„Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld“ – eine neue Kampagne der Stadt Freiburg will auf häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung, digitale Gewalt oder Übergriffe im öffentlichen Raum aufmerksam machen. Es ist eine von acht Maßnahmen, die die Stadt im Zuge der Istanbul-Konvention auf den Weg gebracht hat. Freiburg gilt hier sogar als Vorreiterstadt.
„Wir wollen, dass das Thema aus der Tabuzone kommt. Und die Stadt Freiburg ist hier ein Vorbild mit Strahlkraft“, sagt Birgit Bindnagel, Sprecherin der Mekriba Stiftung. Die bundesweit agierende Stiftung unterstützt das Engagement der Stadt Freiburg gegen geschlechterspezifische Gewalt mit einem Betrag von 100.000 Euro. Die Stadt selber nimmt im Rahmen des vom Gemeinderat 2025 beschlossenen Aktionsplans 450.000 Euro in die Hand, um die acht Einzelmaßnahmen umzusetzen. Diese sind Teil der Istanbul-Konvention, mit der sich Bund, Länder und Kommunen verpflichtet haben, geschlechtsspezifische Gewalt konsequent zu bekämpfen und Betroffene besser zu schützen.
Kampagne „nur ein Baustein“
Mit der Kampagne „Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld.“ will die Stadt diese Arbeit nun im öffentlichen Raum sichtbar machen. Die Plakate und Social-Media-Motive zeigen Alltagssituationen, ergänzt um Zahlen und Fakten, die deutlich machen, wie verbreitet Gewalt und Diskriminierung noch immer sind. Gleichzeitig informiert die Kampagne über Hilfsangebote und möchte Menschen „ermutigen, hinzuschauen, Unterstützung anzunehmen und Betroffene nicht allein zu lassen“, so Oberbürgermeister Martin Horn.

Die ersten Litfaßsäulen und Plakate sind in der Stadt bereits zu sehen, weitere sollen in den kommenden Monaten noch folgen, sagt die städtische Frauenbeauftragte Simone Thomas. Es ist das erste Mal, dass sie und ihr Team Maßnahmen in dieser Größenordnung umsetzen. „Es gibt auch keine Stadt in dieser Größe in Deutschland, die so ein umfangreiches Programm macht“, so Thomas. Die Plakatkampagne sei laut Horn „nur ein Baustein einer umfassenden Strategie, die wir gemeinsam mit vielen engagierten Partnerinnen und Partnern in unserer Stadt umsetzen.“ Insgesamt 70 Akteure seien beteiligt.
Es gehe der Stadt Freiburg auch darum, die Zivilcourage zu fördern. „Wir brauchen alle, um zu erreichen, dass Freiburg gewaltfrei ist“, sagte Sabine Burkhardt, die bei der Stadt Freiburg die Umsetzung der Istanbul-Konvention koordiniert. „Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen. Sie zeigt sich in vielen Formen – im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im Internet“, sagt Simone Thomas und verweist zudem auf aktuelle Fälle, wie jene von Gisèle Pelicot oder Collien Fernandes. Noch immer seien die Dunkelziffern viel zu hoch. Hier wolle die Stadt Freiburg mit ihren Partnern anknüpfen und für mehr Aufmerksamkeit sorgen.
Info: Weitere Informationen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention durch die Stadt Freiburg gibt es hier.


Von links: Birgit Bindnagel (Mekriba Stiftung), OB Martin Horn, Frauenbeauftragte Simone Thomas und Sabine Burkhardt präsentieren die Motive der städtischen Kampagne. Foto: Joers