Das Hobby Horsing, eine Mischung aus Gymnastik und Leichtathletik. Seit wenigen Wochen bietet auch die FT1844 einen Kurs. Doch wie viel Sport steckt wirklich dahinter? Ein Selbstversuch.
Versammelter Schritt, Trab, Piaffe und danach durch die Länge der Bahn wechseln: Wenn man die Kommandos, die am Montag um 15.30 Uhr in der Sporthalle der Freiburger Turnerschaft gerufen werden, hört, denkt man, man steht in einer Reithalle. Dabei sind es junge Mädchen mit Steckenpferden, die die Kommandos ausführen.
Hobby Horsing ist ein Sport, der schon seit rund 20 Jahren in Finnland bekannt ist. Seit einiger Zeit trainiert auch in Freiburg regelmäßig eine Mädchengruppe unter der Leitung von Tanja Kwiatkista. Die Idee kam schon vor drei Jahren durch ihre heute achtjährige Tochter Lucy auf: Gemeinsam informierte sich das Mutter-Tochter-Gespann und bot zunächst Wochenend-Kurse an.
Was zunächst nach einem Sport für Kindergarten- und Grundschulmädchen klingt, erweist sich auf den zweiten Blick als gar nicht so einfach und zieht auch Erwachsene sowie Jungs in den Bann: Es geht nicht nur um das Rennen mit einem Steckenpferd zwischen den Beinen. Wichtig sind auch eine aufrechte Haltung, die korrekte Bewegung des Pferdekopfes, die Bein- und Zügelhaltung.
Aufeinander achten, im Rhythmus bleiben und dabei elegant aussehen: Hobby Horsing ist gar nicht so einfach. Foto: Enya Steinbrecher
Vor allem Letzteres erfordert Koordination und geht auf die Wadenmuskeln, denn Körperspannung ist alles. In der Gruppe muss man außerdem darauf achten, sich im Tempo anzupassen, denn natürlich soll das ganze für die Zuschauer schön anzusehen sein – Alleingänge sind nicht drin. Wer bereits Hufschlagfiguren aus dem Reitsport kennt, hat einen Vorteil bei der Kür, denn diese kann lang und anspruchsvoll sein und muss auswendig vorgeführt werden.
Während die Dressurübungen mehr in Richtung Gymnastik gehen, geht es beim Springen um Schnelligkeit und natürlich darum, möglichst höher als die anderen zu Springen, ohne eine Stange zu reißen. Hier kommt man schnell ins Schwitzen, denn Tempo zählt. Doch auch hier gibt es das Eleganzspringen, wo mehr Wert auf Sauberkeit und Eleganz gelegt wird, als auf Schnelligkeit und Höhe.
Achtsamer Umgang wichtig
Tanja Kwiatkista legt jedoch nicht nur Wert auf den sportlichen Teil: Die Trainerin ist selbst Erzieherin und Bewegungstherapeutin. Neben dem wöchentlichen Training Montags von 15.30 bis 17 Uhr trifft sich die Gruppe auch regelmäßig an den Wochenenden: Hier werden die Steckenpferde sowie das nötige Zubehör selbst angefertigt, Wanderausritte gemacht und auch persönliche Probleme und Themen in der Mädchengruppe besprochen.
Wichtig ist ihr, dass die Mädchen viel selbst organisieren: Dazu gehört ein Turnier, das die Kinder selbst organisiert haben, aber auch selbst zu Hauser zu recherchieren, denn Profi ist auch Kwiatkista nicht: Das Hobby Horsing bringt sich die Gruppe autodidaktisch bei. Dabei lernen die Mädchen auch Dinge abseits des Sports: Feedback geben, achtsam miteinander umgehen oder Vertrauen in sich selbst zu haben: Zum Beispiel, wenn sie etwas vorführen sollen.
