Gärtnern für die Bienen

Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen ist in Freiburg groß

Kaum wird es wärmer, ist es für Hobbygärtner wieder Zeit, Balkon oder Garten zu verschönern. Dieses Jahr liegen vor allem bienen- und insektenfreundliche Pflanzen im Trend. Immer mehr Freiburger lassen sich außerdem beraten, wie sie ihren Garten optimal für Biene & Co. gestalten können. „Die Nachfrage ist extrem gestiegen, bei den Leuten zeigt sich ein Umdenken“, sagt Ute Unteregger von der Ökostation. In der Freiburger Ökostation gibt es jeden Donnerstag eine Gartenberatung, „hier ist die insektenfreundliche Gestaltung ein großes Thema. Die Leute legen mehr Wert darauf“, so Unteregger.
Eine neue Untersuchung, für die 73 Studien zum Insektensterben ausgewertet wurden, zeigt: 40 Prozent der Insektenarten gehen weltweit zurück, ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet sind Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler, zu denen auch die Bienen zählen. Einen Bewusstseinswandel bei den Hobbygärtnern sieht auch Axel Mayer vom BUND. „Das große globale und regionale Insekten- und Artensterben ist jetzt vielen Menschen tatsächlich bewusst. Das bayrische Volksbegehren hat das Thema Insektensterben in die Köpfe der Menschen gebracht.“ Fast 1,8 Millionen Menschen haben das Volksbegehren zum Schutz der Artenvielfalt unterschrieben.
Ein solches Volksbegehren plant das Institut für ökologische Bienenhaltung „Pro Biene“ auch in Baden-Württemberg. Ziele sind dabei zum Beispiel die Pestizide in der Landwirtschaft bis 2025 zu halbieren und den Anteil des Ökoanbaus bis 2035 auf 50 Prozent zu erhöhen. Jedoch: „Einige Forderungen des Entscheides sind in Baden-Württemberg schon umgesetzt, ein Volksbegehren bei uns müsste von den großen Naturschutzverbänden durchgesetzt werden. Langfristig wichtiger ist aber eine Ökologisierung in der Landwirtschaft, die nicht gegen, sondern mit den Landwirten umgesetzt werden sollte“, betont Axel Mayer.
Wer in seinem Garten Nahrung für Biene & Co. bieten will, sollte vor allem darauf achten, dass es „heimische Samenmischungen mit Klatschmohn, Kornblume, Margerite, Färberkamille sind. Für einen eher mediterranen Garten eignen sich aber auch Feld-Thymian oder Muskatellersalbei“, sagt Ute Unteregger.
Für Axel Mayer sind blühende Gärten mit einheimischen Pflanzen, vielfältigen Stauden und Insektenhotels „ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Schottergärten sind nicht nur für Insekten Gärten des Grauens. Doch noch wichtiger ist es, die Hauptursachen anzugehen.“
Dies sei die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften, Überdüngung und die monotone Agrar-Landschaft, die Fernwirkung der Agrargifte mache auch vor dem schönsten Naturgarten nicht Halt. Aber auch hier sollte man „auf jegliche Art von chemischen Hilfsmitteln wie Unkrautvernichter verzichten“.

Deutlich mehr Geld für den Artenschutz
Bei der Ökostation kann man sich nicht nur über die Gestaltung des eigenen Gartens beraten lassen, sondern es gibt auch Veranstaltungen rund um das Insekt des Jahres, die „Mauerbiene“ oder das Projekt „Freiburg blüht auf“. In Zusammenarbeit mit dem Garten- und Tiefbauamt werden hier Baumscheiben in der Stadt als Biotope für Insekten bepflanzt.
Auch von städtischer Seite gibt es zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt. Beispielsweise der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden auf öffentlichen Grün- und Parkanlagen, außerdem werden am Häufigsten Bäume wie Linde, Ahorn, Kastanie und Kirsche in Freiburg gepflanzt, die für Bienen und Insekten im Frühjahr besonders wichtig sind, heißt es seitens der Stadt. Desweiteren wurde ein Drittel der ehemaligen Rasenflächen zu artenreichen Wiesen – und das Garten- und Tiefbauamt hat zahlreiche Blühstreifen an Straßen mit Saatgutmischungen angelegt. Das Umweltamt fördert auch artenreiche Wiesen und Weiden in den Freiburger Schwarzwaldtälern (Kappel, Ebnet und Schauinsland).
Außerdem sollen die Fördermittel für den Kampf gegen das Artensterben im städtischen Haushalt von 50.000 auf 200.000 Euro pro Jahr vervierfacht werden. Dem stimmt der Gemeinderat voraussichtlich am 9. April zu, wenn der Doppelhaushalt 2019/2020 verabschiedet wird. 

Saskia Schuh

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