Liegt die Energiezukunft in der Tiefe?

Energieversorger Badenova lotet Möglichkeiten der Tiefengeothermie aus – Keine Erdbeben zu erwarten

Freiburg könnte mit einem Schlag eine klimaneutrale Wärmeversorgung bekommen und seine Klimaziele erreichen, sagt Roland Weis. Der Sprecher des kommunalen Energieversorgers Badenova in Freiburg ist von den Möglichkeiten der Tiefengeothermie überzeugt. Gerade hat sein Unternehmen über mehrere Tage hinweg mit dem Helikopter im Markgräflerland Voruntersuchungen für mögliche künftige Bohrungen ausgelotet. Nun steht die Auswertung der gewonnenen Daten an.Seit zwei Monaten etwa hat die Badenova den Zuschlag, im Dreieck zwischen Freiburg, Breisach und Müllheim nach möglichen Standorten für eine Tiefengeothermie-Anlage zu suchen. Die sogenannte „Aufsuchungserlaubnis“ ist zwar für zehn Jahre gültig, doch hat die Badenova nicht lange gefackelt mit ihren Vorbereitungen: Mit dem Helikopter, an dem ein spezielles Messgerät hing, wurden die Beschaffenheiten im Erdreich des Untersuchungsgebiets mittels einer Magnettechnologie („Aero-Magnetik“) aufgezeichnet. „Diese Ergebnisse werden nun abgeglichen mit dem, was in Papierform bei den Behörden bereits über Verwerfungen und Zerklüftungen im Erdreich bekannt ist“, erklärt Weis.
„Auf der Basis dieser Auswertung sollen dann die drei bis fünf vielversprechendsten Ecken in diesem Untersuchungsraum herausgearbeitet werden“, so Weis. Für mögliche künftige „schweinisch teure“ Probebohrungen ist dabei einerseits wichtig, dass das ermittelte Gelände auch wirklich für eine Geothermie-Anlage geeignet ist. Und das Gebiet darf auch nicht abseits des Schusses liegen, da man ja Abnehmer wie Industriestandorte oder Kommunen für die Erdwärme braucht. Nur für solch geeignete Standorte werde man am Ende auch eine Bohrgenehmigung beantragen.
Auf dem Weg zum Bau einer Tiefengeothermie-Anlage im Markgräflerland seien die Erkundungsflüge im Mai ein wichtiger Baustein gewesen, so der Badenova-Sprecher, der auch um die Imageprobleme der Erdwärmenutzung weiß: In Basel und im Raum Freiburg haben in den vergangenen Jahren Bohrungen zu spürbaren Erdbeben geführt, die schließlich das Ende der jeweiligen, Millionen verschlingenden Projekte waren. „Die Technik, die dort angewendet wurde, nennt man ’Hot Dry Rock Verfahren’“. Dabei wird mit sehr hohen Drücken Wasser ins Gestein gepresst“, erklärt Weis. „In Baden-Württemberg ist dieses Verfahren nicht genehmigungsfähig und würde entsprechend auch nicht von uns angestrebt werden.“
Die Pläne der Badenova sind dagegen darauf ausgerichtet, Wasser führende Schichten zu finden und anzuzapfen. „Wie bei einem Wärmetauscher oder bei einem Thermalbad. Technische Eingriffe, die Erschütterungen nach sich ziehen, würden bei unserem Verfahren gar nicht erst stattfinden“, so der Badenova-Sprecher. Und: Der Oberrheingraben sei für solche Anlagen prädestiniert, da man hier weniger tief bohren muss als andernorts, um auf entsprechend heißes Wasser zu stoßen.
Sollte so eine Anlage im Raum südlich von Freiburg wirklich kommen, so wäre sie im Nebeneffekt auch geeignet, im Wasser gelöstes Lithium für den Batteriebau zu gewinnen, wovon im Oberrheingraben große Vorkommen vermutet werden. Die Aufsuchungserlaubnis durch das Regierungspräsidium umfasst auch das Thema Lithium. „Wir kriegen auch Anfragen von Spezialunternehmen“, bestätigt Roland Weis.
Im Fall des Falles würde man sich für die Lithium-Gewinnung einen entsprechenden Partner ins Boot holen. „Das ist aber alles im Konjunktiv und nicht unser primäres Ziel“, betont Weis. Im nächsten Schritt werden nun am Boden von Geologen weitere gravimetrische Daten über das Erkundungsgebiet gesammelt. Erste Probebohrungen könnte es 2024 geben. Eine Geothermie-Anlage würde am Ende mit rund 50 Millionen Euro zu Buche schlagen und müsste zum Beispiel bis 10.000 Haushalte versorgen, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Bernd Peters

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