Johannes Koch und Joachim Stöhr versetzen den Knauf der Kreuzblume. Foto: Münsterbauverein Freiburg
Schon lange fehlen dem Freiburger Chor die zierenden Bekrönungen auf den Strebepfeilern. Starke Verwitterung und mangelnde Baupflege ließen den Bauschmuck verschwinden. Die Münsterbauhütte hat sich der Aufgabe angenommen, neue Aufsätze zu schaffen. Der erste, aus 92 Einzelsteinen zusammengesetzte Strebepfeileraufsatz ist nun vollständig auf dem Münsterchor aufgebaut. Am Montag, 4. November setzten und verfugten die Steinmetze der Münsterbauhütte die abschließende Kreuzblume. Ein Meilenstein für die Münsterbauhütte und das Münster ist nun geschafft.
Orientieren am gotischen Gesamteindruck
10,8 Meter hoch ragt der 19,1 Tonnen schwere und aus 92 Einzelsteinen bestehende neue Aufsatz auf der Südseite des Münsterchors nun in den Himmel. 2012 musste der stark zerstörte Aufsatz abgenommen werden. Seither blieb in der Schwebe, wie mit den Leerstellen umzugehen sei. Stilistisch wollte man sich dem gotischen Gesamteindruck der Kirche anpassen und entwickelte eine Gotik des 21. Jahrhunderts.
Ab 2018 war die Formfindung so weit vorangeschritten, dass die ersten Werkstücke geschaffen werden konnten. Insgesamt 17 Steinmetzinnen und Steinmetze waren mit den Arbeiten beschäftigt, ihre Steinmetzzeichen schmücken die Oberflächen der verschiedenen Bauteile. Im Juli 2024 war ein spezieller Kran, eine Laufkatze, auf dem Chor montiert, der die Steine sicher nach oben transportieren konnte.
Der Polier der Münsterbauhütte Joachim Stöhr, der die Arbeiten beaufsichtigte, stellt in Aussicht, dass das Gerüst Ende Januar so weit zurückgebaut sein wird, dass Besucherinnen und Besucher des Münsterplatzes ihren neuen Aufsatz auch von unten bewundern können.
Für den neuen Aufsatz wurden über 1,3 Mio. Euro Spendengelder zusammengetragen. In Zukunft sollen auch die weiteren Aufsätze erneuert werden.
Freiburger sprechen nur noch selten tiefstes Alemannisch: Gerade in Städten ist die gesellschaftliche Durchmischung hoch. Foto: Schoening
SC Freiburg, Brägele und „Alemannisch schwätze“ – das Heimatgefühl der Freiburger ist von vielen Dingen geprägt. Doch gerade in der Sprache findet ein Wandel statt: Traditionelle Basisdialekte werden immer seltener gesprochen. Droht ein Aussterben des Alemannischen Dialektes?
Hochdeutsch genießt heutzutage ein hohes Ansehen: Auf der Arbeit, in den Medien oder in der Uni sprechen die meisten Hochdeutsch. Diese Änderung hat sich vor allem in den letzten Jahrzehnten herauskristallisiert. „Früher war den Menschen Hochdeutsch fremd“, so Tobias Streck von der Alber-Ludwigs-Universität.
Stattdessen wurde in den Dörfern nur Mundart gesprochen – diese unterschied sich oft auch von Dorf zu Dorf. Die Gesellschaft habe damals anders ausgesehen, sagt Streck. Heute hat sich die Arbeitswelt verändert, die Mobilität immens verbessert. Auch ein anderes Wertesystem und die dynamische Entwicklung in den Medien sorgen dafür, dass kommunikative Bedingungen ganz anders seien, so Streck.
