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Sorge um Münsterfenster: Das sagt die Kirche zum Sabaton-Konzert in Freiburg

SabatonBelastungsprobe für die Glasfenster des Münsters: Die schwedische Heavy-Metal-Band Sabaton. Auch einigen Gläubigen soll der Auftritt eine Spur zu weit gehen. Veranstalter und Erzdiözese reagieren gelassen. Foto: Ben Alexis

Heavy Metal auf dem Münsterplatz. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Mit dem Sabaton-Konzert im Rahmen der Münsterplatzkonzerte kommt es im Juni zu dieser Premiere. Aber für manche Menschen ist dieser Auftritt eine Spur zu heavy.

Wenn im Sommer die schwedische Heavy-Metal-Band Sabaton im Rahmen der Münsterplatzkonzerte in Freiburg auftritt, dann wird das laut Veranstalter Marc Oßwald vom Konzertbüro Vaddi Concerts zwar Fans von weit her anlocken und für einen ausverkauften Konzertabend sorgen. Doch es gibt auch andere Stimmen. „Uns haben vereinzelt Briefe von Gläubigen erreicht, die ein Verbot des Konzerts fordern“, berichtet Generalvikar Christoph Neubrand vom Erzbistum Freiburg. Da aber das Erzbistum nicht für die Angelegenheiten der Dompfarrei sprechen könne, habe man die Schreibenden dorthin verwiesen.

Gemeldet habe sich dann aber niemand mehr, so Sprecherin Simone Richter von der neu zugeschnittenen Kirchengemeinde Freiburg-Mitte. Tätig geworden wäre man gegenüber dem Veranstalter vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit ohnehin nicht, so Richter weiter: Kunst könne und dürfe polarisieren. Die Konzertreihe auf dem Münsterplatz, zu der ja auch ein bestens besuchter ökumenischer Gottesdienst mit hohem Zuspruch gehöre, spreche ganz unterschiedliche Menschen und Geschmäcker an und würde so einen Beitrag dazu leisten, dass der Münsterplatz zum Ort der Begegnung werden kann.

Nach dem Peter-Fox-Konzert 2023 mussten die mittelalterlichen Fenster überprüft werden

Eine Sicht, die auch Veranstalter Marc Oßwald erwartungsgemäß teilt: Es sei doch okay, wenn nun auch einmal Heavy Metal auf dem Platz erklinge, schließlich plane man ja nicht gleich ein ganzes Metal-Festival neben dem Freiburger Münster. Und die Vorgaben an die Band in Sachen Lautstärke seien klar definiert und würden auch garantiert eingehalten werden. Denn die Sache mit der Lautstärke ist Thema, auch im Erzbischöflichen Ordinariat. „Nach dem Konzert von Peter Fox vor zwei Jahren mussten wir die mittelalterlichen Fenster des Münsters auf Schäden durch den Schalldruck untersuchen lassen“, berichtet Christoph Neubrand. Es seien nach den dem Ordinariat vorliegenden Informationen damals Spitzenwerte von bis zu 120 Dezibel erreicht worden. Danach hätten die Veranstalter der Münsterplatzkonzerte beim Thema Lautstärke „nachjustiert“.

Man wisse letztlich nicht, wie so ein altes Bauwerk das aushält, sagt auch Erzbischof Stephan Burger. „Als Kirche tragen wir auch Verantwortung für das historische Erbe des Freiburger Münsters. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Grenzwerte eingehalten werden, damit keine Schäden entstehen. Letztlich geht es darum, dass wir mit den baulichen Folgen leben müssen, falls die Belastung für die Substanz zu groß wird.“

Die Kirche badet also aus, was andere ihr im Zweifelsfall einbrocken. Denn: Der Münsterplatz in Freiburg gehört nicht der Kirche, sondern der Stadt. Derzeit läuft dort noch das Genehmigungsverfahren für das Konzert, so Rathaussprecherin Tabea Krauß. Zuständig sei das Amt für öffentliche Ordnung, das wiederum mit allen Beteiligten, insbesondere den Verantwortlichen des Münsters, im Austausch stehe.

Aber da ist auch noch die inhaltliche Ausrichtung der Band, die bei Kirche und Gläubigen zum Teil für Stirnrunzeln sorgen könnte: Sabaton befassen sich in ihren Liedern am liebsten mit historischen Kriegs- und Schlachtenthemen. Und sie haben mit „Burn Your Crosses“ („Verbrennt eure Kreuze“) vor 25 Jahren auch einen Song eingespielt, in dem sie mit Zeilen wie „Christus hat nur Tod und Gewalt verursacht“ und „Bischöfe sind nur auf ihren Ruhm aus“ dazu auffordern, sich von Kirche und Glaube abzuwenden.

Für Veranstalter Marc Oßwald ist das kein Problem: Es sei doch gut, wenn man auch kritische Dinge über die Kirche sagen könne heute. Und Generalvikar Neubrand räumt ein, dass es auch im Erzbischöflichen Ordinariat Mitarbeiter gebe, die ihre Sabaton-Tickets schon gekauft hätten und sich auf die brachialen Rocker auf dem Münsterplatz freuen. Dass Sabaton in Freiburg dazu aufrufen werden, Kreuze anzuzünden, ist eh kaum zu befürchten: Der fragliche Titel findet sich schon lange nicht mehr in ihrem Live-Repertoire.

Bernd Peters