Warten auf den weißen Winter

Erst war es deutlich zu mild, dann blieb der Schnee aus – die Skilifte im Schwarzwald stehen immer öfter still

Heiße Sommer, milde Winter und viel zu wenig Niederschlag – das, so scheint es, ist die neue Realität im Südwesten. Die Naherholung beim Skifahren im Schwarzwald ist nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor wenigen Jahren. Aktuell sieht es in ehemals schneesicheren Gebieten schlecht aus, doch ein Lift läuft und die wenigsten wissen es.Erst war es zu warm, dann blieben die Niederschläge aus. Der Feldberg, als höchster Berg des Schwarzwalds lange Zeit ein Schneegarant für Skivergnügen zwischen Weihnachten und Neujahr, bot in der vergangenen Woche ein trostloses Bild. Das große neue Parkhaus stand fast leer. Von den neun Schlepp- und fünf Sesselliften liefen gerade mal der Kinderlift „Resi“ mit einer Abfahrtslänge von 313 Metern. Auch die Loipen sind nicht befahrbar. „Schon in den letzten drei Jahren war dieser Trend zu beobachten“, stellt Sascha Weber von der Skischule Feldberg fest. Zwar komme der Winter meist einfach später, da die Skihänge im Naturschutzgebiet liegen, sei trotzdem spätestens am Ostersonntag Schluss. Die Saison somit immer kürzer.
Im Moment lohne sich das Geschäft trotzdem noch. „An den Wochenenden ist hier – auch bei mäßiger Schneelage – alles verliehen“, verweist Weber auf seinen Skiverleih mit rund 400 Alpin-, 40 Langlaufski sowie 30 Snowboards, die er auf Lager hat. Vor allem die Holländer seien treue Kunden, für die der Schwarzwald günstiger und näher als die Schweiz sei. Seine Freiburger Kundschaft schätze vor allem den Service, neue Skimodelle vor dem Kauf testen zu können.
Wesentlich schwieriger sei die Situation in den Gebieten unterhalb der Passhöhe. Im Feldberger Ortsteil Grafenmatt zum Beispiel seien die Auswirkungen der wärmeren Winter schon deutlicher zu sehen. Mit fatalistischem Optimismus begegnet man in Todtnauberg, trotz großer Verdienstausfälle durch das brachliegende Wintersportgeschäft, dem schneearmen Winter. Dabei sind es zuletzt gar nicht die Temperaturen, sondern die Tatsache, dass kaum ein Flöckchen vom Himmel kommen will, die Skisport unmöglich macht. „Keinen Schnee zu haben tut weh, doch mit Sonnenschein und leichten Plusgraden lässt es sich trotzdem draußen gut aufhalten. Und für einen gemütlichen „Einkehrschwung“ sind Liftstüble (Talstation Stübenwasenlift) und Bergrausch (Talstation Kapellenlift) auch ohne Schnee die Tage zu haben. Lassen wir uns die Laune nicht vermiesen“, postete das Team der Skilifte Todtnauberg vergangene Woche auf seiner Facebookseite.


Auch Kunstschnee braucht Wasser
Für die Zukunft sieht der Feldberger Skilehrer Sven Rodrigues nur dann eine Chance, wenn der Ausbau mit Schneekanonen fortgeführt werde. Der verstorbene Bürgermeister Stefan Wirbser habe vieles auf den Weg gebracht, das nun unsicher sei. Auf dem Feldberg komme aus Umweltschutzgründen nur eine Beschneiung ohne Chemie in Frage. „Diese Technik braucht Minusgrade und viel Wasser“ und eben dieses sei Mangelware am Berg.
Ein ganz anderes Problem hat Georg Rees, Inhaber der Schneesportschule Schauinsland. Sein Lift am Notschrei läuft, aber keiner weiß es. „Vom Tal aus würde man nicht vermuten, dass wir hier optimale Bedingungen haben“. Leider verbreiteten auch die Gastronomen auf Anfrage der Gäste, dass es derzeit an Schnee auf dem Freiburger Hausberg fehle. Seit einigen Tagen liefen die Beschneiungsanlagen die kalten Nächte durch. Die Temperatur spielt mit und in dem sumpfigen Gebiet ist genug Wasser vorhanden.
Auch Rees schwört auf Kunstschnee nur aus Luft und Wasser. Bis zum Dreikönigstag sei nicht mit größeren Schneemassen von oben zu rechnen. „Wenn er aber kommt, haben wir schon eine perfekte Unterlage“. Auch die Skikurse könnten planmäßig stattfinden. Von den Halbtageskursen für die ganz Kleinen bis zum fortgeschrittenen Erwachsenen seien sogar noch Restplätze vorhanden. Momentan kämen die Anmeldungen eher durch Zufall zustande: „Die Leute fahren hier vorbei und staunen, dass der Lift läuft.“

Jens Brodacz/mey

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