„jos fritz“: Kultur in Buchform

Die Freiburger Buchhandlung wurde aktuell mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet

Die Geschichte der Buchhandlung „jos fritz“ in der Wilhelmstraße 15 ist eine der Widerstände und des Andersseins, der Freiheit und der Gegenöffentlichkeit – und der Liebe zum  geschriebenen Wort.
Namensgeber Jos Fritz war ein Revolutionär, einer der  Anführer des Bauernaufstandes  im 16. Jahrhundert und zugleich war er Freiburger mit Leib und Seele. Als Mitte der 70er erneut Freiburger vehement für  etwas eintraten, an das sie glaubten, nämlich den Bau des Kernkraftwerks in Whyl zu verhindern, schlug 1975 die Geburtsstunde der nach ihm benannten „jos fritz“ Buchhandlung. Weg vom Mainstream, deutlich links und mit einem Hang zu einem vielfältigen und durchaus auch kontroversen sowie undogmatischen Sortiment bezüglich politischer und philosophischer Themen. Auch damals schon war das „jos fritz“ weit mehr als „nur“ eine Buchhandlung, es war Treffpunkt und Ort der Kommunikation und Diskussion. Regelmäßige Veranstaltungen wie Lesungen und Diskussionen machen aus abstrakten Worten gemeinsam Erlebtes. Das ist es auch heute noch, mehr als 40 Jahre später, geblieben.
Und dafür wurde das „jos fritz“ gerade erst mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Die Auszeichnung sorgt für freudige Gesichter bei dem elfköpfigen Team,  dem viele bereits seit  Jahrzehnten angehören. So wie
Heidemarie Schlenk, die selbst schon mehr als ein Vierteljahrhundert quasi zum „Inventar“ der Buchhandlung gehört. Was das „jos fritz“ in ihren Augen so besonders macht? Ganz klar die „kleine aber feine Auswahl an Sachbüchern und Romanen“. Ausgesucht werden beispielsweise inhaltlich und sprachlich anspruchsvolle Romane zeitgenössischer Autoren aus der ganzen Welt, aber natürlich gehören auch Klassiker zum Sortiment. Im „jos fritz“ bekommen auch Kleinverlage weit abseits vom Mainstream ihre Chance. Dabei entscheiden die Teammitglieder gleichberechtigt und gemeinsam, jeder bringt zudem seine persönlichen Vorlieben ein. „Das empfinde ich als bereichernd“, unterstreicht Schlenk. Auch wenn die Belletristik inzwischen die Sachbücher überholt hat, haben letztere weiterhin einen hohen Stellenwert. „Es besteht immer noch ein großes Interesse an politischen Themen, gerade auch in einer Studentenstadt wie Freiburg, wobei unsere Kundschaft  aus allen Alterklassen  besteht“, so Schlenk.
Während sich manche Dinge im „jos fritz“ also nie ändern, geht das Team trotzdem mit der Zeit. Denn die Digitalisierung macht auch vor solch altehrwürdigen Institutionen nicht Halt. Erst vor kurzem hat man die Website aktualisiert und natürlich können Bücher auch online bestellt oder als E-Books erworben werden.
Doch Fakt ist auch: Nur vom Ladenverkauf könnte das „jos fritz“ in seiner heutigen Form nicht überleben, vor allem der Schulbuchverkauf und die Lieferung von Fachbüchern an die unterschiedlichen Fakultäten tragen als weitere Standbeine zum Fortbestehen bei.  Zudem ist das Sortiment  immer aufs Neue ein Spiegel seiner  Zeit: „Aktuell sind bei uns kritische Sachbücher über Rechtspopulismus und die AfD hoch im Kurs“, verrät Schlenk. Auch Themen wie Kapitalismuskritik und alternative Wirtschaftsformen sowie soziale Gerechtigkeit werden häufiger nachgefragt, ebenso wie Bücher zu Europa und der EU. Feminismus, Migration, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Genug Stoff für die nächsten 40 Jahre.  Claudia Kleinhans

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