Feuerwehr wehrt sich gegen Vorwürfe

Wehrversammlung sieht die Freiwillige Feuerwehr zu Unrecht am Pranger und äußert klare Forderungen – Gute Werte bei den Einsätzen

Mit einer klaren Haltung und deutlichen Forderungen in Richtung Stadtverwaltung trat die Führung der Freiwilligen Feuerwehr bei der Wehrversammlung am vergangenen Mittwochabend im Bürgerhaus am Seepark auf.Die Stimmung im Saal war angespannt. Kurz vor der jährlichen Wehrversammlung hatten anonym geäußerte Vorwürfe gegen die Ausbildungspraxis der Freiwilligen Feuerwehr für Unruhe gesorgt. Hintergrund waren drei Brandstifter, die in den Jugendwehren der Stadt ausgebildet worden waren. Bei den zahlreichen gelegten Bränden hatte es Tote und hohe Sachschäden gegeben. Nach Meinung einer Gruppe von Feuerwehrleuten würden die Jugendlichen „heißgemacht, ein Held zu werden“. Im Alltag gehe es bei der Wehr aber eher selten um Brände. Viel häufiger ginge es um technische Hilfsleistungen wie etwa Ölspuren zu beseitigen.
Dass die bisherige Ausbildungspraxis zu „Brandstiftern in Uniform“ führen könnten wies die Feuerwehrführung aber ebenso wie die Stadtverwaltung zurück: „Wir lassen nicht einmal ansatzweise zu, dass Ihre Arbeit diffamiert wird. Medial stelle ich mich nicht nur hinter, sondern auch vor Sie“, formulierte es Finanzbürgermeister Stefan Breiter, zu dessen Dezernat auch die Angelegenheiten der Feuerwehr gehören.
Auch der leitende Branddirektor Hans-Jörg Hohloch ging auf die Vorwürfe ein. Die Führung der Feuerwehr sei jederzeit gesprächsbereit, „anonyme Kommunikation lehne ich aber ab“. Gleichwohl bleibe man nicht untätig. Der Themenkreis Brandstiftung soll demnach Bestandteil einer präventiven Schulung sein, die zeitnah erfolgen werde. Hohloch, der auch von persönlichen Anfeindungen berichtete, will „Gerüchten und Halbwahrheiten keinen weiteren Nährboden mehr bieten“.


Wohnungsnot ein Faktor
„Einen runden Tisch mit sämtlichen Rettungsdiensten, der Verwaltung und der Stadt“, forderte Stadtbrandmeister Reiner Ullmann in seinem Lagebericht. Zwei Dinge hatte Ullmann als dringendste Probleme der Feuerwehr identifiziert. Zum einen verhindere die Wohnungsnot mehr Engagement von jungen Feuerwehrleuten mit Familie im Ehrenamt. „Immer mehr Kräfte wandern ins Umland ab.“ Zum anderen sah Ullmann die Hilfsdienste bei der Stadtplanung zu wenig berücksichtigt. Auch die Anfahrt zu den Sammelplätzen mit Tempo 30 sorge für unnötige Verzögerungen. Hier versprach Bürgermeister Breiter Abhilfe. Wer nachweisen könne, dass er sich auf dem Weg zum Einsatz befand, werde nicht geahndet. „Mir ist es lieber, dass Sie Menschen retten, als dass Sie Strafzettel bezahlen.“
Die Zahlen des vergangenen Jahres hatte der stellvertretende Stadtbrandmeister Achim Müller aufbereitet. Demnach gehören der Freiwilligen Feuerwehr aktuell 519 Aktive an, 17 mehr als im Vorjahr. Auch die Jugendfeuerwehr habe acht Mitglieder mehr als im Jahr zuvor, sodass die Gesamtwehr, mit Musikzug und Ehrenabteilung nun „fast die Schallmauer von 1.000 Mitgliedern erreicht“ habe.
Besonders erfreulich sei auch der gestiegene Frauenanteil, der mit 29 Mitgliedern nun mehr als fünf Prozent ausmache. 145 Brände und 150 technische Hilfeleistungen hatten die Ehrenamtlichen im Jahr 2018 auf Trab gehalten. Die Einsatzzeiten hatten sich auf 6.574 Stunden summiert. Mehr als 20.000 Stunden wurden zusätzlich in Aus- und Weiterbildung investiert. Die mittlere Ausrückzeit habe bei 5,9 Minuten gelegen, die Eintreffzeit bei 9,5. Bei insgesamt 65 Straßenvollsperrungen und einem weiteren Rückbau der Verkehrsadern, vor allem im Zentrum, seien solche Zeiten bald nicht mehr einzuhalten, warnte Müller.

Jens Brodacz

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