Freiburgs Nächte werden ärmer

Die Szene ist alarmiert: Clubs und Bars machen dicht, Räume fehlen – Appell an den Gemeinderat

Freiburg rühmt sich damit, jung und lebendig zu sein, doch im Nachtleben spiegelt sich das immer weniger wider. Insbesondere die Situation der Subkultur scheint der eines Eisbären zu gleichen, der auf einer schmilzenden Eisscholle treibt. Woran liegt das?Ein humoristischer Beitrag auf dem Zunftabend der Fasnetrufer am vergangenen Samstag brachte die Misere des hiesigen Nachtlebens auf den Punkt: Freiburg sei nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot, lautete die Analyse der Formation „Zwölf Halbe“. Mit ihrem Nachtleben-Song legten sie nochmal nach: „Hey, du, mir mache gleich zu, des liegt an den Nachbarn, die brauche ihr Ruh“.
Auffallend ist, dass Freiburg, die vielgepriesene lebendige Studentenstadt, zuletzt einen Schwund an alternativen Bars und Clubs verzeichnete. Während im legendären Gewöbekeller Ruefetto schon längst keine DJs mehr Indiehits auf den Dancefloor feuern, wird mit dem White Rabbit Club Ende April eine weitere Instituition dichtmachen. Der Vermieter hat dem Betreiber gekündigt und machte klar, dass in den Keller kein Club mehr einziehen wird. Verschwunden sind auch die Namen Kamikaze, Schmitz Katze und das Balz Bambii. Letzteres war ein Club in bester Lage. Die Räumlichkeiten in der Kaiser-Joseph-Straße 248 stehen seit über zwei Jahren leer.
Zuletzt machten mit der Leo-Bar und dem Walfisch außerdem zwei klangvolle Namen aus dem Bereich der Subkultur-Kneipen zu. Während es im Walfisch irgendwann in ähnlicher Richtung weitergehen soll, wird es für die Leo-Bar keinen Ersatz geben. Der Vermieter hatte dem potenziellen Nachfolger mitgeteilt, dass er keine Kneipe mehr möchte.
„Ich habe Freiburg eigentlich immer als sehr bunt erlebt, aber ich finde, dass der subkulturelle Raum immer mehr verloren geht. Was fremd ist, und was man nicht kennt, das möchte man lieber draußen halten“, erläutert Yvonne Morick, Sprecherin der IG Subkultur, einer Interessengemeinschaft, die die Subkultur in Freiburg fördern will. „Eine Stadt sollte sich entwickeln und nicht kulturell erstarren, denn damit wird sie am Ende unattraktiver“, so die Kultur-Aktivistin.


Tiefschlag für die Szene
Vor allem der Verlust des White Rabbit sei ein Tiefschlag für die Szene. Gilt der Club doch für viele Bands und Veranstalter von Konzerten und DJ-Gigs in Freiburg als eine der wichtigsten Adressen. Der ohnehin eklatante Raummangel verschärft sich durch den Wegfall dieser Location nochmals. Der neue gegründete Verein Clubkultur e.V. fordert Stadt und Gemeinderat auf, sich weiter für den Erhalt des Rabbits einzusetzen, oder – wenn der Vermieter nicht von seiner Linie abweicht – eine Alternative zu finden und zur Verfügung zu stellen.
„Freiburg gehen immer mehr Freiräume verloren, in denen Menschen, die sich kulturell abseits des Mainstreams verorten, wohlfühlen und sich ausleben können“, kritisiert Vereinsvorstand Dennis Schwaiger. Dass die Szene in Freiburg – trotz fortschreitender Gentrifizierung – nach wie vor vorhanden ist, zeige das enorme Feedback rund um die White-Rabbit-Diskussion. Wenn Bar- und Clubbetreiber darüber klagen, dass das Publikum nicht mehr so ausgehfreudig sei, ist das für Schwaiger dennoch wenig überraschend: „Die Lebenskosten sind zuletzt sicher nicht gesunken, wodurch nicht mehr so viel Geld für die Freizeitgestaltung vorhanden ist.“ Auch Yvonne Morick glaubt, dass die hohen Mieten in Freiburg ein Problem seien. „Junge Leute treffen sich deswegen häufiger zu Hause und feiern dort.“ Ein möglicher Stadtteil Dietenbach könnte daher indirekt auch der Clubkultur zugute kommen.
Felicia Maier, die neue Freiburger Kulturamtsleiterin, will die Club-Krise nicht überbewerten: „Es war immer so, dass Clubs und Bars leider ab und zu zumachen“, erklärte sie vergangene Woche in einem Fernsehinterview. Sie räumte jedoch ein, dass es die Szene derzeit schwer habe. „Wir wollen daher mehr für die Jugendszene machen“, versprach sie. Es gebe Möglichkeiten, Clubs indirekt zu helfen, indem die Stadt deren Kulturprogramm bezuschusst.
In eine ähnliche Richtung geht auch eine Initiative des Freiburger Veranstalters Deniz Binay. Er strebt einen Freiburger Booking Fonds zur Förderung des Nachtlebens an, an dem sich Firmen und Privatpersonen beteiligen können, aber auch öffentliche Gelder miteinfließen sollen . Veranstalter, die DJs oder Bands buchen wollen, können sich für eine Bezuschussung bewerben. Der Gemeinderat wird noch im Frühjahr über das Konzept abstimmen.

Sven Meyer

Zurück