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SC Freiburg: Christian Streichs Abschied ist eine Zäsur für den Verein

Christian Streich und Jochen SaierChristian Streich im Jahr 2014, gerade zwei Jahre im Amt, im vertrauten Austausch mit Sportvorstand Jochen Saier. Foto: Achim Keller

Christian Streich hat den SC Freiburg über viele, viele Jahre geprägt. Sein Abschied ist für den Verein und die Profimannschaft ein einschneidendes Ereignis. Die verbleibenden Spieltage in der laufenden Saison versprechen daher allergrößte Spannung.

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe von Christian Streichs Abschied war weise gewählt. Es ist Länderspielpause, reichlich Zeit also für die Mannschaft, um bis zum nächsten Spieltag am 30. März bei Borussia Mönchengladbach das Geschehene zu verarbeiten. Auch zur Nachfolgefrage will sich der Verein bis dahin geäußert haben, teilte der SC am Montag mit.

„Noch viel zu erreichen“

Doch der Abschied Streichs nach fast 13 Jahren bei den Profis und 29 Jahren im Verein ist eine Zäsur. Nur ein Bundesliga-Trainer ist mit 16 Jahren noch länger beim selben Verein im Amt: Heidenheims Frank Schmidt, gegen dessen Elf sich Streich am 33. Spieltag im letzten Saison-Heimspiel von den SC-Fans verabschieden wird. Der Abschied des Trainers sei „eine Entscheidung, die wir bedauern, aber in vollem Maße respektieren und nachvollziehen können“, wird Jochen Saier, Vorstand Sport des Vereins in der Vereinsmitteilung vom Montag zitiert.

Stationen einer Trainer-Ära: Christian Streich beim zweiten von drei Titeln im DFB-Junioren-Vereinspokal, hier mit Torhüter Oliver Baumann). Foto: Patrick Seeger

Auch die Äußerungen von so manchem Spieler nach dem Heimspiel gegen Leverkusen lassen darauf schließen, dass viele von ihnen, die schon lange mit Streich zusammenarbeiten, diese Nachricht erst einmal sacken lassen müssen. „Ich dachte eigentlich, dass wir zusammen aufhören und dass das noch zwei oder drei Jahre dauert“, erklärte Freiburgs Mittelfeldmotor Nicolas Höfler, 34, und seit 2005 im Verein.

Welche Dynamiken das Aus zum Saisonende innerhalb der Mannschaft auslösen wird, bleibt also abzuwarten. Es ist unverkennbar, wie Streich mit seiner Energie die Mannschaft in all den Jahren zu sportlichen Höchstleistungen antrieb und auch noch das letzte Prozent aus seinen Spielern herauskitzelte, diese besser machte. Das wird in Zukunft fehlen. Vorstand Jochen Saier baut vor und legt den Fokus direkt auf die restlichen Saisonspiele: Der Augenblick, die besondere Zeit mit Streich „final zu würdigen“, sei noch nicht gekommen. „In den ausstehenden acht Bundesligaspielen gibt es gemeinsam noch zu viel zu erreichen“, so Saier.

Mit dem SC erlebte der Streich große Spiele auf europäischer Bühne mit denkwürdigen Begegnungen: Hier beim Handshake mit Weltmeister Ángel di María von Juventus Turin. Foto: Tom Weller, DPA

Doch was passiert danach? Die Mannschaft ist intakt, keine Frage. Der Umbruch hin zu vielversprechenden Nachwuchsspielern wie Noah Atubolu, Noah Weißhaupt oder Merlin Röhl ist eingeleitet. Auch deshalb kann Streich vom „richtigen Zeitpunkt“ für seinen Abschied sprechen.

Zwei, bis drei personelle Abgänge, auch von Leistungsträgern, sind im Sommer jedoch nicht ausgeschlossen. Was wird zum Beispiel aus Ritsu Doan oder dem hochveranlagten Roland Sallai, der immer wieder mit Wechselgerüchten in Verbindung gebracht wird?

Auf den Verein kommt also eine spannende Phase zu, wie es sie seit 2011 nicht mehr gegeben hat. Christian Streich, so kennt man ihn, wird alles in seiner Macht stehende daran setzen, diese Saison so erfolgreich wie möglich zu beenden. „Der Verein ist mein Leben“ – Streichs Worte sagen alles dazu.

Und die Spieler? Sie hegen die Hoffnung das dritte Jahr in Folge den Europapokal zu erreichen. „Es ist das Ziel bis zum Schluss da mitzuspielen, wo es um internationale Plätze geht“, sagt Nicolas Höfler. Es wäre wohl das perfekte Abschiedsgeschenk für ihren Trainer, dessen Abschiedstournee jetzt begonnen hat.