Ein Youngster in der Not

SC-Talent Keven Schlotterbeck: Wer ist der 21-Jährige, der den nächsten Langzeitverletzten beim SC vertreten soll?

Jetzt auch noch Manuel Gulde: Nach Nicolas Höfler und Rolland Sallai hat sich beim SC Freiburg wieder ein Spieler eine langwierige Verletzung zugezogen. Der Muskelfaserriss des 27-Jährigen zwingt den SC, mit Keven Schlotterbeck einen bundesligaunerfahrenen Nachwuchsspieler einzusetzen. Für seine ersten Spielminuten in Stuttgart erntete der 21-Jährige aber viel Lob.Schon wieder muss SC-Trainer Christian Streich seine Planungen für die Rückrunde überdenken. Schon im kommenden Heimspiel gegen Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) wird Streich eine veränderte Abwehr aufs Feld schicken müssen. Grund ist der Muskelfaserriss im Oberschenkel von Manuel Gulde, den dieser sich beim 2:2 in Stuttgart einfing. „Es hat ihm voll hinten reingestochen“, berichtete Streich von der Szene kurz vor der Halbzeitpause. Er wird laut Vereinsangaben für „mehrere Wochen“ ausfallen.


Sein Onkel spielte beim SC
Bei Streich sitzt der Ärger über die erneute Verletzung eines Leistungsträgers tief. Dass sein Team „schon wieder“ einen Ausfall zu beklagen habe, „tut uns brutal weh“, sagt Streich. Nach wie vor fallen Nicolas Höfler und Rolland Sallai aus, zuletzt fehlten Mike Frantz und Amir Abrashi. Gegen Wolfsburg – Sechster der Liga – dürfte daher erneut Keven Schlotterbeck eine Chance erhalten.
Wer aber ist dieser 21-Jährige, der eine rasante Entwicklung durchmacht? Denn noch vor eineinhalb Jahren spielte er in der Verbandsliga für die TSG Backnang. Er ist der Neffe des früheren SC-Spielers Niels Schlotterbeck und erst seit 2017 im Verein. Wie sein drei Jahre jüngerer Bruder Nico, der ebenfalls im SC-Nachwuchs kickt, kam er zunächst in der Regionalliga-Reserve zum Einsatz. Dort überzeugte er durch seine Ruhe am Ball und seine Torgefährlichkeit bei Standards. Zum Lohn gab’s 2018 den Profivertrag.
Fast hätte Schlotterbeck auch bei seinem Bundesligadebüt ein Tor nach einem Eckball erzielt. Doch seinem Kopfball auf das VfB-Tor fehlte die nötige Wucht. Von Trainer Streich gab’s dennoch Lob für den Auftritt des früheren Backnangers. „Es freut mich, dass er ein wirklich gutes Bundesligaspiel gemacht hat“, sagt Streich. Dass Schlotterbeck als Linksfuß auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kam, hat er einer Idee des Freiburger Trainerteams zu verdanken. Schon beim Testspielsieg gegen den Schweizer Erstligisten FC Sion im November habe man diese Variante ausprobiert: „Wir haben ihn extra da hingestellt, weil er ballsicher ist.“
Wie rau das Klima in der Bundesliga ist, durfte Schlotterbeck aber auch erfahren. Stuttgarts Weltmeister Benjamin Parvard schubste das 84 Kilogramm schwere SC-Talent am Sonntag rüde um. Für SC-Trainer Streich war die Szene ein Mega-Aufreger. Für Schlotterbeck war es vor allem eine wertvolle Erfahrung.

Matthias Joers

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