Der alte Oberbürgermeister ist auch der neue: Martin Horn knackt bereits im ersten Wahlgang die 50-Prozent-Marke und lässt die Konkurrenz mit deutlichem Abstand hinter sich. Für Horn wird es nun darum gehen, mit den Grünen im Gemeinderat wieder rasch zur Sachpolitik zurückzukehren.
Der Freiburger Rathausplatz erlebte am frühen Sonntagabend gegen kurz nach 19 Uhr einen kleinen Jubelsturm: Eine riesige Menschentraube sammelte sich um Oberbürgermeister Martin Horn, als dieser von der KaJo kommend Richtung Bühne lief. Rhythmisches Klatschen und „Martin, Martin“-Rufe empfingen den Wahlsieger. Einer der ersten Gratulanten war Achim Wiehle, der sich im Rennen um den Rathauschefsessel mit Platz drei (10,5 Prozent) begnügen musste. Horns Ergebnis von 52,9 Prozent ließ keine Zweifel zu, während die links-grüne Kontrahentin Monika Stein 29,6 Prozent der Stimmen erzielte. „Danke, Freiburg – für mehr als 50 Prozent!“, rief Horn ins Mikrofon, als er sich endlich zur Bühne durchgekämpft hatte.
Die Deutlichkeit des Wahlergebnisses überraschte auch Politikwissenschaftler Michael Wehner, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, der einen zweiten Wahlgang im Vorfeld durchaus für möglich gehalten hatte. Horn habe aber letztlich im Wahlkampf alles richtig gemacht. „Man kann den Wahlkampf von Martin Horn auch kritisch sehen, weil er relativ inhaltsleer war. Aber er hat eine Gabe: Er verkörpert die Erzählung, die wir in Freiburg gerne hören, nämlich dass Freiburg anders ist. Er verkörpert eine jugendliche, moderne, urbane Großstadt, die gemeinsam versucht, die Probleme zu lösen und nicht im Sinne einer Parteipolitisierung“, so Wehner.
Stein: „Deutliches Signal“
Herausforderin Monika Stein, die nun ihren Job als GEW-Landesvorsitzende fortführen wird, konnte am Ende nur zwei von 35 Stadtbezirken gewinnen: den Altstadt-Ring und deutlich im Vauban. Horn erlebte einen Durchmarsch. Seine besten Ergebnisse erzielte er in den Außengebieten (Hochdorf: 63,8 Prozent, Opfingen: 68,9 Prozent, Kappel: 58,6 Prozent) und in den westlichen Stadtteilen. „Es ist natürlich schwer gegen einen amtierenden, beliebten Amtsinhaber zu kandidieren. Es ist ein klares deutliches Signal, dass Freiburg mit Martin Horn weiterarbeiten möchte“, räumte Monika Stein ein. Zerknirscht zeigte sich auch Achim Wiehle, der von der CDU unterstützt wurde und der sein mit Abstand bestes Ergebnis in Hochdorf holte (21,1 Prozent). „Es ist leider nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb gilt es die Niederlage einzugestehen und Martin Horn für die künftige Amtszeit gutes Gelingen für Freiburg zu wünschen“, so der Freiburger Unternehmer.

Für Amtsinhaber Martin Horn gilt es nun, mit den Grünen, die Monika Stein unterstützt hatten und die die stärkste Kraft im Gemeinderat stellen, wieder in ein konstruktives Arbeiten zu kommen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das funktionieren wird – trotz Streitpunkten wie der Verpackungssteuer. „Das Wahlergebnis ist ein klarer Rückenwind für die Inhalte, die ich biete. Ich bin überzeugt, dass das die nächsten acht Jahre auch überparteilich gelingen wird“, so Horn. Als ein positives Signal darf da gelten, dass die grüne Fraktionsspitze am Sonntagabend auch auf Horns Wahlparty im Friedrichbau vorbeischaute.
So mancher Wahlkämpfer musste am Sonntagabend nach Kräfte zehrenden Wochen erstmal durchschnaufen. Erfreulich war: Freiburg zeigte mit einer Wahlbeteiligung von 56,1 Prozent (mehr als 2018), dass es hier ein großes Interesse an Kommunalpolitik gibt. Und auch der Kandidat-O-Mat der Landeszentrale für politische Bildung verzeichnete allein 60.000 Nutzer.
Info: Unseren Live-Artikel vom Wahlsonntag finden Sie hier.
Die Fotos vom Wahlsonntag gibt es hier.


Martin Horn bei der Ankunft auf dem Rathausplatz an der Seite seiner Frau Irina. Foto: Thomas Kunz