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Freiburger Studienberater filmte heimlich 800 Frauen: Kritik an mildem Urteil und der Uni

Demo Universität FrauenkollektivRund 250 Teilnehmer waren bei der Demo am Montag dabei. Foto: Michael Bamberger

Ein Uni-Mitarbeiter hat über Jahre mit versteckten Kameras in Bädern und Toiletten heimlich mehr als 800 Frauen gefilmt. Das Freiburger Amtsgericht hat den 57-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Am Montag protestierten deshalb rund 250 Menschen gegen das aus ihrer Sicht zu milde Urteil – und sie kritisieren auch die Universität.

„Wir wehren uns“ stand auf einem Transparent bei der Demo vor dem KG I, die das Freiburger Frauenkollektiv und das Studierendenkollektiv organisiert hatten. Rund 250 Teilnehmer waren hier zusammengekommen, um gegen das Urteil, aber auch gegen den Umgang der Universität mit dem Fall zu protestieren.

„Ein Jahr und neun Monate auf Bewährung ist ein Schlag ins Gesicht für die Betroffenen“, heißt es in einem Redebeitrag der Demo, der großen Applaus erntete, wie die BZ berichtet.

Der ehemalige Studienberater des Service-Centers Studium hatte zwischen 2009 und 2024 mehr als 800 Frauen gefilmt. Er machte heimlich Aufnahmen von jungen Studentinnen, denen er eine WG im Stadtteil Rieselfeld vermietet hatte, aber auch an seinem Arbeitsplatz, auf den dortigen Toiletten sowie von Kolleginnen auf einer Dienstreise. Auf seinen Festplatten wurden Tausende Videos gefunden.

Verurteilt wurde der 57-Jährige für 60 Taten zwischen 2019 und 2024 – die restlichen sind bereits juristisch verjährt (wir berichteten). Vor zwei Jahren entdeckte eine Studentin eine Minikamera im Badezimmer ihrer WG: als das Ermittlungsverfahren bekannt wurde, kündigte die Uni dem 57-Jährigen fristlos.
Viele Mitarbeiterinnen und Studentinnen hätten erst durch die Berichterstattung der Medien davon erfahren. Sie kritisieren, nicht früh genug und ausreichend von der Universität informiert worden zu sein, so die BZ. Bei der Kundgebung schilderte beispielsweise Smilla, die in der WG gewohnt hatte, ihre Erlebnisse. Der Vermieter habe die Kandidatinnen gezielt ausgesucht, alle hätten nahezu dasselbe Alter gehabt und hätten gut ausgesehen. Als die Kamera im Bad entdeckt wurde, litt sie lange unter Panikattacken und Übelkeit: das werde sie „ihr Leben lang beschäftigen“.

Die Teilnehmer der Demo am Montag fordern, dass der Fall lückenlos aufgearbeitet, Studentinnen besser geschützt und eine Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet wird. „Ungeachtet ihrer Verjährung sind für uns diese Taten unerträglich“, schrieb die Uni in einer Mail an die Studierenden. Man wolle nun die Räume der Universität stärker auf „unerlaubte Aufnahmetechnik“ prüfen und den Schutz der Frauen und die Prävention verstärken.