Das Trauma nach der Tat

Am Donnerstag ist Tag der Kriminalitätsopfer – „Weißer Ring“ informiert und Polizei zieht Bilanz

Opfer von Straftaten leiden oftmals lange unter dem Erlebten. Am morgigen Donnerstag ist internationaler Tag der Kriminalitätsopfer. Dies nimmt sich die Hilfsorganisation „Weißer Ring“ zum Anlass, die Nöte der Geschädigten ins öffentliche Bewusstsein zu rufen und die Sprechzeiten zu erweitern. Parallel zogen Stadt und Land ein positives Einjahres-Fazit ihrer Sicherheitspartnerschaft und verkünden: Freiburg ist objektiv sicherer geworden.Ein Jahr ist es her, dass sich die Stadt Freiburg und das Land Baden-Württemberg auf eine Sicherheitspartnerschaft einigten. Anlass waren die beiden Mordfälle an jungen Frauen in Freiburg und in Endingen am Kaiserstuhl. Die schrecklichen Verbrechen hatten eine breite Diskussion um die Sicherheitslage in Freiburg ausgelöst. „Nach den Morden hat das subjektive Sicherheitsempfinden, insbesondere von Frauen, in Freiburg massiv gelitten“, blickte OB Dieter Salomon bei der Pressekonferenz anlässlich der Sicherheitspartnerschaft zurück. „Hier mussten wir reagieren – und haben das getan.“
Auch Landesinnenminister Thomas Strobl betonte in seiner Eröffnungsrede, Baden-Württemberg sei in Sachen Sicherheit Spitze. „Nirgendwo leben die Bürger sicherer, als in unserem Land.“ Um 16 Prozent sei die Gewaltkriminalität in Freiburg seit der Partnerschaft zurückgegangen, die besonders auffällige Straßenkriminalität in der Innenstadt gar um 20 Prozent. „Freiburg ist objektiv sicherer geworden“, so Strobl. Der Oberbürgermeister pflichtete ihm bei. Die Kooperation zwischen Stadt und Land habe sich bewährt.
Dennoch: Gewaltverbrechen gibt es und wird es auch in Zukunft geben. Das weiß kaum jemand besser, als Beate Hauser von der Opfer-Hilfsorganisation „Weißer Ring“. Der ehrenamtliche Verein unterstützt Opfer von Straftaten bei der seelischen Aufarbeitung des Erlebten, vermittelt und informiert über Hilfsangebote und begleitet zu Gerichtsverhandlungen. Von einem solchen Prozess kommt Hauser zu unserem Gespräch. „Es ging um einen Fall von häuslicher Gewalt“, so die Sozialarbeiterin. „Etwas, was uns leider regelmäßig begegnet.“

Opferhilfe auf allen Ebenen

Beate Hauser vom „Weißen Ring“ bereitet Opfer von Straftaten regelmäßig auf Gerichtsverhandlungen vor und begleitet sie bei ihrem schweren Gang. „Die Leute wissen oft nicht, was sie erwartet“,erklärt die Pädagogin. „Werden sie dem Täter wieder begegnen? Da entstehen Ängste. Wir begleiten sie vor, während und nach der Verhandlung.“ Auch vermittelt der „Weiße Ring“ finanzielle und medizinische Hilfsangebote. Weshalb die ehrenamtlichen Mitarbeiter, bei all dem Leid, das sie aus erster Hand miterleben, ihren Job gerne machen? „Wir wissen, dass wir mit unserer Arbeit helfen. Das ist etwas Positives“, findet Beate Hauser. Supervision und regelmäßige Mitarbeitergespräche, in denen das Erlebte aufgearbeitet werde, sorgen dafür, dass die Ehrenamtlichen nicht selbst unter den schweren Straftaten leiden, mit denen sie sich regelmäßig auseinandersetzen müssen.In der Praxis wüssten viele Menschen nicht genau, was die Opferhilfe eigentlich leiste, erzählt die Außenstellenleiterin. „Oft kennt man unsere Arbeit nur oberflächlich, wenn man nicht selbst betroffen ist. Erst wenn man Opfer wird, setzt man sich damit auseinander, was der Weiße Ring eigentlich macht.“ Die Polizei habe indes die Pflicht, auf die Opferhilfe hinzuweisen. Scheu, sich an die Organisation zu wenden, müsse niemand haben. „Wir geben keinerlei Daten weiter. Jeder kann sich kostenlos und völlig unverbindlich beraten lassen. Alles bleibt intern.“ Benjamin Resetz

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