„Nicht aus dem Bauch fasten“

Ernährungswissenschaftler Daniel König von der Uni Freiburg glaubt, dass Fasten dem Wohlbefinden dienen kann

Die fünfte Jahreszeit ist vorbei und Magen und Leber flehen um Gnade. Nur gut, dass die Fastenzeit beginnt. Raus mit allem, was den Körper belastet, lautet die Devise. Aber ist das Fasten überhaupt noch zeitgemäß? Daniel König, Ernährungswissenschaflter der Uni Freiburg, gibt im Interview mit Benjamin Resetz Antworten.

FWB: Herr König, heute beginnt die Fastenzeit. Welchen Sinn hat das Fasten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht?

Daniel König: Zunächst einmal müssen wir abgrenzen zwischen der gerade anbrechenden Fastenzeit als spirituelle Vorbereitung für das Osterfest – wenn Leute ganz bewusst auf Fleisch oder andere Genussmittel verzichten – und der klassischen Fastenkur. Das christliche Fasten kann sicherlich kurzzeitig zu Gewichtsverlust führen, aber eine Fastenkur im eigentlichen Sinne ist das nicht. Bei der Frage, ob das Fasten Sinn macht, würde ich das auf die klassische Kur beziehen, die bei längerer Dauer auch stationär stattfinden sollte. Diese Kuren haben im wesentlichen zwei Effekte: Erstens nimmt man weniger Kalorien zu sich und kurbelt die Fettverbrennung an. Zweitens kann das Weglassen bestimmter Inhaltsstoffe tatsächlich dem Wohlbefinden dienen. Langfristig kann man das Fasten auch als Initialzündung nehmen, die eigene Ernährung umzustellen.

Bis zu welchem Punkt kann man in unbedenklicher Weise fasten?

König: Sieben bis zehn Tage sind im ambulanten Setting problemlos möglich. Wenn man älter ist oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen bekannt sind, beispielsweise Gicht, so sollte man vorher mit einem Arzt sprechen. Besonders sollte man sich im Vorfeld informieren und nicht aus dem Bauch heraus anfangen zu fasten.

Was kann ich tun, wenn ich negative Auswirkungen spüre?

König: Natürlich ist es eine Umstellung des Stoffwechsels: Es kommt zu verstärkter Fettverbrennung und häufig zur Bildung von Ketonkörpern. Das spürt unser Organismus, sodass er sich anfangs schlapp fühlen kann. Unser Gehirn und unsere Muskeln lieben Kohlenhydrate. Wenn die Reserven aufgebraucht sind kann es passieren, dass wir uns schlecht fühlen. Das geht aber meist nach ein paar Tagen vorbei. Viele Menschen empfinden es sogar als angenehm, wenn der Organismus dieses Tal durchschritten hat.

Ein derzeit häufig verwendeter Begriff ist das Intervallfasten. Was ist das und was halten Sie davon?

König: Im Moment ist das sehr en vogue und funktioniert auch meist recht gut zum Abnehmen. Intervallfasten heißt, dass man nur zu bestimmten Zeiten etwas zu sich nimmt und in den übrigen Phasen nüchtern bleibt. So erlaubt man dem Körper, in der sogenannten Postresorptionsphase mal wieder richtig Fett zu verbrennen – das funktioniert gut, wenn man sich an den Plan hält. Fünf, sechs Kilo weniger können da schon drin sein. Auch praktisch ist das gut umsetzbar, sodass man zur Gewichtsreduktion ausprobieren kann, ob es das Richtige für einen ist. Man sollte sich allerdings im Klaren sein, dass auch Intervallfasten nichts bewirkt, wenn man es nicht auf Dauer durchhält.

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