Zigarillos in der Fußballkabine

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In einem neu eingerichteten Museum zeigt der SC Freiburg seit Kurzem die Schätze seiner Vereinshistorie

Der FC Bayern hat eines, genauso die Borussias aus Dortmund und Gladbach  – und nun hat auch der SC Freiburg eines: ein eigenes Vereinsmuseum. Das fällt im Vergleich zur großen Konkurrenz zwar bedeutend kleiner aus und nennt sich daher nur „Museumskabine“. Doch in dieser gibt es für SC- und fußballaffine Besucher  jede Menge zu entdecken.

In den ersten Plänen für den Bau des neuen Stadions spielte ein Museum  noch keine Rolle. „Nein, nicht von Anfang an“, sagt Hanno Franke: „Wir haben hin und her überlegt, ob wir es machen oder nicht“, erzählt der Abteilungsleiter Marketing und Nachhaltigkeit des SC beim Gang durch die kleine Museumskabine. Dass während der Bauphase in einer Ecke des Fanshops auf rund 37 Quadratmetern doch ein Plätzchen gefunden worden ist, ist nicht nur das Ergebnis vieler Diskussionen und eines zweijährigen Umsetzungsprozesses. Es ist auch ein kleiner Glücksfall – denn, so Franke: „Es ist nicht so, dass der SC Freiburg gesegnet ist mit Unmengen von Exponaten.“

Geschichte in Bild und Ton

Deren Auswahl und das eigentliche Konzept sei geprägt gewesen von vielen Gesprächen, „bei denen es auch mal heiß her gegangen ist“, erzählt er. Doch es scheint, als habe sich dieser Prozess gelohnt. Die Grundidee für die Museumsecke stammt von SC-Archivar Uwe Schellinger: eine Museumskabine mit elf Themenspinden, vom „Aufstieg in den Profifußball“, über die „Präsidenten“, die „Trainer“, bis hin zum „Frauenfußball“ und der „Nachwuchsförderung“. All das habe sich der Verein selbst ausgedacht, so Franke. Nur die Programmierung des digitalen Zeitstrahls, auf dem sich die Besucher über zwei große Touchscreens in Videos und Fotos der SC-Historie klicken können, übernahm ein Dienstleister. Hier findet sich zum Beispiel ein sehenswertes TV-Interview von 1978 mit dem langjährigen Präsidenten Achim Stocker über den erstmaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zum schwierigen Kapitel der NS-Zeit, das der SC derzeit von Historikern aufarbeiten lässt, gibt es dagegen „nahezu nichts“, erzählt Franke. Neben den interaktiven Angeboten, die sich mit dem eigenen Handy und Kopfhörern nutzen lassen, gibt es auch eine Fotowand und alte Mannschaftsfotos zum Durchstöbern.

Sehenswert sind vor allem die Ausstellungsstücke. Das älteste ist ein Druckerzeugnis von  1919 mit dem Titel: „Die Beziehungen der Zähne zu den echten Geschwülsten der Mundhöhle“ – es ist die Dissertation des ersten SC-Präsidenten Alfred Rohrer, einem Zahnarzt. Zu Frankes Lieblingsexponaten zählt eine kunstvoll verzierte Zigarillo-Schachtel von Achim Stocker,  die noch die Zigarillos enthält. Auch die Zweitliga-Meisterschale, Torwarthandschuhe von Richard Golz und Fußballschuhe von Uwe Spies gibt es zu entdecken. Und für die Allerkleinsten gibt es aufklappbare Sitzbänke mit Fühlboxen und Rätselfragen. Für die kleinen Museumsbesucher sei aktuell auch ein Begleitheft in Arbeit. Das Feedback auf all das sei bislang sehr positiv, berichtet Franke. Das Museum zeige, dass ein Verein wie der SC „im Laufe der Zeit selbst zu einem Stück Kulturgut wird“ – und so leiste die Ausstellung „einen Beitrag zur Fußballkultur“.