Ist der Sport der Zukunft schon da?

Megatrend E-Sport: Während hierzulande noch diskutiert wird, ob Computerspiele Sport sind, schreitet der Boom voran – auch in Freiburg

Schalke 04 macht mit, RB Leipzig sowieso und Sportwagenhersteller McLaren plant sogar einen eigenen Wettbewerb: Die Rede ist von E-Sport, dem Milliardenmarkt um das wettkampforientierte Computerspielen. Auch klassische Sportvereine zeigen zunehmend Interesse.Ein E-Sport-Team beim SC Freiburg? Für die Freiburger Stefano Rinaldi, Jerome Specht und Simon Voss wäre diese Vorstellung nicht sehr abwegig. Schon heute mischen Sportvereine wie Schalke oder Paris St. Germain kräftig mit im Geschäft um die virtuellen Wettbewerbe. „Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass der E-Sport Bereich ein gewisses Potenzial bietet“, sagt das Trio. Rinaldi, Specht und Voss managen ihren eigenen E-Sport-Clan namens „Tigers Roar“, den sie 2017 in Freiburg gegründet haben. Derzeit hat der Clan 71 Mitglieder, etwa 23 Spieler davon nehmen aktiv an E-Sport-Wettkämpfen teil. „Wir sind noch weit entfernt, finanziell davon leben zu können“, sagt das Tigers-Roar-Team. Aber ihr Ziel ist es, bei den großen Turnieren des Kölner Marktführers ESL zu spielen.
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte schätzt, dass bis 2020 mit E-Sport in Deutschland ein Umsatz von 130 Millionen Euro erzielt wird. Zum Vergleich: Die 36 Profiklubs der ersten und zweiten Fußball-Bundeliga erreichen einen Umsatz von vier Milliarden Euro. Aber E-Sport ist in Deutschland ein Wachstumsmarkt, an dem zunehmend Sponsoren Interesse zeigen.


Die FT wagt den Einstieg
Ungeachtet dieses Potenzials hat sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vor Kurzem positioniert und dem E-Sport den Status als Sportart verweigert. Und das obwohl E-Sportler Herzfrequenzen erreichen, die nur knapp unter der eines Formel-1-Piloten während eines Rennens liegen, wie die Kölner Sporthochschule herausfand. Trotz der schwelenden Debatte, ob E-Sport Sport ist, will man bei der Freiburger Turnerschaft, dem mit 6.500 zweitgrößten Sportverein in Südbaden, dennoch einen Versuch wagen. „Wir wollen zunächst wöchentlich freie Trainings sowie in der Zukunft auch spezielle E-Sports-Ferienfreizeiten anbieten“, erklärt der Wettkampfsport-Beauftragte Julian Schumacher, der das E-Sport-Angebot des Vereins mitentwickelt. Schon sehr zeitnah soll es dort wöchentlich E-Sport geben. Geplant sind Offline-Ligen, in denen Kinder und Jugendliche im Spiel gegeneinander auf- und absteigen können. Gespielt werden sollen Spiele mit einem direkten Sportbezug, etwa die Fußballsimulation „Fifa“. Bei der FT weiß man, dass das Thema „kontrovers diskutiert“ wird. Aber der Verein sieht eine Chance, um „Personen, die keinen Bezug zum Sport im traditionellen Sinne haben, zu uns in den Verein zu holen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, in einem sportlichen Umfeld ihrem Hobby nachzugehen“, sagt Schumacher. Der Sportverein will mit seinen ureigensten Kompetenzen wuchern und den E-Sportlern ein Verständnis für die richtige Trainingssteuerung, geistige und körperliche Fitness sowie Gesundheit vermitteln. „Bei uns zu spielen soll gegenüber dem Spielen zu Hause einen deutlichen Mehrwert haben“, sagt Schumacher.
Während andernorts Fakten geschaffen werden, ist man beim SC Freiburg zurückhaltender: „Wir beobachten die Entwicklung“, sagt SC-Sprecher Sascha Glunk, „wir haben aber keine konkreten Pläne.“

INFO:Was ist E-Sport? Die Bezeichnung steht für „elektronischer Sport“. Gespielt werden Strategiespiele (League of Legends), Sportspiele (Fifa) oder Ego-Shooter (Counter Strike). Ein Team aus E-Sportlern wird als „Clan“ bezeichnet, Siegerteams winken hohe Preisgelder.

 

Matthias Joers

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