Ökologisch wildpinkeln?

Freiburg hat wie viele Städte ein Wildpinkler-Problem – so gehen andere Kommunen das Ärgernis an

Das Pinkelproblem ist so akut, dass der Spülwagen der Abfallwirtschaft nun häufiger ran soll: Ab dem 1. Juli werden die Pinkelecken in der Innenstadt drei- statt zweimal pro Woche gereinigt. Es gibt aber auch andere Ansätze – etwa Öko-Pissoirs mit Kompost-System.

Öffentliches Pinkeln ist ein Ärgernis. 2016 verhängte Freiburg 40 Bußgelder gegen Wildpinkler – und reinigt mehrmals wöchentlich die schlimmsten Pinkelecken. Welche Ideen aber haben andere Städte? Zurückpinkeln in St. PauliAn der Hamburger Reeperbahn wird zurückgepinkelt: Ein Speziallack, der an den bekannten Pinkelecken angebracht wurde, lässt den Urinstrahl zurückprallen.

Das sogenannte „Peeback Spray“ hat sich nach Angaben der Herstellerfirma zu einem Exportschlager entwickelt. 105 Euro kostet eine 500 Milliliter-Flasche, was für bis zu acht Quadratmeter Fläche reichen soll. Die IG St. Pauli will außerdem Pinkler mit einer Stempelkarte zum Umdenken bewegen: Wer sechs Mal zum Pinkeln in eine Bar geht, erhält beim sechsten Mal einen Gratis-Schnaps. Öko-Pissoir aus FrankreichOben wachsen Rosmarin oder andere Pflänzchen – unten darf hineingepinkelt werden: Die französische Design-Agentur Faltazi hat den sogenannten „Uritrottoir“ entworfen. Der Urin wird darin in einer Mischung aus Stroh und Sägemehl zu Kompost, ein Kohlefilter dämpft die Gerüche.

Die Ökoklos gibt es in verschiedenen Farben und Größen. „Mehrere Städte verwenden unser System. Auch Lausanne möchte bald mit einem Test beginnen“, erklärt Firmensprecher Laurent Lebot. In einer Straße in Nantes werden nach Firmenangaben pro Woche 160 Klogänge in der Box aufgefangen, was etwa 72 Liter Urin entspricht. Comic-Fliesen an der WandIn Dresden sollen witzig gestaltete Fliesen die Wildpinkler davon abhalten, auf Hauswände zu zielen. „Falschpisser!“ steht darauf und Comic-Motive regen zum Schmunzeln an – „verwende doch lieber eine Nette Toilette“ empfiehlt ein Text den Gang in die nächste Kneipe.

Was sagt der Lokalverein?Der Vorsitzenden des Freiburger Lokalvereins Innenstadt, Anca Rosler-Koslar, gefällt besonders das „Uritrottoir“. „Das Konzept ist sehr niederschwellig – man muss nirgends rein oder einen Eingang suchen. Außerdem ist es ökologisch“.

Doch von der Stadt fordert Rosler-Koslar ein „Bündel an Maßnahmen“ . Die 40 Bußgelder pro Jahr seien ein Witz. „Der Vollzug muss definitiv zügiger und umfangreicher sein“, sagt sie und verweist auf schmerzhaftere Bußgelder in Städten wie Heidelberg. Was sagt der Abfallprofi?Andreas Sawatzki, stellvertretender Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Freiburg (ASF) hält den „Uritrottoir“ ökologisch „für einen guten Gedanken“. Allerdings befürchtet er, dass „besonders in den Abend- und Nachtstunden“ in den Kübelklos auch Glasscherben, Zigarettenkippen oder Einweckpackungen landen könnten. „Eine Kompostierung dieses Materials ist dann kaum noch möglich“, sagt er. Als Mitglied im Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sondiere die ASF auch stets Lösungsansätze der anderen Städte. Matthias Eisele

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