Seit dem Beginn des Irankrieges sind die Spritpreise enorm gestiegen. Ob eine Trendwende in Sicht ist und wie man am günstigsten tankt, erklärt Andreas Müller, Leiter Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Südbaden.
Herr Müller: Die Spritpreise sind rasant gestiegen und haben die 2-Euro-Marke schnell geknackt. Ist diese Preissteigerung gerechtfertigt? Für viele Autofahrer fühlt es sich eher nach Abzocke an…
Andreas Müller: Der mit dem Beginn des Irankrieges erfolgte Anstieg der Benzinpreise ist aus Sicht des ADAC derzeit unverhältnismäßig. Die Preise an der Zapfsäule sind zu hoch. Deshalb wirft der ADAC der Mineralölwirtschaft eine unangemessene Preissetzung an den Tankstellen vor. Der Anstieg des Rohölpreises wird ohne Zeitverzug an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben, bevor die höheren Kosten überhaupt angefallen sind. Die Tanklager sind noch voll mit zu niedrigeren Ölpreisen erworbenen Kraftstoffen.
Wie werden sich die Preise entwickeln? Gehen die Steigerungen weiter?
Müller: Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch weiter anhalten. Der Rohölpreis der Sorte Brent ist der zentrale Faktor für Veränderungen der Kraftstoffpreise in Deutschland. Am Donnerstagabend, 5. März, schloss Brent-Öl im Bereich von 85 US-Dollar. Zum Vergleich: Am Freitag, 27. Februar, kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent noch rund 72 US-Dollar. Sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigen sollte, gibt es mittelfristig Hoffnung auf gemäßigtere Preise, da die Opec+ angekündigt hat, die Fördermengen zu erhöhen. Schnelle Besserung ist aber nicht in Sicht. Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger, bis sie sich bei den Verbrauchern bemerkbar machen.
Welche Maßnahmen könnten helfen, wäre beispielsweise eine Spritpreisbremse sinnvoll?
Müller: Der ADAC bewertet es positiv, dass die Koalitionsfraktionen eine Taskforce zur Entwicklung der Energiepreise eingesetzt haben. Die Politik müsste zeitnah eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der Autofahrer für die Dauer der Krise zu begrenzen. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für rund 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Wie tankt man am günstigsten?
Müller: Wer beim Tanken sparen möchte, sollte die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten und möglichst die besonders teure Phase zwischen sieben und acht Uhr morgens meiden. Ansonsten gilt aktuell mehr denn je: Preise vergleichen, günstige Tankstellen anfahren und möglichst abends tanken. Aufgrund der Dynamik in der derzeitigen Preisentwicklung empfiehlt es sich, vor dem Tanken in eine der gängigen Spritpreis-Apps zu schauen: Eine praktische Hilfe bietet die Spritpreis-App „ADAC Drive“. Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Durch welche Fahrweise lässt sich Sprit sparen?
Müller: Hier hilft es beispielsweise, die Fahrweise zu optimieren, flott zu beschleunigen und rechtzeitig hochzuschalten (bei einer Drehzahl von ca. 2.000 U/min). Auch ein vorausschauendes Fahren, kurze Strecken zu vermeiden, den Leerlauf des Motors auszuschalten und das Achten auf den richtigen Luftdruck ist wichtig. Mehr Tipps zum spritsparenden Fahren des ADAC gibt es unter www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/tipps-zum-tanken/sprit-sparen-tipps.



Am Dienstag, 10. März lag der Preis für den Liter Superbenzin bei einer Tankstelle in Freiburg 2,07 Euro. Foto: Schuh