Schließt nun auch der Hase?

Über einen Streit zwischen Eigentümern, die keine Gespräche wollen und frustrierten Mietern im Szene-Klub

Das El Haso am Siegesdenkmal muss zum 31. März schließen. Auch die Zukunft des White Rabbit ist ungewiss, weil die Kommunikation mit dem als Eigentümer eingesetzten Firmengeflecht kaum möglich ist und die Kündigung im Raum steht. Es ist nicht selten, dass ausländische Unternehmen Geschäftsimmobilien aus der Ferne verwalten – ohne den nötigen Weitblick.Wenn beliebten und gewachsenen Etablissements in Freiburg das Aus droht, entwickelt sich dies schnell zum Politikum. So auch im Falle des Szene-Klubs „White Rabbit“ und dem Restaurant „El Haso“ am Siegesdenkmal. Diesen wurde vom Eigentümer, einem Konstrukt zweier Verwaltungsfirmen für Immobilien, gekündigt. Grund sind zwei nicht bezahlte Monatsmieten, die aufgrund nicht eingehaltener Instandhaltungsarbeiten einbehalten wurden, wie die Badische Zeitung jüngst berichtete. Am Freitag trafen Rabbit- und Haso-Chef Hansi Breier und die Besitzer nun erstmals vor Gericht aufeinander – Letztere vertreten durch Dominik-Andreas Zimmermann, Geschäftsführer der Alpha mbh & Co. KG mit Sitz in Freiburg. Diese besteht aus der Proventus Verwaltungs GmbH und dem Unternehmen Delta Real Estate aus dem US-Staat Delaware. Ihnen gehört die begehrte Immobilie am Leopoldring. Die Firma wurde eigens gegründet, um solche Immobilien im Ausland zu verwalten. Dank der Gesetzeslage im US-Staat kann die Geschäftsführung anonym bleiben und schickt einen Verwalter, nämlich Zimmermann, zum Termin. Das Ergebnis: Das El Haso muss zum 31. März schließen.
Gegenüber der Badischen Zeitung beschrieb Zimmermann das Geschäftsmodell als „eine Art Immobilienfonds“. Wem die Firma genau gehöre, wisse er selbst nicht. Am Siegesdenkmal sind die Amerikaner Eigentümer einer ganzen Reihe von Immobilien, die sie verwalten, zu den Mietern jedoch keinerlei Kontakt pflegen. Der Eindruck: Es geht lediglich um Profit.


Kommunen sinddie Hände gebunden
„Meines Wissens war keiner aus der Verwaltung jemals im El Haso oder im White Rabbit. Wir waren immer nur die obskuren Typen, die Probleme verursachen“, ärgert sich Breier. Für Mängel und die Instandhaltung aufzukommen, weigere sich die Eigentümerfirma nach wie vor. Besonders die sanitären Anlagen, Eingangs- und Fluchttüren seien Baustellen – Dinge, die klar dem Eigentümer oblägen. „Es kam schon vor, dass wir am Abend die Gäste entlassen mussten, weil die Toiletten einfach nicht mehr funktionieren. Das bedeutet auch finanzielle Einbußen.“
An und für sich ist es nicht außergewöhnlich, dass ausländische Investoren an attraktiven Standorten in Deutschland investieren. Wie viele es in Freiburg sind, lässt sich kaum feststellen. „Eine Auflistung, welche Käufe von ausländischen Unternehmen oder Personen getätigt werden, können wir nicht bieten“, erklärt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Sie verweist auf den Freiburger Immobilienverband „Haus und Grund“. Deren Geschäftsführer Stephan Konrad sagt: „Wir kennen die Problematik ebenfalls nur aus Presseberichten. Da wir Privateigentümer vertreten, haben wir zu Investoren keinen Kontakt. Wir haben auch keinen Überblick, wie groß das Problem wirklich ist.“ Verkäufe privater Immobilien liefen jedenfalls regional ab. „Da kommt niemand aus dem Ausland und kauft eine Eigentumswohnung in Littenweiler“, so Konrad.
Rathaussprecherin Lamersdorf kennt die Umstände, sieht aber keine Handlungsmöglichkeiten: „Die Kommune hat keine Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen. Das ist ein freier Markt. Wenn überhaupt, bräuchte es ein Bundesgesetz.“ Hansi Breier hilft das wenig. Doch auch er weiß, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. „Wie viele es sind, weiß ich auch nicht. In größeren Städten ist das Problem aber wohl noch viel gravierender.“

Benjamin Resetz

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