Ein Fan der ersten Stunde

Die Uni Freiburg beherbergt nun die vielleicht größte Fan-Sammlung rund um die Rolling Stones

Er war ein Fan der ersten Stunde und blieb seiner Leidenschaft bis an sein Lebensende treu: Der Bonner Jurist Reinhold Karpp hat seit seiner Zeit als Internatsschüler in den Sechzigerjahren alles gesammelt, was er je über die Rolling Stones in die Finger bekommen konnte: rund 7.000 Schallplatten, tausende CDs, Videos, DVDs und endlos viele Fan-Artikel vom Poster über den Anstecker bis hin zum T-Shirt. Nun ist seine mehr als 15.000 Teile umfassende Sammlung nach Freiburg gekommen: Das Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) der Uni Freiburg beherbergt seit dem Jahreswechsel somit die  - vielleicht - größte internationale Sammlung von Medien und Fan-Artikeln über die Rolling Stones.

Die Sammlung des 2012 verstorbenen Reinhold Karpp wird der Uni von den Erben des Juristen für Forschungszwecke zunächst für die kommenden zehn Jahre geliehen, wie es nun in Freiburg hieß. Aber auch darüber hinaus sollen die Schätze aus Karpps Sammlung möglicherweise in Freiburg bleiben, betonte am Montag die Tochter des Sammlers, die Berliner Historikerin Annette Karpp.

Gunther Neuhaus, der Vize-Rektor der Universität, sprach von einer „weltweit einzigartigen Sammlung“ und „einem krönenden Tag“ für das 2014 aus dem Deutschen Volksliedarchiv hervorgegangene ZPKM. Die Platten, Bücher und Devotionalien – darunter ein voll funktionsfähiger Stones-Flipper – können nun interdisziplinär von der Kulturforschung untersucht werden. Auch für öffentliche Ausstellungen in Kooperation mit geeigneten Museen sei man offen, so ZPKM-Direktor Michael Fischer. 

Die Sammlung mit dem Titel „Reinhold Karpp Rolling Stones Collection“ sei für die Erforschung der Popkultur der letzten Jahrzehnte einzigartig, da sie beispielsweise zeige, wie Fan-Artikel „identifikatorische Momente“ im Leben des Menschen werden würden.

Über 130 Konzerte besucht

Reinhold Karpp war Stones-Fan seit seiner Jugend als Internatsschüler in den Sechzigerjahren und hat die Band weltweit 130 Mal auf der Bühne gesehen. Um in den Jahrzehnten vor der weltweiten Vernetzung durchs Internet an seltene Platten und Sammlerartikel zu kommen, sei er europaweit bestens mit anderen Sammlern und Händlern vernetzt gewesen. Der Personenkult um Mick Jagger und Keith Richards sei dabei weniger sein Thema gewesen, wie seine Tochter („Ich war acht, als ich zum ersten Mal zum Konzert mitdurfte.“) am Montag rückblickend berichtete: „Ihm ging es immer um die Musik: Während rings um ihn die Menge tobte, konnte er einfach andächtig dasitzen und zuhören, was auf der Bühne passierte.“ Bernd Peters

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