Mit dem Hammer auf den Kopf

Abenteuerliteratur aus Freiburg: Autor Patrick Hertweck schrieb sein neues Buch großteils im Café Atlantik

Mit „Maggie und die Stadt der Diebe“ hat der Freiburger Autor Patrick Hertweck ein erfolgreiches Debüt hingelegt. Das historische Abenteuer ist mittlerweile in der fünften Auflage erschienen. Nun steht sein zweiter Roman „Tara und Tahnee“ in den Startlöchern. Claudia Kleinhans hat mit dem Vater dreier Kinder über Inspiration im Chaos, die Kraft des Zufalls und natürlich sein neuestes Werk gesprochen.

Herr Hertweck, sowohl Ihr Debüt als auch Ihr neuer Roman spielen in den USA, auch ungefähr zur selben Zeit. Woher kommt die Faszination für Nordamerika und das 19. Jahrhundert?

Patrick Hertweck: Ich bin immer auf der Suche nach Geschichten, stöbere in Buchhandlungen, Antiquariaten und auch online. Doch oft wird aus keinem der Projekte etwas. Irgendwann aber stoße ich durch Zufall auf ein Thema und weiß sofort, das ist es. Als würde ich mit einem Hammer am Kopf getroffen. Im Fall von „Maggie und die Stadt der Diebe“ geschah das in einem Freiburger Antiquariat, das früher in der Universitätsstraße zu finden war. Ich wühlte in der Auslage, fand ein Buch über das New Yorker Bandenwesen, eine wilde Zeit mit faszinierenden Charakteren. Darin wurde der letzte zum Tode verurteilte Pirat der USA, Albert W. Higgs, erwähnt. Da war mir klar, er wird der Dreh- und Angelpunkt meiner Geschichte. Ich habe nicht das Thema gesucht, sondern das Thema hat mich gefunden.

Und bei „Tara und Tahnee“?

Hertweck: Da war ich mit einer Bronchitis beim Arzt und wälzte eine Reisezeitschrift. Dabei bin ich auf einen ganz kleinen Artikel über Bauarbeiten in San Francisco im dortigen Financial District gestoßen. Immer wenn dort Fundamente ausgehoben werden, stößt man auf Schiffswracks, die sogenannte „Armada of golden Dreams“. Und schon war der Hammer wieder da.

Sie hatten einmal gesagt, dass die Charaktere Ihrer Bücher fast ein Eigenleben führen und Sie teilweise selbst überrascht sind, wie sie sich entwickeln...

Hertweck: Es gibt verschiedene Arten von Autoren. Manche können Geschichten wie am Reißbrett entwerfen, wissen, wie viele Kapitel es werden und anderes. Stephen King hat es in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“ dagegen so erklärt: Er hat stets das Gefühl, seine Geschichten wären sozusagen bereits da. Und der Autor hat nur die Aufgabe, das langsam auszugraben. Mein Bild ist ein bisschen anders, aber es läuft auf dasselbe hinaus. Ich stoße ein Tor auf und betrete dann eine Welt, deren Geschichte ich nur noch, quasi wie ein Chronist, niederschreiben muss.

Wie kann man sich das genau vorstellen?

Hertweck: Bei „Maggie“ habe ich ein Mädchen durch die Gassen rennen sehen und dachte, die sieht anders aus, die hat andere Kleidung an, was hat die da zu suchen? Und dann hat sich die Geschichte ergeben. Bei „Tara und Tahnee“ habe ich zwei Mädchen gesehen, die eine auf einem Berg, wie eine Prinzessin in einer Villa, das andere Mädchen irgendwo in der Natur – und ich wusste, deren Leben sind irgendwie verbunden.

Fünf Jahre sind seit der Veröffentlichung Ihres Debüts vergangen, was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie kann man sich das Leben eines Schriftstellers vorstellen?

Hertweck: Um Schreiben zu können, muss ich mir ganz egoistisch Zeit für mich nehmen, was natürlich als Vater von drei Kindern nicht immer möglich ist. Ich tauche dann in eine andere Welt ein, bin völlig weg. Ich habe deshalb oft abends geschrieben, wenn meine Frau von der Arbeit kam. Habe mich dann ins Café Atlantik gesetzt, mir einen Kaffee und eine Spezi bestellt und losgelegt.

Im Atlantik ist abends ganz schön was los, stört das nicht bei der Konzentration?

Hertweck: Nein, im Gegenteil. Ich mache mir geräuschdämpfende Ohrstöpsel rein; die gedämpften Hintergrundgeräusche und das mich umgebende Leben sorgen dafür, dass mir das Schreiben leichter fällt. In absoluter Ruhe wäre es viel schwerer.

Ein erfolgreiches Debüt zu schreiben, gerade ein Kinderbuch, ist auf dem heutigen Buchmarkt nicht einfach. Wie hat sich Ihr Leben seit „Maggie“ verändert?

Hertweck: Ha! (lacht) Wenn ich auf einer Lesung war oder bei einem Interview bin wie jetzt gerade, natürlich, dann ist mir das bewusst. Aber wenn ich zu Hause bin, dann hat sich für mich nichts verändert. Meine Kinder sind von meinen Romanen völlig unbeeindruckt. Andererseits habe ich lange in einem Büro und mit Zahlen gearbeitet. Dort habe ich mich nie so wirklich wohl gefühlt. Der Erfolg gibt mir nun die Möglichkeit, das zu machen, was ich liebe. Der Kinderbuchmarkt ist tatsächlich schwierig. Zudem gibt es nur wenige Bücher, die, wie beispielsweise Harry Potter, es geschafft haben, die Grenzen ihres Genres zu sprengen und für alle lesbar zu sein. Das wünsche ich mir für meine Bücher ebenfalls und dem eifere ich als Autor auch nach. Ich schreibe nicht nur, aber auch für Kinder.

Die ersten Seiten von „Tara und Tahnee“ sind dann auch entsprechend spannend. Ab welchem Alter würden Sie Ihre Bücher empfehlen?

Hertweck: Wenn Menschen hören, dass ich Kinderbuchautor bin, denken viele zuerst einmal an einfache Bilderbücher für Kleinkinder. Meine beiden Bücher sind für Kinder ab etwa 10 Jahre geschrieben – aber natürlich auch für jung gebliebene Erwachsene.

Was genau erwartet die Leser in Ihrem neuen Roman „Tara und Tahnee“?

Hertweck: Eine hoffentlich atmosphärische Reise in eine vergangene Welt – sowohl in der unberührten Natur Kaliforniens als auch in San Francisco, das zu dieser Zeit einer der außergewöhnlichsten Orte der Geschichte war. Durch einen Goldfund im Hinterland wurde aus einem 500-Seelen-Dorf ein Schmelztiegel voller unterschiedlicher Charaktere und Herkünfte. In diesem gefährlichen Umfeld müssen sich die beiden Mädchen Tara und Tahnee zurechtfinden, deren Leben auf geheimnisvolle Weise verbunden sind.

Und ein drittes Buch liegt bereits beim Verlag?

Hertweck: Ja, diesmal wird ein Junge im fernen Australien die Hauptrolle spielen, mehr will ich noch nicht verraten.Info: Patrick Hertweck liest am Donnerstag, 13. Februar um 17.30 Uhr in der Buchhandlung Rombach, Bertoldstraße 10, aus seinem neuen Buch „Tara & Tahnee, Verloren im Tal des Goldes“.

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