Bürger sollen zählen

Der NABU ruft zur großen Vogelzähl-Aktion auf – Haben Hitzesommer und Insektensterben Spuren hinterlassen?

Zum neunten Mal schon ruft der NABU kurz nach dem Jahreswechsel zur „Stunde der Wintervögel“ auf: Bundesweit sollen sich dazu vom 4. bis zum 6. Januar Vogelfreunde für eine Stunde in den Garten oder einen Park setzen und zählen, was sich dort an Federvieh herumtreibt. Die angehende Umweltwissenschaftlerin Lisa Maier engagiert sich in Freiburg ehrenamtlich für den NABU und hat sich dort auf vogelkundliche Themen spezialisiert: „Uns geht es darum, dass man alle Vögel aufschreibt, die in dieser Stunde dort auftauchen.“
Fürs Zählen hat der NABU eine Anleitung entworfen: Wer zum Beispiel beim ersten Mal vier Spatzen und eine Viertelstunde darauf zwei Spatzen zählt, der schreibt trotzdem erst einmal nur die vier ersten Spatzen auf, damit er keinen Vogel doppelt zählt. Tauchen fünf Minuten darauf plötzlich fünf Spatzen auf, so wird nur der fünfte zu den bereits vorhandenen vier dazugezählt. Absolute, wissenschaftlich verwertbare Zahlen bekomme man so natürlich nicht, weiß Lisa Maier. Aber: „Tendenzen kann man schon erkennen. Uns ist wichtig, das Bewusstsein der Menschen für die Vögel um uns herum zu stärken und die Lebenssituation der Tiere zu verbessern.“
Das größte Problem für Amsel, Drossel, Fink und Meise sei nämlich, dass die meisten Gärten kaum mehr Lebensräume für Insekten bieten. Die Folge: Die Vögel fühlen sich in unseren Gärten nicht mehr wohl. „Dazu kommen aber noch weitere Probleme wie Katzen, Glasscheiben, übertriebenes Rasenmähen“, so Maier. Tun könne man eine Menge, so die Umweltaktivistin weiter. Katzen mit einem bunten Halsband seien für Vögel zum Beispiel leichter als Gefahr zu erkennen. Blumenwiesen, die nicht ständig abgemäht werden, seien ein guter Lebensraum für Insekten. Fensterscheiben, die laut NABU-Angaben jedes Jahr für mehr als 100 Millionen Vögel in Deutschland zur Todesfalle werden, könne man mit Greifvogel-Aufklebern sichern.
Mithilfe eines Flugblattes, das der NABU aufgelegt hat, können Vogelzähler die heimischen Vogelarten bestimmen, die man anschließend an den NABU übermittelt. Sämtliche nötigen Unterlagen dafür kann man sich auf der Seite www.nabu.de leicht herunterladen und ausdrucken. „Es machen immer mehr Menschen mit“, freut sich Lisa Maier.


Akuter Nahrungsrückgang
Über 136.000 Teilnehmer hat die Aktion letztes Jahr gehabt. Dieses Jahr sollen es noch mehr werden. Denn Vögel zählen mit der Familie oder auch allein macht Spaß, auch wenn der Hintergrund ein ernster ist: „Durch das Insektensterben ist auch der Rückgang der Vögel zum Thema geworden.“ Man wolle Daten erheben über das, was da passiert, so Lisa Maier. „Wobei uns klar ist, dass diese Daten von vielen Faktoren abhängen: Bei schlechtem Wetter machen weniger Leute mit und wir bekommen weniger Vogelsichtungen übermittelt.“ Dennoch sei die Aktion hilfreich, da gerade die gängigen Vogelarten wie der Spatz in den Städten bei Erhebungen durch Wissenschaftler oft durchs Raster fielen.

Bernd Peters

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