„Es geht ums große Ganze“

Bernd Dallmann, Präsident der Regio-Gesellschaft, über den Segen offener Grenzen

Grenzüberschreitend das Potenzial der Region Oberrhein bündeln und vorantreiben: Diesem Ziel hat sich die Regio-Gesellschaft verschrieben. Ihr Präsident Bernd Dallmann erläutert im Gespräch mit Sven Meyer, wo für Freiburg und die Region das größte Entwicklungspotenzial liegt.

Herr Dallmann, die Regio-Gesellschaft wurde als Motor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gegründet. Sie persönlich sind seit der Gründung mit dabei. Was hat die Regio-Gesellschaft bisher erreicht?

Bernd Dallmann: Unsere Region lebt durch die Grenzen, sie machen diese Region hochinteressant und ökonomisch prosperierend – allerdings nur so lange sie offen sind. Die Trinationalität ist es, die diese Region von anderen Regionen abhebt. Als die Grenzen noch weitgehend geschlossen waren, waren wir Baden-Württembergs ökonomisches Sorgenkind. Heute würde hier ohne die grenzüberschreitende Zusammenarbeit viel weniger laufen – auch in Freiburg. Genau deshalb bedarf es solcher Institutionen wie der Regio-Gesellschaft, um diesen Geist immer wieder wachzuhalten. Natürlich unterstützen wir Wirtschaft und Wissenschaft in vielen praktischen Fragen, im Kern aber geht es um das große Ganze, das Miteinander. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist der EuroAirport, den sich drei Nationen teilen und von dem alle gleichermaßen profitieren. Hinter dieser Entwicklung war die Regio-Gesellschaft stets eine treibende Kraft.

Kritisch könnte man zum EuroAirport aber auch anmerken, dass die Verbindung dorthin eher suboptimal ist.

Dallmann: Das stimmt, aber auch hier gilt: steter Tropfen höhlt den Stein. Die Regio-Gesellschaft kämpft seit Anbeginn für eine direkte Bahnanbindung. Die Entscheidung dafür ist gefallen. Der Bahnanschluss ist formal beschlossen und wird das Zusammenwachsen weiter forcieren. Allerdings müssen wir da noch ein gutes Jahrzehnt drauf warten, die Bauarbeiten sollen 2024 beginnen. Die Notwendigkeit für dieses Projekt ist durch den geplanten Industriepark Fessenheim nochmal dringlicher geworden.

Was genau steckt hinter diesem Industriepark?

Dallmann: Auch wir, die Regio-Gesellschaft, kämpfen seit Anbeginn für die Stilllegung von Fessenheim. Nun ist es bald soweit und darin liegt für uns eine riesige Chance: Denn anstelle von Fessenheim entsteht ein großer Industriepark, der eine Austrahlung bis nach Freiburg entwickeln wird. Für eine so stark wachsende Stadt ist dies wichtig. Nördlich des Kraftwerksgeländes Richtung Breisach ist ein 200 Hektar großer deutsch-französischer Industriepark geplant, der eine Art Freihandelszone mit eigenen Regelungen sein soll.

Abgesehen vom EuroAirport und dem Industriepark: Was ist aus Ihrer Sicht das trinationale Projekt, das in mittelbarer Zukunft am wichtigsten sein wird?

Dallmann: Selbst die Universität Freiburg ist international eine eher kleine Universität. Im globalen Wettbewerb brauchen wir Sichtbarkeit, die funktioniert für uns jedoch nur in einem größeren Kontext. Eine viel größere Perspektive ergibt sich daher für die Uni Freiburg gemeinsam mit den Universitäten in Straßburg und Basel. Genau dafür wurde der European Campus ins Leben gerufen, zu dem auch noch das Karlsruher Institut für Technologie und die Universität des Oberelsass zählen. Die Bündelung der jeweiligen Stärken dieser Hochschulen ergibt einen globalen Wissenschafts-Champion. Wenn wir es schaffen, das zu einer klangvollen Marke zu machen, können wir in der ersten Liga mitspielen.

Wie sieht ihre persönliche Vision für diese Region aus?

Dallmann: Wir werden uns entlang des Rheins entwickeln und gleichzeitig unsere Naturzonen bewahren – und zwar im Schwarzwald und im Elsass. Die Landschaft wird weitgehend erhalten bleiben, weil die Entwicklungszonen tendenziell eher entlang der Autobahnen und des Rheins liegen. Die Wissenschaft wird dabei ein treibendes Element sein.

Info
Die Regio-Gesellschaft Oberrhein wurde 1985 gegründet und zählt heute mehr als 80 aktive Mitglieder, darunter wichtige Organisationen und Firmen aus der Regio. Sie setzen sich gemeinsam für grenzübergreifende Fragen ein. Die Regio-Gesellschaft hat auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Präsident Bernd Dallmann wurde ebenso wie sein Stellvertreter Bernd Rigl im Amt bestätigt. Daneben gibt es aber sieben neue Mitglieder im Führungsgremium des Vereins. 

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