Angriff auf die Gesellschaft

Willkürliche Gewalt gegen Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung nimmt zu

Erst waren es Angriffe gegen Feuerwehrleute und Polizisten, dann wurden Rettungssanitäter angegangen und seit neuestem müssen auch die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung damit rechnen, Opfer von willkürlicher Gewalt zu werden. Es ist ein Angriff auf die Gesellschaft, der fassungslos stimmt. Es sind mehrere Vorfälle, die sich innerhalb von wenigen Monaten zugetragen haben. Ein bedrohliches Phänomen, das zur Folge hat, dass die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg bisweilen mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit fahren, wie ASF-Chef Michael Broglin gegenüber dem Wochenbericht erklärt. „Das ist eine neue Dimension, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagt Broglin. Die Verunsicherung in der Belegschaft könne er vollkommen nachvollziehen. „Wenn jemand im Krankenhaus liegt, ist das keine Bagatelle mehr“, so der Chef von 350 Mitarbeitern.
Die Fälle gewalttätiger Übergriffe häufen sich: Ein Mitarbeiter vom Recyclinghof hatte vor kurzem, weil er einen Kunden höflich darauf hinweisen wollte, dass er etwas nicht in den Container werfen durfte, ein blaues Auge und Prellungen im Gesicht davon getragen.
Ein anderer Mitarbeiter, der früh morgens im Seepark seiner Arbeit nachging, wurde vor einigen Wochen einfach von hinten bewusstlos geschlagen. Mit einer riesigen Platzwunde und einer Gehirnerschütterung lag er zwei Tage im Krankenhaus. Vor knapp zwei Wochen hatten Betrunkene ein Räumfahrzeug mit einer Flasche beworfen. Als der Einsatzleiter hinzu kam, gab es zusätzlich Tritte gegen das Auto. Noch skrupelloser war ein junger Mann, der vor einigen Wochen im Innenstadtbereich einen ASF-Mitarbeiter zunächst nach der Uhrzeit gefragt hatte. Als der Angesprochene daraufhin sein Handy rausholte, wollte der Unbekannte es ihm entreißen und verpasste ihm noch einen Faustschlag.
Besonders bei schwerer Körperverletzung ist das Strafmaß hart: Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Freiburg kann auf den Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren zukommen. Dabei kommt es natürlich immer auf den Einzelfall an. Entscheiden die Richter auf einfache Körperverletzung, erwartet den Täter eine empfindliche Geldstrafe, während schwere Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe ab sechs Monaten aufwärts geahndet wird.


Horn verurteilt Angriffe
„Da ist einfach eine rote Linie überschritten. Meine Mitarbeiter und ich fragen uns, was passiert hier“, zeigt sich ASF-Chef Michael Broglin im Gespräch mit dem Wochenbericht bestürzt. Eine Erklärung für diese Entwicklung hat der ASF-Chef nicht. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn appelliert derweil an den gesunden Menschenverstand: „Dass unsere Mitarbeitenden der ASF körperlich angegriffen werden, geht gar nicht. Die Beschäftigten leisten einen wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen. Übergriffe dürfen und werden wir nicht hinnehmen. Ich appelliere an einen respektvollen Umgang miteinander und für eine Wertschätzung der wichtigen Arbeit unserer ASF!“
Die Freiburger Abfallwirtschaft und Stadtreinigung versucht indes, ihre Arbeitsweise so umzustellen, dass die potenziellen Gefahren für ihre Mitarbeiter möglichst minimiert werden: „Wir versuchen dort, wo wir im Stadtgebiet kritische Bereiche identifizieren, wenn es geht, nur noch tagsüber zu arbeiten. Beim Schneeräumen geht das natürlich nicht. Dort wo es kritisch und dunkel ist, haben unsere Mitarbeiter jedoch die Anweisung, die Arbeit zu zweit zu machen“, berichtet Broglin.

Sven Meyer



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