Ring frei für Freiburg

Der Umbau der Innenstadt ist abgeschlossen – und doch schlummert dort noch viel Potenzial

2015 begann der Umbau am Innenstadtrand. Jetzt sind die Arbeiten so gut wie fertig. Die Freiburger Verkehrs-AG feiert das Stadtbild entlang der neuen 1,9 Kilometer langen Stadtbahnlinie als „offen, verkehrsberuhigt und barrierefrei.“ Ab dem 16. März rollen die Bahnen. Das wirkt wie eine Initialzündung. Eine Folge des Umbaus könnte sein, dass der Friedrichring sein Schmuddelimage los wird.„Die westliche Altstadt wird ihr Gesicht komplett verändern“ – Dieter Salomon, damals noch Oberbürgermeister, untertrieb nicht, als er 2015 mit diesen Worten den Startschuss für den „zukunftsweisenden Umbau“ der Innenstadt gab. Jetzt ist die Zukunft da. Und sie ist gut, findet Stefan Huber, der Vorsitzende der Händlergemeinschaft „z´Friburg in der Stadt“: „Ich finde, es ist schön geworden. Es sieht urbaner aus“, sagt Huber.
Am Samstag, 16. März nimmt die neue Straßenbahnlinie den Betrieb auf. Die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) feiert das mit einem großen Fest. „Bei einer wachsenden Stadt ist es gut und notwendig, wenn der ÖPNV ausgebaut wird“, sagt Hanna Böhme, Chefin der für den Handel zuständigen Wirtschaftsgesellschaft FWTM.
Im Einzelhandel ist man vor allem froh darüber, dass die Megabaustelle zwischen Kronenbrücke, Platz der Alten Synagoge, dem neuen Boulevard am Rotteckring und dem repräsentativen Europaplatz endlich ein Ende hat. „Viele Menschen haben nach dem dritten Megastau ja gesagt, ’mir ist das zu blöd, ich fahr’ woanders hin zum einkaufen’“, sagt Huber. „Diese Leute müssen wir erstmal zurückgewinnen und ihnen sagen: Ihr könnt unbesorgt wieder kommen.“


Was bringt die Zukunft?
Besonders der neue Europaplatz am östlichen Ende des Friedrichrings hat es Huber angetan: Granitpflaster aus den Vogesen, Bänke aus Lärchenholz und der spektakuläre VAG-Pavillon, in den ein Burgerrestaurant mit Außenterrasse kommen wird. Der Friedrichring ist enorm aufgewertet. „Man hat schon den einen oder anderen Händler gesehen, der seine Fassade aufgehübscht hat“, sagt Huber.
Heute existiert dort eine kleinteilige Händlerstruktur: Wettbüros, Handyshops, Internetcafés und gleich ein Dutzend Billig-Frisöre prägen das Straßenbild. „Da gab es viel Fluktuation in den letzten Jahren, einfach weil nicht viel los war“, sagt Huber. Wenn aber die Passanten zurückkommen, rechnet er damit, dass „höherwertige Sortimente kommen“. Das glaubt auch FWTM-Chefin Böhme: „Wenn man sich die Entwicklung am Beispiel der Habsburgerstraße anschaut, ist nicht von der Hand zu weisen, wie sich durch die Aufwertung einer Straße auch die Ladenstruktur verändern kann“, sagt sie. Die Bahn kommt, das Schmuddelimage geht? Ob diese Losung eintritt, kann heute noch keiner sicher sagen.
Gänzlich ungewiss ist die Zukunft der historischen Karlskaserne. Die Stadt plant das Gebäude zu verkaufen, um die Erweiterung des Stühlinger-Rathauses finanzieren zu können. Seit Jahren munkelt man, in den Barockbau könnte eine große Shoppingmall ziehen. Noch befindet sich dort das Kinder- und Jugendamt. „Sollte es in Zukunft für andere Zwecke zur Verfügung stehen, wäre im Hinblick auf die Innenstadtentwicklung eine verträgliche Nutzung zur ’Einkaufsmeile’ Kaiser-Joseph-Straße wünschenswert“, sagt Hanna Böhme.

Matthias Joers

Zurück