Wohnen über Parkplätzen?

Vier Wochen vor dem Bürgerentscheid: So plausibel sind die Alternativen zu Dietenbach

Am 24. Februar stimmen die Freiburger ab, ob ein neuer Stadtteil gebaut werden soll. Die Gegner eines Dietenbach-Stadtteils auf der grünen Wiese behaupten, der Freiburger Wohnbedarf könne auch über Innenentwicklung gedeckt werden. Einer ihrer Vorschläge: Wohnungen auf Parkplatzflächen. Wie sinnvoll ist das wirklich?München hat es vorgemacht: Am Dantebad unweit des Olympiastadions ließ die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gefowag 100 Wohnungen errichten – über einem öffentlichen Parkplatz. Dafür gab’s den Deutschen Bauherrenpreis. Der Freiburger Baubürgermeister Martin Haag kennt das Projekt: „Wir waren mit Stadträten dort“, sagt er und fügt an: „Wir sind in Freiburg an vergleichbaren Projekten dran.“


„Überschaubares“ Potenzial
Es sind Bauten wie diese, die sich die Gegner eines neuen Stadtteils als Alternative für Freiburg vorstellen. Susanne Schlatter von der Initiative „Rettet Dietenbach“ erwähnt im Interview mit dem Wochenbericht (siehe Seite 2) ein Projekt in der Breisacher Straße. Der Discounter Aldi will dort seinen bestehenden Markt abreißen, und die Fläche samt Parkplatz mit Wohnungen überbauen. Im Erdgeschoss des Neubaus soll weiter eingekauft werden können: „Aldi macht vor, dass man einstöckige Gewerbeflächen mit Wohnungen aufstocken kann“, sagt Schlatter.
Haag nennt die geplante Entwicklung von Zähringen-Nord als ein weiteres Beispiel: Wo sich heute noch ein Real-Supermarkt und das Mömax-Möbelhaus mit einer riesigen Parkfläche davor befinden, sollen rund 1.400 Wohnungen entstehen. „Das sind die klassischen Innenentwicklungsprojekte, die wir machen, die aber bei der Nachbarschaft nicht immer auf Gegenliebe stoßen“, sagt Haag. Die Grünen-Gemeinderatsfraktion wollte vom Baudezernat wissen, wie es die Potenziale für Parkplatzüberbauung in Freiburg einschätzt. Seit Donnerstag liegt die Antwort auf die Anfrage vor. Sie fällt ernüchternd aus. Nur „in einem sehr überschaubaren Rahmen“ seien Bebauungspotenziale von Parkplatzflächen vorhanden, schreibt das Amt. Zudem müsse bei jeder Fläche geprüft werden, in welchem Umfang die Parkflächen noch gebraucht werden. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2019 wolle man aber Zwischenergebnisse über vorhandene Potenziale vorlegen, zum Beispiel auf Gewerbeflächen. Für die Zukunft seien zudem weitere Projekte in Arbeit, etwa auf dem Behördenparkplatz an der Stefan-Meier-Straße. „Wir brauchen diese Projekte“, sagt auch Baubürgermeister Haag. „Aber sie werden nicht reichen für die nächsten 10 bis 15 Jahre“.

Matthias Joers

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