Meist würden Dialekte heute eher im privaten Bereich gesprochen: Rund 86 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg geben an, Dialekt zu sprechen, 45 Prozent von ihnen sogar immer oder oft. Der Rest unterscheide zwischen der aktuellen Situation und dem Umfeld: In der Familie, unter Freunden und im Verein wird demnach besonders gerne Mundart gesprochen wird. „Nur wenige sprechen Dialekt auf der Arbeit“, sagt Tobias Streck. „Die Leute haben ein Gefühl dafür, was wann angemessen ist – man würde in der Uni auch keine Vorlesung im Dialekt halten.“
Tendenziell sprechen etwas mehr Männer als Frauen Dialekt, ebenso wie ältere Menschen eher dazu tendieren, Dialekte zu sprechen, als jüngere. Diese Entwicklung sieht auch Patrick Grober von der Mundartgruppe Freiburg. „Jüngere Leute, die zu uns kommen, haben oft die unbegründete Angst, nichts zu verstehen“, so Grober. Die Mundartgruppe hat sich der Pflege des volkstümlichen Mundarttheaters verschrieben. Der Dialekt auf der Bühne sei jedoch „leicht verständlich“, so Grober. „Wir wollen nicht, dass Dialekte verloren gehen.“
Dies fürchtete Tobias Streck nicht: „Man muss sich die Grundfrage stellen: Was verstehen die Leute unter Dialekt?“, so Streck. Erkennbar sei, dass sich immer häufiger Regiolekte zeigen – also eine Sprache mit regionaler Färbung, die weder Hochdeutsch noch ein Basisdialekt sei. „Alte Dialekte werden immer mehr abgelöst von einem breiten Spektrum an raumgebundenem Sprechen“, sagt Streck.
Das Publikum der Mundartgruppe Freiburg besteht vor allem aus Personen über 50. Hintergrund dafür sei aber auch die Tradition: „Die Leute freuen sich, dass es in Haslach noch Theater gibt, und wollen ein Mal im Jahr dort hin – da ist man schon vor 20 Jahren hin gegangen oder mit den Eltern und weiß – do hob i Spaß“, sagt Grober.
Spielerinnen und Spieler in der jüngeren Generation zu finden, sei eine Herausforderung, das liege aber eher am Alltag als am Dialekt: „Zwischen 20 und 35 ziehen die Leute weg zum Studieren, reisen oder bekommen Kinder“, so Grober, der selbst Kinder hat. Zu Hause legt er Wert darauf, den Kindern den Alemannischen Dialekt nahe zu bringen: „Der Große übernimmt auch einiges davon“, sagt Patrick Grober. Aber: „Man muss Dialekt auch selbst im Alltag platzieren, damit die Kinder ihn übernehmen können.“
„Wir sehen einen Abbau von dem, was nur in kleinem Umkreis verständlich ist, zu Formen, die weiträumiger sind und in Baden, Baden-Württemberg oder ganz Süddeutschland gesprochen werden.“ Tobias Streck, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Einen besonderen Unterschied sehe man laut Tobias Streck vor allem beim Wohnort: In ländlichen Bereichen seien Dialekte noch immer verbreiteter, als in der Stadt. „In Städten haben wir generell eine größere gesellschaftliche Durchmischung.“
Diese gesellschaftliche Durchmischung macht auch Patrick Grober verantwortlich für die sprachlichen Änderungen: „Wenn sich Menschen aus Tübingen und aus Bayern kennenlernen und zusammen nach Freiburg ziehen – welchen Dialekt spricht man dann?“ Meist lande man doch wieder bei Hochdeutsch.
Auch in Zukunft werde sich die Sprache weg von tiefen Basisdialekten und hin zu Regiolekten entwickeln, so Tobias Streck. „Wir sehen einen Abbau von dem, was nur in kleinem Umkreis verständlich ist, zu Formen, die weiträumiger sind und in Baden, Baden-Württemberg oder ganz Süddeutschland gesprochen werden“, so Streck. Doch auch in Zukunft werde die Deutsche Sprache eine deutliche Regionalität haben und bunt bleiben. „Man darf nicht Angst haben, dass der Dialekt stirbt und untergeht – Sprache verändert sich.“
Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin (Haley Bennett) übernimmt mit nur 27 Jahren die Leitung der familieneigenen Weinkellerei Foto: Capelight Pictures
Die französische Provinz Champagne im frühen 19. Jahrhundert: Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin (Haley Bennett) mit nur 27 Jahren die Leitung der familieneigenen Weinkellerei – ein gewagter Schritt zu einer Zeit, in der für Frauen kein Platz in der Geschäftswelt vorgesehen war. Mit Entschlossenheit und Leidenschaft manövriert die Witwe Clicquot das Unternehmen durch turbulente Zeiten, legt mit ihren Innovationen den Grundstein für die moderne Champagnerherstellung und avanciert mit dem exklusiven Schaumwein ihres Hauses zur „Grande Dame der Champagne“.
