Freiburger Tänzer stehen Kopf

Wie die Crews „Director’s Cut“ und „Zementas“ das größte Breakdance-Event in Südbaden veranstalten

Breakdance – der akrobatische Straßentanz – hat zahlreiche Anhänger in der gesamten Republik. Auch in Freiburg. Die Förderung des populären Tanzstils lässt in der Region jedoch zu wünschen übrig. Um dies zu ändern hat die Freiburger Breakdance-Crew „Zementas“ nun den bislang größten internationalen Wettkampf auf die Beine gestellt, den der Breisgau bisher gesehen hat. Und das soll erst der Anfang sein.Wenn sie im großen Veranstaltungsraum im Jugendhilfswerk in der Wiehre trainieren, dann lassen sie es ordentlich krachen. Sixstep, Windmill, Headspin, Freeze – akrobatisch geht es zu im spektakulärsten aller Straßentänze, der in Freiburg jedoch ein Nischendasein fristet. Und das, obwohl die aktuell beste deutsche Breakdance-Gruppe aus Freiburg kommt. Die achtköpfige Crew „Director’s Cut“ hat im Juni vergangenen Jahres die erste deutsche Breakdance-Liga gewonnen und ist damit amtierender Deutscher Meister. Nun werden die aktiven Tänzer auch organisatorisch tätig und veranstalten den bisher größten Breakdance-Wettbewerb in Freiburg, die „Sensei Sessions“ am 13. und 14. April.
„Während die Breakdance-Kultur in anderen Städten und anderen europäischen Ländern extrem populär ist und aus öffentlicher Hand gefördert wird, geht in Freiburg leider überhaupt nichts in dieser Richtung“, stellt die 23-jährige Naomi Karfig klar. Sie und ihre Zwillingsschwester Joelle tanzen seit knapp neun Jahren und nehmen inzwischen an Shows und Wettbewerben innerhalb und außerhalb Deutschlands teil. Als feste Mitglieder der Crews „Director’s Cut“ und „Zementas“ tanzten sie schon auf einschlägigen Internationalen Veranstaltungen. Auch auf dem ZMF performen sie jeden Sommer diverse Shows. „Besonders deutlich wurde das Förderungsdefizit für uns, wenn wir zum Beispiel an Battles in Frankreich teilgenommen haben. Der Support dort ist der Wahnsinn“, sagt Naomi. Vereine würden bezuschusst, junge Menschen an den kreativen Tanzstil herangeführt. „Wenn hierzulande zumindest ein kleines Bisschen getan würde, wäre das schon ein enormer Fortschritt“, bestätigt auch Astrit Berisha. Der 29-jährige VWL-Student ist seit 16 Jahren aktiver Breakdancer – und ganz nebenbei Vorstand im frisch gegründeten „Verein der urbanen Künste“.
Erfolgreiche Tänzer und Tanzlehrer sind alle Mitglieder der Gruppe. Zu ihnen gehört auch der 24-jährige Somphong Phommahavong. In Freiburg aufgewachsen, kam er mit elf Jahren zum Breakdance. „Mit einem Kumpel bei einem Workshop“, wie er sich erinnert. „Schnell wurde ich ehrgeiziger.“ 2016 dann der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere: Mit der Crew „Battle Toys“ gewann Somphong das prestigeträchtige „Battle of the year“, der größte Breakdance-Wettkampf in Deutschland und so etwas wie die Weltmeisterschaft der Straßentänzer.
„Als Privatveranstalter war es schwierig Fördermittel zu bekommen“, erklärt Astrit Berisha. „Als Verein ist dieser Wettbewerb unser Startschuss – und wir sind damit auch ein gewisses Risiko eingegangen.“ Die Kosten für Technik, Helfer, Jury, DJs oder einen Moderator – das alles trugen die Crewmitglieder selbst. Knapp über 5.000 Euro haben sie aus eigener Tasche finanziert. Inzwischen sind auch ein Sponsor und das Haus der Jugend in der Wiehre als Kooperationspartner eingesprungen. „Wir wollen den Tänzern und dem Publikum möglichst viel bieten. Da war klar: Zur Not zahlen wir eben drauf.“ Naomi nickt zustimmend. Seit einem halben Jahr arbeitet die „Zementas Crew“ auf ihr erstes großes Event von internationaler Reichweite hin.
Ausgetragen wird der Wettbewerb als sogenanntes Battle. Nach einer offenen Qualifikationsrunde geht es im Modus Eins-gegen-eins, beziehungsweise Zwei-gegen-zwei weiter. Das Gesamtpreisgeld beläuft sich auf 600 Euro.

Benjamin Resetz

Sensei-Session Urban-Dance Festival am 13. und 14. April in den Räumen des Jugendhilfswerks, Uhlandstraße 2. Infos unter www.allez-hop.de/sensei-session. Anmeldungen vor Ort. 

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