Ganz schön günstig unterwegs

Ab 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket gelten – und es bedeutet eine logistische Herausforderung für RVF und VAG

Das 9-Euro-Ticket ist Teil eines milliardenschweren Entlastungspakets, welches die Bundesregierung angesichts der steigenden Preise auf den Weg gebracht hat. Damit sollen Bürger bundesweit den öffentlichen Nahverkehr im Juni, Juli und August vergünstigt nutzen können. Eine Mammutaufgabe für die regionalen Verkehrsdienstleister – die fühlen sich aber gewappnet. Die Freiburger Verkehrs AG (VAG) bietet ab sofort das 9-Euro-Ticket sowohl online über den Shop als auch über die gewohnten Vertriebswege wie Fahrkartenautomaten, Kundencenter oder den Ticketverkauf im Bus an. Auch per App sollen die vergünstigten Karten bald erhältlich sein. „Unsere Website ist mit allen notwendigen Informationen stets auf einem aktuellen Stand“, erklärt Simone Stahl, bei der VAG zuständig für Marketing und Vertrieb. Bei den Abo-Kunden sei die Sache einfach. „Wer ein Abo gebucht hat, der bekommt für die kommenden drei Monate entsprechend weniger abgezogen“, ergänzt sie.
Einen massiven Ansturm auf den Öffentlichen Nahverkehr dank der vergünstigten Tickets erwarte man in Freiburg aber nicht. „Wir sind aktuell noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau, das heißt, wir haben noch Kapazitäten nach oben“, so Stahl. Bei der VAG sieht man die Bundesmaßnahme lieber als gute Werbung für das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs. „Wir hoffen durchaus, dass wir Fahrgäste durch diese Aktion neu oder wieder für uns gewinnen können“, unterstreicht sie.
Eine Besonderheit des Tickets ist seine Gültigkeit. Mit der Regio-Karte lässt sich zwischen Juni und Ende August auch in Berlin, Hamburg oder Köln der Öffentliche Nahverkehr nutzen – denn das Ticket gilt bundesweit und flächendeckend. In einem Tourismusgebiet wie Freiburg und dem Schwarzwald könnte es in den Sommermonaten so schnell zu einem Wirrwarr an Karten und Tickets der unterschiedlichsten Verkehrsverbünde kommen. Daher müssen auch die Kontrolleure und Fahrer entsprechend geschult werden. „Wir werden sie für einen kulanten Umgang sensibilisieren“, verspricht Stahl.


Knapper Zeitrahmen
„Gefühlt haben wir die vergangenen Wochen an nichts anderem gearbeitet“, erklärt Dorothee Koch, Geschäftsführerin des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg (RVF). Ein großes Paket an Vorbereitungen erfordere die Umsetzung, man sei aber auf einem guten Stand. Auf touristisch hoch frequentierten Strecken könne es durchaus zu Engpässen kommen glaubt sie. „Chaos“, und „überfüllte Bahnhöfe“ wie man bei der Bahngewerkschaft EVG vor einigen Tagen vermutete, befürchtet man beim RVF aber nicht.
„Wir haben eher Sorgen beim Thema Liquidität bei den beteiligten Verkehrsunternehmen“, führt Koch aus. Immerhin erwarten die Verkehrsbetriebe massive Einnahmeverluste durch das Billig-Ticket – bei gleichbleibenden Kosten. Die hat der Bund versprochen auszugleichen – bis 10. Juni sollen die ersten Gelder von den bundesweit insgesamt 2,5 Milliarden Euro bei den Verkehrsbetrieben ankommen. Dass das unbedingt auch klappen muss unterstreichen RVF und VAG gemeinsam. Denn der Zeitrahmen ist denkbar knapp: Erst Ende Mai werden der Bundestag und anschließend der Bundesrat über einen entsprechenden Gesetzentwurf abstimmen.

Claudia Kleinhans

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