Warum zeigt Donald Duck Zähne?

Der 42. Kongress der Donaldisten in Freiburg sorgte für viel Gesprächsstoff rund um die beliebte Comicente

D.O.N.A.L.D. – die Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus – ist ein Verein für Menschen, die der Comicwelt rund um Donald Duck wissenschaftliche Substanz verleihen. Am Wochenende hielten sie ihren jährlichen Kongress erstmals in Freiburg ab. Und ja: Die sogenannten Donaldisten meinen das absolut ernst.„Klatsch, klatsch, klatsch“, schallt es durch den großen Hörsaal 1010 des Kollegiengebäudes I der Uni Freiburg – und zwar wortwörtlich. Wenn die Donaldisten den Vortrag eines Gesinnungsgenossen beklatschen, so halten sie sich eng an die Comicvorlagen um die beliebten Bewohner Entenhausens. Und da steht, wenn jemand applaudiert, nun einmal „klatsch, klatsch, klatsch“. Es ist längst nicht das kurioseste, was beim 42. Jahreskongress der Donaldisten passiert. Zahlreiche Männer, wenige Frauen, die meisten schon etwas älteren Semesters, besetzen den Hörsaal bis in die hinterste Bank. Wissenschaftler, Beamte, Juristen, Philosophen: sie alle eint die Faszination für das Universum (sie nennen es Anaversum, vom lateinischen anas für Ente) rund um die Familie Duck im beschaulichen Entenhausen, das übrigens in der realen Welt in Oberfranken liegt und Schwarzenbach an der Saale heißt. Dort lebte und arbeitete Sprachwissenschaftlerin Erika Fuchs, die die Comics rund um Donald Duck, Onkel Dagobert und Daniel Düsentrieb ins Deutsche übersetzte und dabei eine ganz eigene Welt schaffte – sprachlich und empirisch. Nur die Werke von Fuchs gelten für Donaldisten als wahre Entenhausen-Lektüre, auf der ihre Forschung fußt.
Auf dem Kongress in Freiburg kommen Donaldisten zu Wort, die Theorien austauschen, wo Entenhausen tatsächlich liegt. Andere Arbeiten beschäftigen sich mit dem Periodensystem der Elemente im Anaversum und dessen Vereinbarkeit mit anderen Universen mittels Quantenphysik und Stringtheorie – oder auch, warum ein wütender Donald Duck Zähne zeigt, obwohl Schnäbel doch eigentlich zahnlos sind.
Donaldist seit 1984 ist Tom Plum aus Köln. Er erklärt: „Ein Donaldist würde niemals den Nachnamen Duck wie das englische Wort für Ente aussprechen. Es heißt Duck, mit ,u’, wie man es schreibt.“ Die Vorträge werden im Hörsaal kontrovers diskutiert. „Nicht jeder geht mit den Thesen konform. Diese gilt es dann wissenschaftlich zu widerlegen.“
Moderiert wird die Veranstaltung vom Mannheimer Geologen und Ehrenpräsidenten der Donaldisten, Patrick Martin. Der Verein zähle bundesweit rund 1.000 Mitglieder. „Aber sie kommen auch aus Österreich, der Schweiz oder Frankreich.“, so Martin. „Die Bezeichnung Deutsch bezieht sich eher auf den Ort der Gründung im Jahre 1977. Das war in Hamburg.“

Benjamin Resetz

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