Während in Deutschland alkoholfreies Bier seinen Absatz von 2013 bis 2023 verdoppeln konnte und auch alkoholfreier Sekt öfter angeboten wird, fristet alkoholfreier Wein noch ein Schattendasein. Doch immer mehr Weingüter, Winzergenossenschaften und Händler reagieren auf eine steigende Nachfrage bei den Kunden. Sebastian Faber, in vierter Generation Inhaber des Weinguts Faber in Freiburg-St. Georgen, führt seit rund einem Jahr alkoholfreien Wein in seinem Programm. Der Diplom-Ingenieur für Oenologie setzt auf eine Cuvée zweier Piwis, pilzresistente Rebsorten. Aus Trauben der Sorten Muscaris und Sauvignier Gris entsteht eine Wein-Cuvée, der mittels Vakuumdestillation bei einem Partnerunternehmen schonend der Alkohol entzogen wird. Der Entzug des Alkohols sei bei Wein und Sekt anspruchsvoller als beim Bier, da der Alkoholgehalt des Ausgangsprodukts höher liege als beim Bier. „Alkohol ist ein wichtiger Geschmacksträger“, erklärt Faber.
Durch die Vakuumverdampfung kann der Alkohol dem Wein bei niedrigen Temperaturen um die 30 Grad schonend bis auf einen Restalkoholgehalt unter 0,5 Volumenprozent entzogen werden – die Grenze ab der ein Getränk als alkoholfrei bezeichnet werden darf. Die rebsortentypischen Aromen sollen bei diesem Verfahren möglichst erhalten bleiben. Beim Sekt muss nach der Entalkoholisierung Kohlensäure zugesetzt werden. Um auf die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Produkten zu reagieren, will Faber in Zukunft zusätzlich zu einem Trauben-Secco, dessen Grundlage Traubensaft ist, auch einen entalkoholisierten Sekt anbieten. Für die Entwicklung von Wein und Sekt ohne Alkohol sieht Faber noch großes Potenzial. Beim Bier habe die Entwicklung guter Produkte schließlich auch Zeit gebraucht.
Noch in den Kinderschuhen
Auch nach Ansicht von Ralph Schmidt, Geschäftsführer von Drexlers Weinhandlung in der Merianstraße befindet sich die Herstellung von entalkoholisiertem Wein und Sekt noch in den Kinderschuhen. Die bisherigen Techniken seien noch entwicklungsbedürftig, um ein komplexeres Geschmackserlebnis wie es guter Wein bieten könne, zu erlauben. Und es brauche Produzenten, die sich der Entwicklung solcher Weine verschreiben würden. Auch Schmidt beobachtet eine steigende Nachfrage bei den Kunden und begrüßt, dass sie sich hierzu im Fachhandel beraten lassen. In seiner Weinhandlung finden sich alkoholfreier Wein und Sekt von jeweils zwei Herstellern im Sortiment. „Beide haben viel Erfahrung mit solchen Produkten“, sagt Schmidt. Für die Weinhandlung Drexler gilt: Ins Angebot kommt nur, was die Betreiber auch selbst gerne trinken würden. Oftmals würden entalkoholisiertem Wein und Sekt aus geschmacklichen Gründen viel Zucker zugesetzt, sagt Schmidt. Dadurch kommen ähnliche Zuckermengen wie bei Limonaden zustande. Deshalb setzt Schmidt in seinem Sortiment auch noch auf ein alkoholfreies Produkt mit völlig anderer Machart: Sparkling Tea. Mit verschiedenen Teesorten, Kräuter- und Fruchtessenzen sowie Kohlensäure sei den Herstellern ein komplett alkoholfreies Getränk gelungen, das sich als Aperitif durchaus geschmacklich behaupten könne. „Man muss natürlich bereit sein, sich darauf einzulassen.“
Qualität zählt
Auch Alixe Winter, Geschäftsführerin der Weinbar und Vinothek Alte Wache am Münsterplatz freut sich über den wachsenden Trend zu alkoholfreien Angeboten. „Es gibt einfach Situationen, in denen es kein Alkohol sein soll und dann ist es zu begrüßen, wenn man nicht nur Wasser oder Fruchtsaftschorle trinken kann.“ Der alkoholfreie Sekt, den die Alte Wache als weißen Sekt und als Rosé-Sekt anbietet, laufe sehr gut im Ausschank, sagt Winter. Jetzt in der kalten Jahreszeit sei auch die alkoholfreie Wintermarie als alkoholfreie Glühweinalternative sehr gefragt. „Bei alkoholfreiem Wein und Sekt sind wir noch lange nicht am Ende der Entwicklung“, ist sich auch Winter sicher. Durch die steigende Nachfrage bei Konsumenten und mit Mut und Experimentierfreude bei den Weinproduzenten könnten immer bessere Produkte entstehen. Oft seien es jüngere Kunden, die nach alkoholfreien Produkten fragten. Die Kunden seien durchaus qualitätsbewusst und bereit, die durch den erhöhten Herstellungsaufwand höheren Preise für guten entalkoholisierten Wein und Sekt zu bezahlen.


Immer öfter im Glas: entalkoholisierter Wein
Foto: Adobe Stock