Ärger über geplante Windräder

Zwei gigantische Anlagen an der Nordflanke des Schauinslands sollen 7.000 Haushalte mit Strom versorgen

Der Streit um die Windkraft sorgt in Freiburg für Wirbel: Von den geplanten drei Windkraftanlagen am Taubenkopf an der Schauinsland-Nordflanke, über dem Kappler Tal, sind zwar nur noch zwei geplant – diese wären aber auch die höchsten ihrer Art, die es rund um Freiburg gibt. Die Anwohner wollen das nicht hinnehmen. Der Betreiber hingegen sieht keinerlei Probleme.Es gibt Streit um ein Riesenprojekt, denn die Windräder sollen rund 250 Meter hoch in den südbadischen Himmel ragen und das in einem landschaftlich bislang weitgehend unverbauten Tal. „Wir haben wenig Wind, aber viel Sonne“, stellt die Bürgerinitiative „Unser Schauinsland“ ihre grundsätzlichen Überlegungen vor. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Anwohnern des Kappeler Tals sowie der Gemeinde Horben, den Hauptbetroffenen dieses Projekts.
Die Gründe, die gegen die beiden Windräder sprechen, sind aus Anwohnersicht vielfältig: So sei der Abstand zur Wohnbebauung mit 480 Metern viel zu gering. Dadurch würden Lärm und Infraschall die Gesundheit der Anlieger „aufs Spiel setzen“. „Wir Bürger möchten nicht ungefragte Teilnehmer am Experiment Infraschall mit ungewissem Ausgang sein“, erklärt Swen Maas vom Verein „Unser Schauinsland“.
Zu gering sei auch der Abstand zum Naturschutzgebiet sowie dem europäischen Vogelschutzgebiet, monieren die Gegner. Immerhin sei der Südschwarzwald ein anerkanntes UNESCO-Biosphärenreservat. Brisant könnte es der Bürgerinitiative zufolge im Falle eines Brandes werden: „Es ist kein Löschwasser vorhanden, um einen Waldbrand zu verhindern“, warnen die Aktivisten. Im Winter bestehe für Anwohner und Wanderer Gefahr für Leib und Leben durch Eisabwurf von den Rotoren. Ob die Anlagen überhaupt wirtschaftlich betrieben werden könne, sei bei der geringen Windhöffigkeit an der Nordflanke des Schauinslands mehr als fraglich. Schließlich würde auch der Wertverlust der umliegenden Immobilien kommentarlos in Kauf genommen. Eine Entschädigung durch den Investor sei nicht vorgesehen.
Über die Windstärken macht sich Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostromgruppe, dem Betreiber der Anlagen keine Sorgen. Die eigenen Messungen hätten die Annahmen im Vorfeld bestätigt. „Kein Mensch würde zehn Millionen Euro investieren, wenn das nicht so wäre“, betont er. Die Messungen der Gegner stammten von einer Station, „die im Windschatten des Schauinsland liegt“. Die modernen Anlagen brächten auch „sehr viel mehr Ertrag als die früheren“. Das Gelände sei von der Stadt ausgesucht worden und aufgrund der Lage im Landschaftsschutzgebiet auch noch vom Regierungspräsidium geprüft worden. Sämtliche Emissionsvorschriften wie Lärm, Infraschall oder Schattenwurf würden bei den beiden Windrädern nicht nur eingehalten, sondern deutlich unterschritten. Dass die Lärmvorschriften eingehalten werden können, bezweifelt „Unser Schauinsland“. Die Immissionsgutachten bezögen sich auf ein flaches Relief. Gerade bei einer so steilen und komplexen Lage wie im Kapplertal, könne dies nicht berechnet werden. Rückhalt bekommt der Betreiber indes von einigen Bürgern, die darauf verweisen, wie wichtig alternative Energiequellen im Kampf gegen den Klimawandel seien. Bei dem Projekt geht es um Strom für rund 7.000 Haushalte.


Vogelschutz prüfen
Eine zwiespältige Meinung vertritt der BUND Regionalverband südlicher Oberrhein. Geschäftsführer Axel Mayer zeigt sich überzeugt, dass die Folgen des Klimawandels nur durch erneuerbare Energien eingedämmt werden könnten. „Der Ausstieg aus der gefährlichen Atom- und der schmutzigen Kohlekraft ist unabdingbar.“ Bei Windkraft sei auch der Vogelschutz „unabdingbar zu prüfen“. Man müsse aber auch die tatsächlichen Relationen beachten. „An Windräder sterben jährlich etwa 100.000 Vögel, an Glasscheiben allerdings 18 Millionen.“

Windkraftanlagen farblich tarnen?

Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt aber auch mögliche Lösungen auf. „Unnötig und dumm“, findet Mayer das „nervöse Blinken der Windräder bei Nacht. Diese Vorschriften schienen „aus der Steinzeit der Fliegerei“ zu stammen, so Mayer. „Wenn die umgebende Bergkette 200 Meter höher wäre, käme auch niemand auf die Idee, eine Lichterkette aufzuhängen“. Notwendig wäre nach Mayers Auffassung auch die Einbeziehung von ganz speziellen Fachleuten. „Bei jeder Armee der Welt gibt es Spezialisten, deren Aufgabe es ist, Gebäude in der Landschaft zu verstecken und zu tarnen.“ So seien die Windkraftwerke durch Farbe und Gestaltung so zu konstruieren, dass sie in einiger Entfernung nicht mehr auffallen würden.
Wie geht es nun weiter? Die Baugenehmigung für die beiden Großanlagen hängt vom Genehmigungsverfahren des städtischen Umweltschutzamts ab. Der Betreiber hat angekündigt, die Unterlagen noch im Frühjahr einzureichen. Für die Genehmigung beraumt die Stadt rund sechs Monate an. Das hieße: Im vierten Quartal könnte frühestens die Baugenehmigung erfolgen.
Die Bürgerinitiative will für alles, auch für einen Rechtsstreit, gerüstet sein und sammelt bereits Geld. „Wir als betroffene Bürger sind sehr interessiert daran, dass die Windkraftanlagen nicht gebaut werden“, betont Alexander Morgenstern, der Vorsitzende. Kritik übt der Verein auch an der Stadt Freiburg, die in Zukunft „fünfstellige Pachteinnahmen“ für das Gelände einnehmen könnte, gleichzeitig aber Genehmigungsbehörde sei.

Jens Brodacz/Sven Meyer
 

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