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Bürgermeister-Abschiede in Freiburg: Standing Ovations für Ulrich von Kirchbach

Verabschiedung Ulrich von Kirchbach im TheaterNie ohne seine Turnschuhe: Ulrich von Kirchbach beim emotionalen Abschied im Theater. Foto: Rita Eggstein

Nach 24 Jahren verlässt Ulrich von Kirchbach das Freiburger Rathaus. Im Theater gab es Standing Ovations für den Ersten Bürgermeister. Und Finanzbürgermeister Stefan Breiter wurde für seinen feierlichen Abschied mit der Feuerwehr abgeholt.

Mit Ulrich von Kirchbach (SPD) und Stefan Breiter (CDU) hat die Stadt Freiburg am vergangenen Wochenende gleich zwei Bürgermeister feierlich verabschiedet. Emotional wurde es vor allem am Sonntagmorgen im Theater Freiburg: Unter Standing Ovations der 600 Gäste stand dort von Kirchbach auf der Theaterbühne, nur einen Tag nach seinem 70. Geburtstag. 24 Jahre war er als Bürgermeister für Kultur, Soziales und Integration im Amt – und im Theater ein Dauergast, wie Intendant Felix Rothenhäusler schilderte. Wie omnipräsent und hochgeschätzt von Kirchbach in der Stadt war, betonten alle Redner, darunter OB Martin Horn und die SPD-Fraktionsvorsitzende Julia Söhne.

Besonders hervorgehoben wurde von Kirchbachs Wirken für sozial benachteiligte Menschen und sein Einsatz in der Flüchtlingskrise – auch gegen alle Widerstände, etwa als er Drohbriefe erhielt und sein Auto mit Fäkalien beschmiert wurde. „Du hast dich für die Kleinsten, die Ältesten und die Schwächsten eingesetzt“, so OB Horn. Von Kirchbach habe „Brücken zwischen den Menschen gebaut“, sagte Senay Awad, Vorsitzende des Sozialdienstes muslimischer Frauen. Auch Anekdoten kamen reichlich zur Sprache – darunter von Kirchbachs weiße Turnschuhe, die mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden sind.

Feuerwehr holt Breiter ab

Bereits am Freitag erfolgte der Abschied von Finanzbürgermeister Stefan Breiter im Historischen Kaufhaus – und er war davor, wie jeden Freitag um 6.45 Uhr, mit Ulrich von Kirchbach joggen. Als Überraschung holte der Musikzug der Feuerwehr Breiter mitsamt Drehleiter von dessen Zuhause ab. „Es ist uns gelungen, das bis zum Schluss geheim zu halten“, verriet Freiburgs Feuerwehrchef Christian Emrich und bezeichnete Breiter als „echten Feuerwehrbürgermeister“. Auch deshalb stand die Feuerwehr Spalier mit ihren Fahrzeugen vor dem Historischen Kaufhaus. Überraschungsgast des Abschieds war der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger, als dessen persönlicher Referent Breiter vor seiner Zeit als Bürgermeister arbeitete. „Wir waren damals Tag und Nacht zusammen“, so Oettinger. Breiter, der sich nach acht Jahren im Amt nun um seinen zweijährigen Sohn und seine 84-jährige Mutter kümmern will, hielt eine flammende Rede für den Wert von Care-Arbeit. Und schmunzelnd sagte er: „Sollten Sie es mal eilig haben und ich stehe an der Supermarktkasse vor Ihnen, dann sprechen Sie mich an – ich werde Sie gerne vorbeilassen.“

Stefan Breiter (rechts) an der Seite seiner früheren Chefs, Oberbürgermeister Martin Horn (links) und Günther Oettinger. Foto: Joers