In dem eindrucksvollen Frauenporträt, das auf dem New-York-Times-Bestseller der Kunsthistorikerin Tilar J. Mazzeo basiert, beleuchtet Thomas Napper das Leben von Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin, die als junge Witwe den Konventionen einer patriarchalischen Gesellschaft trotzte und zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen aufstieg. Die Titelrolle übernahm Haley Bennett („Girl on the Train“), die zudem an der Seite von „Stolz und Vorurteil“-Regisseur Joe Wright sowie Christina Weiss Lurie („Inside Job“) auch als Produzentin fungierte. Weitere Rollen sind mit Sam Riley („Control“), Tom Sturridge („Sandman“) und „Peaky Blinders“-Star Natasha O’Keeffe besetzt.
Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Freiburg: v. l. n. r. Mark Brosius (Intuitive Surgical Inc), Rainer Kracht (Vollack GmbH & Co.KG), Martin Horn (Oberbürgermeister), Harald Haigis (Intuitive Surgical Optics GmbH), Dirk Barten (Intuitive Surgical Deutschland GmbH) und Dr. Benno Bröcher (Intuitive Surgical Optics GmbH) am Montag bei der Eröffnung. Foto: Intuitive Surgical
60 Millionen Euro hat das US-Unternehmen Intuitive, einer der führenden Medizintechniker, in seine Europa-Zentrale investiert. Für die Stadt Freiburg ist dies ein Meilenstein. Es ist die größte Firmenansiedlung der vergangenen Jahrzehnte.
Intuitive, ein weltweit führendes Unternehmen in der minimalinvasiven Medizin und Pionier der roboter-assistierten Chirurgie, hat am Montag seinen neuen Standort im Freiburger Industriegebiet Nord eröffnet. Der neu errichtete hochmoderne Komplex im Freiburger Industriegebiet Nord beherbergt auf ca. 30.000 Quadratmetern ein Zentrum für Forschung und Entwicklung, Produktion, Schulung sowie Vertrieb und bietet Platz für bis zu 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aktuell sind es rund 400, das heißt: In den kommenden Jahren werden 200 weitere hochwertige Arbeitsplätze entstehen.
„Der neue Standort ist ein wichtiger Schritt für die Krankenhausversorgung in Deutschland und Europa. Hier schaffen wir beste Voraussetzungen, um die Entwicklung roboter-assistierter minimalinvasiver Versorgung zum Wohle der Patientinnen und Patienten weiter voranzutreiben“, erklärte Dirk Barten, Senior Vice President und General Manager Europa sowie Geschäftsführer der Intuitive Deutschland GmbH.
Am neuen Standort werden zukünftig alle deutschen Intuitive-Teams und -Funktionen beherbergt. „Die neuen Gebäude bündeln unsere Kompetenzen unter einem Dach und ermöglichen es uns, noch enger mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten, um die Patientenversorgung weltweit weiter zu verbessern“, ergänzte Harald Haigis, Geschäftsführer der Intuitive Surgical Optics GmbH.
Oberbürgermeister Martin Horn betonte, dass Intuitives Neubau einen wichtigen Beitrag für die regionale Wirtschaft und die Medizintechnologie leiste, Innovation und Fachwissen fördere sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie dem Universitätsklinikum Freiburg unterstütze. Im Rathaus setzt man darauf, dass der börsennotierten US-Medizintechnikfirma weitere Großunternehmen aus dem Sektor folgen. Laut Horn steuere der Faktor Health Sciences inzwischen ein Drittel aller Freiburger Gewerbesteuern bei.
