Keinen Bock mehr auf Verein?

Die Verjüngung vieler Vereine ist heute kein Selbstläufer mehr – doch es gibt Ausnahmen

Für viele Freiburger Vereine werden die Zeiten nicht einfacher: Die Mitglieder werden immer älter und zahlreiche Vorstände würden den Staffelstab gerne an eine jüngere Generation übergeben – doch der natürliche Verjüngunsprozess bleibt aus.

Männerchöre, Briefmarken-Sammler, Wandervereine, Kleintierzüchter – aber auch Partnerstädte-Vereine und Stadtteilvereine tun sich schwer damit, neue und vor allem jüngere Mitglieder zu werben.  „Es ist für uns relativ schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen. Das hat zur Folge, dass in den Vorständen immer mehr Rentner sitzen“, sagt Hubert Nixdorf, stellvertrender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine.

„Ein Bürgerverein ist halt kein Verein, der seine Mitglieder ständig bespaßt, sondern bewusstes Handeln erfordert. Damit entsprechen wir  nicht ganz dem Zeitgeist“, vermutet Nixdorf. Einen weiteren Faktor sieht er in der hohen Fluktuation innerhalb der Freiburger Bevölkerung. Um einem Bürgerverein beizutreten, müsse man schon etwas länger in der Stadt leben.

Für den Freiburger Kulturanthropologen Werner Mezger kommt die Problematik wenig überraschend: „Im Zeitalter zunehmender Individualisierung nimmt die Affinität zu Vereinen ab. Das Vereinsleben schreckt viele ab. Das ist ein Prozess, der schon länger zu beobachten ist“, sagt er. Die jüngere Generation zeichne sich durch eine wachsende Unverbindlichkeit aus.  Seine Prognose: Die klassischen Vereine werden sich in den kommenden Jahren deutlich reduzieren, wobei Städte mehr betroffen sein werden als ländliche Gemeinden. Kaum Probleme würden die meisten Sportvereine und identitätsstiftende Vereinigungen wie etwa Narrenzünfte bekommen.
 

Das G8 erschwert vieles 

Doch ganz unproblematisch stellt sich die Situation auch für Sportvereine nicht dar. Das Problem heißt G8. Der Schüleralltag an den Gymnasien bedeutet: bis nachmittags Schule, dann Hausaufgaben und dann entscheiden, ob man sich mit Freunden treffen, Playstation  spielen oder eben ins Training will. Durch die veränderte Sportstättennachfrage wird es zudem abends in vielen Hallen und auf Plätzen eng, weil gleichzeitig auch die Erwachsenen trainieren.   „Um die Problematik zu entschärfen, wäre es sinnvoll, wenn die Kooperation zwischen Schulen und Vereinen stärker betrieben würde“, erklärt  Franz Jürgen Zeiser, Vorsitzender des Freiburger Sportkreises. Insgesamt präsentiere sich die Freiburger Sportvereinsszene jedoch vital, wie nicht zuletzt die vielen jungen Gesichter bei der diesjährigen Galanacht des Sports gezeigt hätten. Evergreens wie Fußball oder Trendsportarten wie Cheerleading hätten ohnehin kaum Personalsorgen. 

Auch bei den Bürgervereinen gibt es Hoffnungsträger für eine Verjüngung. Einer davon ist Fionn Große. Der 26-Jährige engagiert sich als Beisitzer im Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee. „Die große Politik ist zwar interessant, aber in meinem Alltag spüre ich sie nicht so sehr. Dagegen merke ich es sehr stark, wenn der Supermarkt um die Ecke schließt oder die Naherholung im Quartier ausgebaut wird. Deswegen möchte ich mitreden und es nicht ausschließlich der älteren Generation überlassen, wie meine Stadt in Zukunft aussieht“, berichtet er. Zusammen mit den älteren Menschen könne man  Lösungen entwickeln, die eine Generation alleine nicht gesehen hätte. Sven Meyer

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