„Ich habe Spaß an der Kreativität“

Interview mit dem Freiburger Szenefotografen Felix Groteloh: Ein Gespräch über abgelehnte Jobs, 30-Sekunden-Shootings und seine Pläne für das Jahr 2019

Den Spruch „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ findet er abgelutscht – aber, sagt Felix Groteloh (43), wahrscheinlich sei da schon etwas dran. Muss ja, schließlich lebt der Freiburger Fotograf von seinen Bildern. Seit 22 Jahren ist Groteloh selbstständig, erst als Musiker, seit 2014 nur noch als Fotograf: In unserem Interview erzählt der Autodidakt von seiner Arbeit, die ihn zu einem der bekanntesten Fotografen der Stadt werden ließ.

Herr Groteloh, stimmt es, dass Sie beim Fotografieren nicht aufs Kameradisplay, sondern in die Augen ihres Gegenübers blicken?

Felix Groteloh: Ja, das stimmt. Ich finde es immer ganz schlimm, wenn Fotografen – klick – ihr Foto machen, und dann von der Person weggehen und auf ihren Bildschirm starren.

Geht es dabei darum, einen Draht zu den Menschen aufzubauen?

Groteloh: Ja. Der Trick ist mit Menschen ehrlich zu sein. Wenn jemand nicht gut aussieht vor der Kamera, dann sage ich das auch. Wenn zum Beispiel das Sakko einfach nicht passt. Einmal ging das nach hinten los, bei einem größeren Kunden. Denen war ich wohl zu direkt. Aber wenn jemand mit meiner Art nicht klar kommt, kann die Kamera noch so toll sein und ich kann mich auf den Kopf stellen – dann wird das Foto einfach nichts.

Wie beschreiben Sie Ihren Stil?

Groteloh: Ich habe Spaß an Kreativität. Und ich schaue nicht auf die Uhr beim Shooten. Ich hole das Bestmögliche für mich und für die Leute raus. Das ist mein Anspruch. Ich verkaufe den Leuten ja nicht nur das Foto, sondern auch die Zeit. Wenn ich auf einem Event bin, bin ich Teil des Events. Da versuche ich nicht als Dienstleister aufzutreten, sondern versuche zum Beispiel per Du zu sein – egal, ob’s der Putzmann ist oder der Vorstandsvorsitzende.

Sie machen viel Werbefotografie, haben zum Beispiel für den Wochenbericht unsere neuen Werbegesichter Elena und Pascal fotografiert. Und für das Cover der Straßenzeitung „Freiebürger“ haben Sie gerade Oberbürgermeister Martin Horn porträtiert. Wie läuft so ein Shooting ab?

Groteloh: Wie das Bild werden soll, ist alles meine Idee. Also im Fall von Martin Horn: der dunkle Hintergrund, und dass er nicht lachen soll. Licht und Leinwand haben wir kurz vorher aufgebaut. Das Shooting hat nur 30 Sekunden gedauert. Shakehands, das war’s. Für mich ist das natürlich ein Pokern. Ich war mir aber sicher, dass ein Treffer dabei ist. Ich mache das mit einer Mittelformat-Kamera, das sind also sehr große Daten. Hinterher schaue ich mir das auf dem Rechner an.

Sie sind zweifacher Familienvater, verheiratet, machen aber keine Hochzeits- und Babyfotografie. Warum eigentlich nicht?

Groteloh: Das ist einfach nicht mein Ding. Ich denke, es ist auch gut sich zu spezialisieren. Ganz am Anfang habe ich das alles noch angeboten. Aber erst als ich vor fünf Jahren angefangen habe, mich zu spezialisieren und bestimmte Jobs abzulehnen, läuft es viel besser. Heute mache ich zu 99 Prozent Werbung.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Groteloh: Gerade laufen so viele Projekte gleichzeitig. Im April bin ich in Nepal für ein Bigband-Shooting. Darauf freue ich mich. Ganz aktuell will ich mein Portfolio sichten und meine Homepage überarbeiten. Und letztes Jahr habe ich viele soziale Projekte gemacht, für Frauenhorizonte, Bikebridge, Bildung für alle und ÜberdenTellerrand-Kochen. So etwas würde ich gerne wieder machen.Interview: Matthias JoersMehr über Felix Groteloh auf www.felixgroteloh.com und auf Facebook unter felixgrotelohfotografie

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