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Freiburgs Oberbürgermeister Horn: „Wenn wir Menschen nicht abholen, verlieren wir sie“

Oberbürgermeister Martin HornFreiburgs Oberbürgermeister Martin Horn beim Interview am Tag nach seiner Wiederwahl. Foto: Michael Bamberger

Martin Horn bleibt Oberbürgermeister von Freiburg. Im Wochenbericht-Interview spricht er über seine Wiederwahl, die Verpackungssteuer und sein Verhältnis zu den Grünen im Gemeinderat.

Herr Horn, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie am Sonntag unter Applaus als Wahlsieger auf den Rathausplatz kamen?

Martin Horn: Da war vor allem große Dankbarkeit! Und Erleichterung, dass das Gefühl der großen Zustimmung, das ich im Wahlkampf wahrgenommen habe, mich nicht getäuscht hat – auch wenn ich es selbst immer wieder hinterfragt habe. Ich liebe diese Stadt und „Gemeinsam Freiburg gestalten“ ist für mich kein leerer Slogan. Im Gegenteil, genau das treibt mich an. Deswegen bin ich dankbar, dass ich daran anknüpfen kann und weiter an der Zukunft unserer wunderbaren Stadt arbeiten darf. Und ich bin froh und stolz, dass wir in Freiburg eine so hohe Wahlbeteiligung haben. Es ist die höchste bei einer OB-Wahl in Freiburg seit dem Mauerfall, wirklich phänomenal.

Waren Sie überrascht, dass es im ersten Wahlgang geklappt hat?

Horn: Bei neun Kandidierenden durfte ich das nicht erwarten. Auf Straßen, Plätzen, Märkten und an Haustüren habe ich viel Unterstützung gespürt. Man muss aber demütig bleiben und immer hinterfragen, ob das nur die eigene politische Blase ist oder mehrheitsfähig. Ich hatte gehofft, dass es knapp über 50 Prozent werden könnten. Gleichzeitig hätten wir uns auch über 44 Prozent gefreut und wären motiviert und dankbar in einen zweiten Wahlgang gegangen.

Das Verhältnis zu den Grünen muss schnell gefixt werden. Gehen Sie auf die Grünen zu, oder erwarten Sie, dass die Grünen auf Sie zukommen?

Horn: Ich habe mich über die Glückwünsche der grünen Fraktionsspitze auf dem Rathausplatz sehr gefreut und auch darüber, dass Mitglieder der grünen Fraktion bei meiner Wahlparty waren. Das zeugt von demokratischer Größe. Die Grünen werden ihr Ergebnis analysieren, ich meines ebenso. Selbstverständlich gehen wir aufeinander zu – das haben wir gleich am Sonntagabend vereinbart. Es ist gut, jetzt ein paar Tage Kräfte zu sammeln. Im demokratischen Wettstreit ist es legitim, unterschiedliche Kandidaturen zu unterstützen. Jetzt betonen wir das Gemeinsame – und das ist das Engagement zum Wohle unserer Stadt. Dafür brauchen wir stabile Entscheidungen. Ich glaube, das entwickelt sich schnell nach vorne. Gerade mit den Grünen gibt es bei zentralen Zukunftsfragen viele gemeinsame Ziele – daran will ich anknüpfen.

Wie geht es mit der viel kritisierten Verpackungssteuer weiter?

Horn: Direkt nach der Wahl die Verpackungssteuer wieder aufs Tableau zu legen, wäre kein guter Stil. Jetzt geht es um vertrauensvolle Gespräche mit dem Gemeinderat. Im Oktober werden wir dann erneut über die Steuer beraten. Inhaltlich bleibe ich bei der Verpackungssteuer bei meiner Meinung: In der Gesamtabwägung verlieren wir damit mehr, als wir gewinnen. Ich hoffe sehr, dass es im Herbst eine klare Entscheidung gibt und wir die Verpackungssteuer, wie wir sie jetzt haben, beenden.

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Im Wahlkampf gab es erneut den Vorwurf an Sie, Sie würden nur Gute-Laune-Videos auf Social Media posten, etwa beim Trampolinspringen. Was entgegnen Sie?

Horn: Wir leben in modernen Zeiten mit neuen Kommunikationskanälen. Rechte Kräfte dominieren Social Media. Eine rechte Partei hat dort mehr Follower als alle anderen Parteien zusammen und ist extrem erfolgreich. Das verändern wir nicht, indem wir Social Media nur schlechtreden. Viele, die wenig Ahnung davon haben, kritisieren es pauschal. Das ermüdet mich. Wenn wir Menschen nicht dort abholen, wo sie sind, verlieren wir sie. Keiner will Bilder sehen, auf denen ältere Politiker sich die Hände schütteln. Ein großer Erfolg meines Teams ist, Kommunalpolitik nahbar zu machen und für hohe Wahlbeteiligung zu werben. Wenn es uns gelingt, bei einem Trampolin-Video zu erklären, dass es das erste Trampolin für Rollstuhlfahrende in Freiburg ist, ist das eine starke Botschaft. Schön, wenn das Zehntausende sehen.

Gab es im Wahlkampf einen inhaltlichen Kritikpunkt der Konkurrenz, den Sie nicht auf dem Schirm hatten?

Horn: Die Diskussion rund um die Zähringer Höhe wurde politisch instrumentalisiert. Das habe ich bei meinem Vor-Ort-Termin im Oktober/November direkt gespürt. Rückblickend hätte ich früher und klarer in die Debatte gehen sollen.

Wird das Ihre letzte Amtszeit? Sie hatten einmal 16 Jahre als mögliche Grenze ins Spiel gebracht.

Horn: Acht Jahre sind eine lange Zeit, 16 Jahre eine sehr lange Zeit. Jetzt freue ich mich erst einmal, weiter alles für diese Stadt zu geben. Was danach kommt, werden wir sehen, das Leben ist voller Türen. Aber Demokratie lebt vom Wandel. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass danach ein neuer Oberbürgermeister oder erstmals eine Oberbürgermeisterin übernimmt. Das entscheide dann aber nicht ich, sondern die Freiburgerinnen und Freiburger.

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