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Trendviertel hinter der UB: Wo Freiburg cool und herzlich ist

Freiburgs Sedanviertel: dichte Urbanität mit Dorfstrukturen. Foto: Eggstein

Das Sedanquartier mausert sich immer mehr zu Freiburgs urbanstem Trendviertel. Das durch hohe Stadthäuser geprägte Quartier direkt hinter der Uni-Bibliothek verströmt eine Lässigkeit und Weltläufigkeit wie man sie in der Stadt selten antrifft. Doch auch im coolsten Kiez verläuft das Leben nicht vollkommen konfliktfrei.

Kaum ist die Sonne raus, belebt sich das Straßenbild: Vor allem junge Leute sind unterwegs. Viele Grüppchen sind international. Der Eindruck: Englisch wird fast genauso oft gesprochen wie Deutsch. Inzwischen ist das Viertel vor allem als Hotspot für unzählige Cafés mit teils sehr originellen und ungewöhnlichen Menükarten sowie Bars und Restaurants bekannt. Auf einschlägigen Internetseiten wird es als Geheimtipp gepriesen.

Für Einheimische ist es das längst nicht mehr. Nachtschwärmer und alternative Geister kommen etwa im legendären Litfass zusammen, das täglich bis mindestens 3 Uhr geöffnet hat. Darüber hinaus gibt es Einzelhandel, Tätowierer, Tanzschulen, Shisha-Bars, Clubs, kleine Werkstätten und mehr.

Nicht zuletzt bilden das Sedanquartier und das alternativ geprägte Viertel Im Grün mit seinem selbstverwalteten Wohnprojekt das größte Wohngebiet der Freiburger Altstadt. Christian Dicken, Teil des Sprecherteams beim „Bürgerforum Sedanquartier und Im Grün“ gehört dem Forum seit 25 Jahren an und hat die Entwicklung hautnah miterlebt. Als das Rathaus die Sperrung des Rotteckrings und die Ausweitung der Innenstadt Richtung Bahnhof beschloss, war es dem Forum ein großes Anliegen, den Geist des Viertels zu bewahren.

„Womit wir immer wieder zu kämpfen haben, ist, dass es sich hier vor allem um ein Wohngebiet handelt, in dem die Bewohner auch einen Schutz vor unverhältnismäßiger Lärmbelästigung haben müssen“, betont Dicken. Es handele sich um einen ständigen Spagat, denn für meisten abendlichen Besucher sei das Viertel einfach nur Innenstadt, wo man von Lärmschutz nichts wissen wolle. Nach wie vor lebten aber auch viele Familien im Viertel und dies gelte es, zu berücksichtigen. „Ich selbst habe vier Kinder hier großgezogen und lebe unglaublich gerne in dem Viertel, aber es gibt eben nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Probleme können nicht unter den Tisch gekehrt werden. Zum Beispiel muss die generell begrüßenswerte Ausweitung der Außengastronomie auch mit den Menschen, die dort leben abgestimmt werden. Gerade in der Sedan- und Moltkestraße ist die Lärmbelastung sehr hoch“, so Dicken.

Im Vordergrund stehe aber das Positive, was den Reiz dieses Viertels ausmache, so Dicken: „Es ist ein kunterbuntes Miteinander verschiedenster Menschen und Lebensentwürfe. Gleichzeitig gibt es unter vielen Bewohnern Strukturen wie in einer Dorfgemeinschaft: Man kennt und hilft sich untereinander. So unterschiedlich die Leute sind, es herrscht ein freundschaftlicher Grundton vor.“

Auch Nana, eine der Servicekräfte im angesagten Sedan-Café, schwärmt vom besonderen Flair des Viertels: „Für mich ist es vor allem das Studentenviertel, das zwar zentral liegt, aber kein typischer Tourispot ist. Ich würde nicht sagen, wir seien ein Hipsterspot – aber man weiß, dass es hier cool ist. Darüber hinaus ist es ein Begegnungsort für Freiburger. Hier trifft man sich und kommt ins Gespräch. Untereinander herrscht eine sehr familiäre Wohlfühlatmosphäre.“