Seit vergangenem Freitag sind Freiburger Polizisten auf Streife mit Tasern ausgestattet. Ein Pilotprojekt, das zeigen soll, ob diese praxistauglich sind und dabei helfen, Angreifer zu überwältigen – ohne dass dieser oder einer der Beamten schwerer verletzt wird.
Das Szenario, bei dem ein Taser eingesetzt werden könnte, sah beim Ortstermin in Umkirch zum offiziellen Start des Projekts am Freitag so aus: Der Besucher einer Kneipe hat zu viel getrunken und randaliert. Die Polizisten, die mit ihm sprechen, ignoriert er erst. Doch dann greift er nach einem Stuhl und nähert sich damit drohend den beiden Beamten. Einer von ihnen zückt den gelben Taser und warnt den aggressiven Mann, dass er gleich „Strom einsetzt“. Ein akustisches Signal ertönt und Lichtblitze gehen von dem Gerät aus. Doch das hält den Angreifer nicht ab, schließlich ruft der Polizist „Taser, Taser, Taser“. Die Elektroden treffen die Kleidung des Mannes und machen ihn sofort bewegungsunfähig. Er fällt auf den Boden, wo ihn die Polizisten überwältigen.
Kein geeignetes Mittel für Messerangriffe
Wie der Taser genau funktioniert, erklärte der Projektleiter und Polizeivizepräsident des Polizeipräsidiums Freiburg Uwe Oldenburg. Bei dem werden zwei mit Widerhaken besetzte Elektroden ausgelöst, die in die Haut der getroffenen Person eindringen sollen. Diese Pfeile sind über dünne Drähte mit dem Taser verbunden. Die Drähte übertragen elektrische Impulse mit hoher Spannung und niedriger Stromstärke. Das soll dazu führen, dass der Angreifer schnell außer Gefecht gesetzt wird, ohne dass er schwere Verletzungen erleidet – denn der Taser wirkt auf das Nervensystem und lähmt den Körper sofort. So soll eine gefährliche Situation aus der Distanz entschärft und gleichzeitig die Sicherheit der Beamten erhöht werden.
Besonders bei statischen Einsätzen sei der Taser ein wirksames Mittel, für Messeangriffe – aus einer relativ kurzen Distanz und meist hochdynamisch – nicht. „In einer solchen Lage ist das sicherste Mittel für die Polizei, nicht zuletzt um sich und Dritte zu schützen, die Schusswaffe“, betonte
Innenminister Thomas Strobl am Freitag.
Getestet werden die Taser bei den Streifenpolizisten der Reviere Freiburg-Nord und -Süd sowie Weil am Rhein und Titisee-Neustadt. „Freiburg ist ein heißes Pflaster mit einer hohen Kriminalität“, begründete Thomas Strobl die Entscheidung. Durch Titisee-Neustadt und Weil am Rhein werde auch der ländliche Raum miteinbezogen – bei letzterem spiele auch die Nähe zur Grenze eine Rolle.
„Wir möchten die Anwendung des Tasers im Alltag des Streifendienstes ausprobieren und anschließend die Ergebnisse evaluieren“, so Uwe Oldenburg. „Darüber hinaus wollen wir schauen, ob und wie sich der Taser bei der sogenannten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums im Einsatz bewährt, also bei den Einheiten, die gewissermaßen zwischen Streifendienst und Spezialeinheiten in bestimmten Lagen unterstützen.“
Im ersten Jahr wird das Modell „Taser 7“ von Axon getestet – im zweiten Jahr soll es ein anderes werden. 40 Geräte – für 2.600 Euro pro Stück – wurden angeschafft. Falls der Taser im Praxistest überzeugt, könnte dieser flächendeckend bei Polizeistreifen im Land zum Einsatz kommen – allerdings frühestens 2028.



Hier nur eine Übung: Bei der Vorstellung des Projekts wurde gezeigt, wie die Freiburger Polizisten einen Angreifer mit dem Taser überwältigen. Foto: Schuh