„Es knallt und rummst im Karton“

Interview mit dem Freiburger Architekten des Smart Green Towers, der am Alten Güterbahnhof in die Höhe wächst

In China entwirft er gerade eine 80 Hektar große Passivhaussiedlung – unter anderem. Doch der Smart Green Tower, den Wolfgang Frey mit Siemens und dem Fraunhofer-ISE am Alten Güterbahnhof baut, toppt alle Projekte des Freiburger Architekten. Matthias Joers sprach mit ihm über das Gebäude.

Herr Frey, wie ist der Baufortschritt beim Smart Green Tower?

Wolfgang Frey: Super. Mein einziges Problem ist, dass die Firma Züblin, die mit 60 Leuten auf der Baustelle arbeitet, so schnell und so gut ist, dass wir hier kaum hinterherkommen. Ich habe selten so eine gute Baustelle gesehen. Es ist eine Freude.

Für so eine komplexen Baustelle ist das doch ungewöhnlich?

Frey: Ja. Und wir Planer müssen uns total anstrengen, um die Baufirma mit den Plänen zu versorgen. Wir mussten unterirdisch schon Anpassungen machen, weil wir zusätzlichen Platzbedarf haben – etwa für die Grauwassernutzung. Das ist das Wasser, mit dem Sie sich die Hände oder einen Salat waschen. Wir sammeln es separat im Keller und filtern es. So bekommen wir hygienisches Wasser, das wir für die Klospülung ein zweites Mal nutzen.

Wurden solche Systeme dem Projekt erst nachträglich hinzugefügt?

Frey: Um ehrlich zu sein, ist der Smart Green Tower wie eine Silvester-Wundertüte. Er zieht die Innovationen regelrecht an – es knallt und rummst in dem Karton und zieht ständig jemand Neues an. Seit letzter Woche erst sind wir im Gespräch mit Professor Ralf Reski von der Uni Freiburg. Er ist so etwas wie der Moos-Papst in Deutschland. Mit ihm diskutieren wir darüber, die Wände an der Nordseite mit Moos zu bepflanzen. Moos filtert Feinststäube aus der Luft, unter Bildung von Sauerstoff und Mineralstoffen. Dabei ensteht Torf. Wenn Sie das 10.000 Jahre an der Fassade lassen, wird daraus am Ende Braunkohle.

Der Clou des Gebäudes ist aber der Batteriespeicher im Keller.

Frey: Das muss man wirklich singulär herausheben. Der Smart Green Tower produziert im Ein-Megawatt-Bereich Strom, der aber nicht dumm ins Netz fließt, wie andere Solaranlagen, die Strom einspeisen. Er wird bei uns grundsätzlich gespeichert – wie in einer containergroßen Badewanne. Wenn mittags um zwölf Uhr alle zuhause ihren Backofen anschmeißen, erzeugt das auf einmal eine Riesenspannung. Das ist ein Energiepeak, den die Stadtwerke mit ihren Kraftwerken vorhalten müssen, damit das Netz im Fall der Fälle nicht in die Knie geht. Das Besondere bei uns ist: Wir können diese Spitze des Energiebedarfs ausschließlich mit unserer Batterie vor Ort versorgen.

Wann wird der Tower fertig sein?

Frey: Eigentlich sollte der Rohbau erst Ende 2018 fertig sein, jetzt sieht es aber schon nach Sommer aus. Wenn also alles gut geht, sind wir im Frühjahr 2019 komplett fertig.

Und dort werden dann Menschen für viel Geld einziehen?

Frey: Nicht nur. Das macht unsere Projekte so besonders. Um es klar zu sagen: Ja, wir haben Penthousewohnungen, die hochpreisig sind. Wir haben allerdings auch das Zweizimmer-Apartment für die alleinerziehende Mutter und ebenso die Rollstuhl-Fahrer-WG. Und solche Wohnungen müssen bezahlbar sein. Wenn wir es nicht schaffen, diese Menschen mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen, haben wir als Gesellschaft ein Gesamtproblem. Von daher bieten wir Wohnungen für Menschen unterschiedlichen Hintergrunds, Einkommens und Lebenssituationen.

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