Stimmungsvoller Besuchermagnet

Und jährlich grüßt der Weihnachtsmarkt: Ein Rundgang durch eine Freiburger Institution – Für viele gehört der Glühwein untrennbar zur Adventszeit

Auch in diesem Jahr werden wieder rund eine Dreiviertelmillion Besucher über den Freiburger Weihnachtsmarkt flanieren. Noch bis zum 23. Dezember gibt es alles, was man von einem Weihnachtsmarkt erwartet, aber auch Angebote, die erst auf den zweiten Blick in die Adventszeit passen. Ein Rundgang in Stichproben. Für viele ist das wahrscheinlich wichtigste Element einer zünftigen Vorfreude auf das Christfest der Glühweinstand. Die Anbieter unterscheiden sich kaum beim Einstiegspreis von drei Euro für den klassischen Roten, der an allen befragten Ständen auch in diesem Jahr der Bestseller zu werden scheint. Thomas Koch, von Kochs Glühwein Eck, sieht aber den Weißen deutlich auf dem Vormarsch. Unter dem Namen „Glühbirne“ verfeinert Koch mit seinem Team das Heißgetränk mit Birnenlikör. Damit sei der Trendsetter des letzten Jahres, der „heiße Hugo“, abgelöst.
Puristischer geht es da in der „Glühwein Manufaktur“ des Breisacher Winzerkellers in der Franziskanerstraße zu. Mitarbeiterin Jessica Placzek verweist auf die Gesetzeslage, die keine chemischen Zusatzstoffe erlaube. Dafür gibt es neben rotem und weißem Glühwein auch noch Kinderpunsch mit frischen Früchten, Weingelee oder auch Weinessige zu erwerben.
Ganz klar im Trend liegen in diesem Jahr Design und Produkte aus dem Schwarzwald, am liebsten mit dem Bollenhut als Logo. So ist der rote Bollen das Pflichtaccsessoire der handgemachten Strohschuhe aus der „Finken Stube“ (Anmerkung der Red. für Zugereiste: Finken sind im alemannischen Sprachraum Hausschuhe). Ingeborg DeLeo kann die bequemen Treter auf Wunsch auch wintertauglich mit Gummisohlen anbieten.
Edles Schwarzwälder Design, bietet die Schreinerei Pozsgai aus Heitersheim. Mitarbeiter Benjamin Maier freut sich, dass es endlich mit dem begehrten Stand geklappt hat. Ein Besuch des Newcomers aus dem Markgräflerland lohnt sich für Designfreunde. Die moderne Interpretation des Melkschemels wurde sogar mit dem „Red Dot Design Award“ ausgezeichnet. Pfiffig durchdacht und edel gestaltet kommen auch die anderen Produkte wie die Vesperbrettle oder das magnetische Tablett mit Untersetzern – natürlich in Bollenform – daher. Ergänzt wird das Angebot durch modern überarbeitete Kuckucksuhren aus einer Manufaktur in Todtnau.
Das passende Vesper hat zwar die Metzgerei Kramer aus Umkirch im Programm, der Renner sei in diesem Jahr jedoch das eher überseeische „Pulled Porc Sandwich“, wie Klaus Kramer, der den Stand gemeinsam mit seiner Tochter Barbara führt, feststellen muss. Nichtsdestotrotz gibt es auch die beliebten Badischen Klassiker wie Schinkenspeck, Schwarz- und Leberwurst und Freiburger Seelen im Sortiment.
Fast von Anfang an dabei ist Christl Bunk mit ihrer Edelsteinschleiferei. Zwei Jahre nach der Gründung 1975 hatte sie damit begonnen, vor den staunenden Augen der meist jungen Kunden Achatgeoden zu öffnen. Nicht selten kämen die Kinder von einst heute mit dem eigenen Nachwuchs vorbei. Für das verborgene, glitzernde Innenleben der unscheinbaren Steine hat Bunk einen Blick. Für den seltenen Fall, dass sich nach dem Knacken oder Aufschleifen dann doch mal eine Niete zeigt, gibt es auch einen zweiten Versuch.


Gürtel aus Fahrradreifen
Ein zweites Leben haben die Geschenkartikel am Stand von „Upcycling Deluxe“ erhalten. Melina Weiner, die den Stand betreut, zeigt Portemonnaies aus alten Zementsäcken, Lampenschirme aus Ölfässern, Gürtel aus Fahrradreifen oder auch Handtaschen aus alten Schallplatten. Hergestellt werden die Waren in kleinen Kooperativen, oft aus ärmeren Ländern. Partnerprojekte in Kambodscha und ein Frauenkollektiv in Bangladesch sind dabei nur zwei Beispiele. Neben dem Fair-Trade Gedanken werde auch die Umwelt weniger belastet, wenn eigentlich Ausrangiertes wieder in den Konsumkreislauf kommt. Vielleicht auch eine passende Überlegung in der Adventszeit.

Jens Brodacz

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