Jutta Götzmann, Leitende Direktorin der städtischen Museen (r.) und ihre Stellvertreterin Mirja Straub stellten beim Baustellenrundgang die Pläne für die neue Einrichtung der Ausstellungsräume vor. Hier die Welte-Lounge mit einem Flügel, der lange im Dachgeschoss stand und alleine spielt. Foto: Schuh
Schon seit mehr als 20 Jahren saniert die Stadt Freiburg das Augustinermuseum. In dem mittelalterlichen, denkmalgeschützten Gebäude entsteht ein moderner Museumsbau für insgesamt rund 95 Millionen Euro. Bald startet die Inneneinrichtung, Ende 2025 soll dann die Eröffnung gefeiert werden. Noch sind Bauarbeiter fleißig am Werk, doch beim Rundgang vergangene Woche mit den Projektverantwortlichen zeigt sich, dass das moderne Museum im Inneren bereits Gestalt angenommen hat und bald fertig ist.
Die neuen Holzböden sind gerade versiegelt worden, vor den historischen Mauern wurden neue, glatte Wände eingezogen. Hinter diesen verbirgt sich hochmoderne Technik – von der Heizung bis hin zu zahlreichen Sensoren. Die Ausstellungsräume müssen hohen Ansprüchen an Klima, Sicherheit und Brandschutz gerecht werden und gleichzeitig perfekte Bedingungen für die Ausstellungsobjekte bieten. „Wir brauchen eine konstante Temperatur für die Kunstwerke und müssen das Haus trocken halten“, betont Andrea Kratzer, Leiterin des Gebäudemanagement, das die Sanierung 2019 übernommen hat. Gleichzeitig wurden historische Bausubstanz wie eine Kirchenecke, spätgotischer Putz oder eine Rankenmalerei freigelegt und restauriert.
2010 eröffnete der erste Bauabschnitt, das ehemalige Kirchengebäude, und 2016 der zweite, das Haus der Graphischen Sammlung. Der dritte ist der größte Teil des Konventgebäudes: „Wenn dieser fertig ist, verdoppelt sich die Ausstellungsfläche nahezu“, erklärte Jutta Götzmann, Leitende Direktorin der städtischen Museen.
Alt trifft auf neu: An der Wand wird eine gotische Rankenmalerei freigelegt und restauriert, während daneben modernste Technik für das optimale Raumklima für die historischen Schätze sorgt. Foto: Schuh
Auf vier Etagen gibt es neue Ausstellungsflächen. Im Bereich Stadtgeschichte, der bislang im Wentzingerhaus am Münsterplatz untergebracht ist, stehen etwa die Hintergründe der Münsterbaustelle im Fokus. Es wird eine Welte-Lounge mit selbstspielenden Instrumenten und Ruheecken für die Besucher geben. Der Doppelraum „Protest und Revolution“ widmet sich den Protestbewegungen bis in die Gegenwart – von der Badischen Revolution 1848/49 über die Anti-Atomkraft-Bewegung bis zu Fridays for Future.
Das Museum beherbergt zukünftig auch eine Schwarzwaldsammlung „mit besonderen Exponaten, die dessen Geschichte zeigen“, erklärt Mirja Straub, stellvertretende Direktorin der städtischen Museen. Von Trachten über Brautkronen bis hin zum nachgebauten Herrgottswinkel eines Schwarzwaldhofs – oder einem Bollenhut zum Anfassen. Mobilität, Vielfalt, Idylle und Wirklichkeit stehen hier im Fokus. Das neue Auditorium wird für Vorträge, Workshops, Eröffnungen, Gespräche und Podiumsdiskussionen, aber auch für Konzerte genutzt.
Im Laufe des kommenden Jahres ziehen zuerst die stadt- und kulturgeschichtlichen Sammlungen in die beiden oberen Geschosse ein. Gleichzeitig werden in den künftigen Schatzkammerräumen im Untergeschoss Klimavitrinen für die hochsensiblen Objekte montiert. Ende 2025 soll dann alles fertig sein und das neue Augustinermuseum eröffnet werden.
Das Ganter-Areal soll Gegenstand eines städtebaulichen Wettbewerbs werden. Foto: Michael Bamberger
Im Herzen Freiburgs Wohnraum schaffen – ein Traum, der auf Teilen des Ganter-Areals wahrwerden soll. Der Projektentwickler Artemis möchte unter dem Namen „3sam quartier“ hier 350 Wohnungen, Gewerbeflächen und Kinderbetreuungsplätze sowie Gastronomie und Büroräume schaffen. Nachdem es stockte, kommt nun offenbar Bewegung in das Vorhaben.
