42 Kilometer - und acht Geschichten

Wer wurde Deutscher Meister, wer gewann den Marathon, wer machte Tempo – und wieviele Bürgermeister liefen überhaupt mit? Unser Rückblick auf den 16. Freiburg-Marathon

Der 16. Freiburg-Marathon wurde zwar zu einer Wasserschlacht – dafür aber zu einer überaus erfolgreichen. Nach dem Hitzelauf im Vorjahr, herrschen in diesem Jahr ideale Laufbedingungen bei leichtem Regen und moderaten Temperaturen. Rund 12.000 Läufer nehmen teil. Lesen Sie hier acht Geschichten rund um den diesjährigen Freiburg Marathon:

1. Tränen bei der Siegerin
Miriam Dattke kann ihre Freudentränen nicht zurückhalten. „Es ist mein erster Titel bei den Frauen. Bisher hat es nie für ganz vorne gereicht, deshalb freut es mich sehr“, sagt die 20-Jährige von der LG Regensburg. Im Ziel wird die Deutsche Vizemeisterin ausgiebig von ihren Teamkollegen geherzt. 1:11:56 Stunden lautet ihre Zeit. „Ich konnte es gar nicht glauben, als ich das gesehen habe“, sagt Dattke – und schon kullern wieder die Tränchen über das Gesicht der Deutschen Meisterin.

2. Doll happy
Auch die Breitnauerin Stefanie Doll (SV Kirchzarten) ist überglücklich über ihren dritten Platz bei der Halbmarathon-DM. „Ich bin echt happy, dass es zu Bronze gereicht hat“, sagt die Berglaufspezialistin. Die Schwester des deutschen Biathleten Benedikt Doll hatte zu Jahresbeginn wegen einer Leistenverletzung kürzer treten müssen. „Deshalb hätte es nicht besser für mich laufen können“, sagt sie und strahlt.

3. Sportliche Bürgermeister
Welche Stadt hat so sportliche Bürgermeister? Gleich drei Freiburger Rathauschefs laufen mit: Martin Haag (Halbmarathon / 1:51 Stunden), Sportbürgermeister Stefan Breiter (Halbmarathon / 2:07 Stunden) und Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (10-Kilometer-Lauf / 1:03 Stunden) wagen sich auf die Strecke. Und im Ziel kündigt von Kirchbach an: „Im nächsten Jahr machen wir eine Bürgermeister-Staffel“ – dann, so sagt er dem Wochenbericht, müsse auch Oberbürgermeister Martin Horn mitlaufen.

4. Horn bei den Minis
Zwar läuft Martin Horn selbst nicht mit, doch der Oberbürgermeister ist an beiden Tagen mit seiner Familie – Horn ist zweifacher Vater – vor Ort. „Freiburg ist eine Sportstadt“, sagt Horn. Am Sonntag gibt er den Startschuss, und am Samstag schickt er seinen Sohn Thilo beim Füchsle-Mini-Marathon auf die Strecke. Rund 800 Kinder nehmen daran teil, was die Veranstalter ganz schön ins Schwitzen bringt.

5. Freiburger Tempomacher
Gert Lustinetz aus Freiburg ist einer von 23 Teilnehmern in der Alterklasse M70 – aber kein gewöhnlicher Teilnehmer: Als sogenannter „Pacemaker“ (Deutsch für Tempomacher) läuft er im Halbmarathon eine Zielzeit von zwei Stunden, als Orientierung für die Teilnehmer. Macht der Regen dem 70-Jährigen denn nichts aus? „Am Start schon, aber wenn man erstmal läuft, dann geht es“, sagt er. Neben ihm steht Sven Heiko Hennig (51 Jahre), noch ein Pacemaker aus Freiburg, der für die Zielzeit 1:45 Stunden läuft. Der Kranführer von Frenzel Autokran ist schon zum 14. Mal dabei und lobt die Veranstalter: „Es ist viel besser geworden“, sagt Hennig. Wichtig sei vor allem, dass viele Sponsoren mit an Bord seien. „Wenn die eines Tages keinen Bock mehr haben, dann ist es vorbei“, sagt Hennig.

6. Entspannte Sanitäter
Entwarnung geben auch die Rettungskräfte: „Ein ruhiger Einsatz 2019“, sagt Gesamteinsatzleiter Matthias Weyand vom Deutschen Roten Kreuz. Nur zwei Läufer mussten ins Krankenhaus gefahren werden. Kein Vergleich zum Hitzemarathon vor einem Jahr, als ein junger Läufer kollabierte und verstarb. Knapp 240 ehrenamtliche Helfer, dazu mehrere Notärzte, waren dieses Jahr im Einsatz. 123 Einsätze zählte das DRK, vor allem wegen Erschöpfung und Blasen an den Füßen.

7. Ein schneller Arzt
Nils Schallner lebt mit seiner Familie in Freiburg-Ebnet. Wenn er gerade nicht als Anästhesist an der Freiburger Uniklinik arbeitet, schnürt er die Laufschuhe – und ist schnell unterwegs. Über die 42 Kilometer muss er sich am Sonntag nur dem Franzosen Romaric Communod geschlagen geben. „Ein kleiner Wermutstropfen, dass ich nicht gewonnen habe. Aber ich freue mich trotzdem“, sagt er. Seine Zeit – 2:30:12 Stunden – sei für ihn sehr gut. In Ebnet wurde der Sieger von 2011 auch von seiner Frau und den drei Kindern angefeuert: „Da wusste ich, die zweite Runde muss ich auch noch laufen – sonst gibt’s daheim Ärger“, sagt er und lacht.

8. Zufriedene Veranstalter
Daniel Strowitzki macht einen zufriedenen Eindruck am Sonntag. „Besonders freuen wir uns über die positive Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, sagt der Messechef. Zum zweiten hatte die städtische FWTM gemeinsam mit dem Badischen Leichtathletik-Verband BLV das Laufevent organisiert. „Ein großes Dankeschön geht an die freiwilligen Helfer“, ohne die Veranstaltung undenkbar sei, sagt Strowitzki. Auch BLV-Präsident Philipp Krämer zeigt sich zufrieden – „durchweg positiv“ sei der Lauf gewesen. Vor allem die Halbmarathon-DM nach Freiburg zu holen, sei für ihn ein Highlight gewesen. „Wir hatten die Spitze der deutschen Läufergarde zu Gast“, sagt er. Krämer will nicht ausschließen, dass 2020 noch mehr Teilnehmer drin sind. „Vielleicht ist noch eine kleine Steigerung drin...“

Matthias Joers

Zurück