Mit dem „3sam quartier“ möchte Artemis Raum für Wohnen, Arbeiten und Leben mit einer Vielfalt an bezahlbaren Mietwohnungen in Freiburg schaffen: „Artemis wird dabei als Bestandshalter langfristig Werte schaffen und erhalten“, so Patrick Hacker, Pressesprecher von Artemis.
Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Erarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes: Der Wettbewerb soll noch dieses Jahr ausgelobt werden. Hier befasst man sich mit den Themen der Zugänge und Erschließung, aber auch die Bebauungsstruktur, Starkregen und Klimawandel sowie der Nutzungsverteilung. Auf dieser Basis soll anschließend die Präzisierung für den Hochbau des Grundstückanteils erfolgen, das Artemis gehört.
Auf die Brauerei selbst hat das Projekt keine Auswirkungen. Sie bleibt vor Ort in Betrieb.
Der Westteil des Grundstücks ist im Eigentum der Stadt Freiburg und der Ostteil ist Eigentum des Projektentwicklers Artemis: Vorgabe der Stadt ist ein zu 20 Prozent geförderter Wohnungsbau: Aus diesem Grund tritt Artemis Wohnfläche an die Stadt Freiburg ab, auf der der geförderte Wohnungsbau entstehen soll.
„Auf der übrigen Wohnfläche entstehen unterschiedliche, freifinanzierte Mietwohnungen, die Artemis selbst vermieten wird“, so Hacker. Ein beträchtlicher Teil davon sollen Wohnungen sein, deren „Mieten im mittleren Preissegment der Marktmieten für Neubauten in Freiburg an vergleichbaren Lagen liegen“, so Artemis-Sprecher Hacker.
Doch auch Angebote wie Verkaufs-, Gastronomie-, Büro-, Dienstleistungs- und Kleingewerbeflächen sowie Flächen für Kleinkind- und Kindergartengruppen sollen auf dem Ganter-Areal entstehen – „in untergeordnetem Umfang“, sagt Hacker.
Derzeit gehe man bei Artemis von rund 350 Wohnungen aus, die auf dem Ostteil des Areals entstehen werden. Abhängig ist die Anzahl jedoch von mehreren Faktoren: Dem Ergebnis des vorgesehenen Planungswettbewerbs, verschiedenen planerischen sowie baulichen Faktoren und auch der Anteil an Single-, Paar- oder Familienwohnungen.
Entwicklung noch vor Stadttunnel
Die Resultate des Wettbewerbs bilden die Grundlage für das Bebauungsplanverfahren, mit dem das entsprechende Bauplanungsrecht geschaffen wird. „Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, kann Artemis den Bauantrag stellen und nach Erteilung der Baugenehmigung mit den Arbeiten beginnen“, sagt Hacker.
Derzeit klären die Eigentümer gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt die Grundlagen für das Wettbewerbsverfahren. Dazu müssen noch Gutachten erarbeitet werden.
Der Stadttunnel soll auf das Vorhaben keine Auswirkung haben: „Unser Ziel ist es, das Projekt vor dem Tunnelbau realisiert zu haben“, sagt Hacker. Artemis hingegen unterstützt durch Flächenabtretung den Bau eines Fahrradwegs entlang der Dreisam und die Oberflächengestaltung der Schwarzwaldstraße im Zusammenhang mit dem Bau des Stadttunnels.
Gruselig-schön: Halloween wird bei uns immer beliebter. Foto: Frans Rombout / Adobe.Stock
Südbaden ist im Halloween-Fieber! Überall in und um Freiburg steigen am Donnerstag, in der Nacht zu Allerheiligen, Gruselpartys und verkleidete Kinder ziehen kostümiert im Dunkeln umher, um Süßigkeiten abzustauben. Der importierte Brauch ist für die junge Generation längst eine Selbstverständlichkeit. Doch wie konnte sich das ursprünglich aus Irland stammende Fest so erfolgreich etablieren?
Längst ist Halloween aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken: Erwachsene vergnügen sich auf Gruselpartys, Kinder ziehen um die Blöcke und fordern „Süßes, sonst gibt’s Saures“ und die beleuchteten Kürbislaternen, die aufgrund einer irischen Sage auch als Jack’o Lantern bezeichnet werden, sieht man in vielen Gärten und Fenstern.
Halloween entpuppt sich dabei als regelrechter Brauchtumshybrid, da es Elemente mehrerer herbstlicher Feste vereint: Es ist ein bisschen Erntedank (Kürbisse), Karneval (11.11.), Sankt Martin (Süßigkeiten sammeln) und nicht zuletzt auch der Versuch, auf eine säkulare Weise mit dem Vergänglichkeitsgedanken von Allerheiligen umzugehen. Von Allerheiligen rührt übrigens auch der Name Halloween – der bedeutet nämlich nichts anderes als ’All Hellows Eve’ also Allerheiligenabend.
Die christlichen Inhalte haben sich jedoch inzwischen verflüchtigt. Historisch wurde der Brauch von Irland nach Übersee exportiert und kam in den frühen 90er-Jahren in der amerikanischen Adaption zurück nach Europa – als Folge kultureller Globalisierung.
„Zunächst ist Halloween in Deutschland ein kommerzielles Geschäft, das Kindern Anlass zum Verkleiden gibt, während Eltern sich in saisonalen Dekorationen üben können. Es wurde von der Spielzeugindustrie forciert, als das Karnevalsgeschäft temporär schwächelte – das begann während des Golfkrieges 1991. Nun wird dieses doppelte Geschäft mit Kostümen und Dekoration seither gepflegt, vor allem aus kommerziellen Gründen“, erklärt Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Medienkulturwissenschafter an der Uni Freiburg.
Ein starker Einfluss sind dabei die amerikanischen Filme und Serien mit ihren obligatorischen Halloween-Specials, wie etwa bei den Simpsons. Und jetzt in neuer Zeit sind es Netflix und andere Streaming-Dienste, die im Vorfeld von Halloween eigens produzierte Grusel-Filme zeigen. Und auch auf TikTok, Snapchat und Instagram ist Halloween ein großes Thema.
Marcus Stiglegger verweist auf den Mehrwert speziell für die ganz jungen: „Für Kinder bietet sich die Freude, Streiche zu spielen, sich gepflegt zu gruseln und Verkleidungen zu basteln. Zudem dürfen sie im Dunkeln auf die Straße, was ein zusätzlicher Reiz der Regelüberschreitung ist. Kinder brauchen die Auseinandersetzung mit dem ‚Bösen‘ und ‚Monströsen‘ – vor allem in einer spielerischen Form.“
Ein großes Bedürfnis nach Alltagsflucht
Filme haben dieses Fest auch bei uns stark geprägt: „Im Hollywoodkino ist der Horrorfilm seit den Universal-Filmen der 1930er Jahre eine Instanz, die ihre Monster regelmäßig modernisiert. Und jeder Feiertag und Unglückstag bekam seinen eigenen Horrorfilm, so auch Halloween mit John Carpenters Klassiker von 1978, der zahlreiche Fortsetzungen und zwei Neubelebungen erfuhr. Zudem ist Horrorkultur längst Pop geworden, wie die Cosplaykultur und der Erfolg von Serien wie Wednesday belegt“, erläutert der Freiburger Kulturforscher Marcus Stiglegger.
Für die gestiegene Lust am Feiern (Anm. der Redaktion: alle Parties lesen Sie auf Seite 4), hat Stiglegger aber noch eine weitere Erklärung: „Rauschhafte Feste sind immer ein beliebter Schritt aus der Tristesse des Alltags, und je stärker die Krisen werden, umso größer wird auch dieses Bedürfnis der Alltagsflucht.“ Die aktuelle Zeit wird von vielen als krisenhafte Zeit wahrgenommen.
Ist Halloween ein Trend oder wird es bleiben? „Heute ist Halloween aus meiner Sicht ein zweites Karneval. Es ist von der Nische längst in die Mitte der Gesellschaft gewandert. Sich fantasievoll-gruselig zu kostümieren, begeistert die Leute“, sagt der Popkultur-Forscher Andreas Rauscher. Wer heute als Kind in Deutschland lebe, wachse automatisch in die ganze Halloween-Infrastruktur hinein. Daher werde dieses Fest auch nicht mehr verschwinden, sondern eher noch in seiner Popularität wachsen, so der Wissenschaftler.
Auch im Europa-Park wird das Geisterfest gefeiert. Foto: Europa-Park
Wie schlagen sich Eren Dinkci und seine Teamkollegen im DFB-Pokal gegen den HSV? Foto: Detlef Berger
Die bittere Niederlage in Leipzig hat mehr gute als schlechte Seiten: Das will der SC am Mittwochabend im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV (18 Uhr) und am Sonntag gegen Mainz (15.30 Uhr/Sky) unter Beweis stellen. Vor allem die Breite des Kaders zahlt sich aus.
Der Kapitän war zufrieden. „Ein wirkliches ordentliches Auswärtsspiel“ seiner Mannen will Christian Günter bei RB Leipzig gesehen haben. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, urteilte der 31-Jährige nach dem 1:3 am Samstag. Wenn überhaupt, dann habe es an der eigenen Chancenverwertung beim ostdeutschen Champions-League-Teilnehmer gemangelt. „Um hier was mitzunehmen, brauchst Du einen Tick mehr Effizienz“, sagte Günter.
Dass es SC-Angreifer Junior Adamu nicht gelungen war, seinen Hochkaräter per Lupfer in der 12. Minute im Leipziger Kasten unterzubringen, machte ihm der Kapitän selbstredend nicht zum Vorwurf. „Es ist schon super, dass wir fußballerisch uns hier Chancen erarbeitet haben. Von daher kein Vorwurf. Da stehen wir zusammen als Team“, so der Spielführer. Unterm Strich blieb bei den Breisgauern das Gefühl, dass man die Leipziger so nah an der Niederlage hatte wie lange nicht mehr.
Zusammenstehen lautet auch die Devise, die der Trainer für seinen Kader ausgibt. Nach dem Julian Schuster über Wochen die gleichen Startelfs ins Rennen geschickt hatte, gab es am Samstag erste Änderungen. So durfte Nicolas Höfler erstmals von Anfang an ran, während Maximilian Eggestein von draußen zusehen musste. „Chico hat es super gemacht“, so Schuster. Für die zwei anstehenden Heimspiele heute im DFB-Pokal und am Samstag gegen Mainz ist mit weiteren Veränderungen zu rechnen. „Wir haben es mehrfach betont, dass wir eine Breite im Kader haben, die vielen Spielern Spielzeit ermöglicht“, sagt der Trainer – und zieht als Maßstab dafür den lobenswerten Arbeitsethos zwischen den Spielen heran. „Wir haben eine unglaubliche Energie auf dem Trainingsplatz. Das ist toll“, lobt er.
Das soll am Ende helfen, den Traum vom einem erneuten Erreichen des DFB-Pokal-Finales weiter am Leben zu halten. Nächste Hürde: Hamburg. „Wir sind topmotiviert. Das ist ein anderer Wettbewerb. Wir haben es schon mal erleben dürfen, ganz weit zu kommen, bis ins Endspiel“, schwärmt Christian Günter. Und schränkt umgehend ein: „Vom Reden kommen wir aber nicht dahin. Das müssen wir auf dem Platz zeigen.“
Für den Zweitligisten aus Hamburg, der in der ersten Pokalrunde den SV Meppen mit 1:7 ausgeschaltet hatte, geht es in Freiburg auch ein wenig um Wiedergutmachung. In Elversberg hatten die Hanseaten am Wochenende nach früher 1:0-Führung am Ende noch 2:4 verloren. Entsprechend herrscht dicke Luft beim Hamburger SV, wovor der Sport-Club gewarnt sein sollte. Matthias Joers