Vereint zu mehr Sicherheit

Bei der ersten Sicherheitskonferenz von Stadt und Polizei trafen viele Redner auf nur wenige Bürger

Die Kriminalitätsstatistik ist das eine. Das Gefühl der Freiburger Bevölkerung etwas anderes. Der Anspruch der Sicherheitskonferenzen, die nach und nach im gesamten Stadtgebiet abgehalten werden sollen, ist beides zu verbessern. Mehr Präsenz der Sicherheitskräfte soll für ein besseres Gefühl und eine tatsächliche Verringerung der Straftaten sorgen.Wer am vergangenen Donnerstagabend die Sicherheitskonferenz von Stadt, Land und Polizei in der Mensa der Wentzinger Schulen besuchen wollte, musste ein kleines Häuflein Demonstranten passieren, die in der Veranstaltung die Vorboten eines kommenden Polizeistaats sahen. Aber auch im Saal hatten sich nur wenige Anwohner der westlichen Stadtteile eingefunden. Im Vergleich zu den Aktivitäten in den sozialen Medien eine erstaunlich niedrige Resonanz.
Bürgermeister Stefan Breiter, zuständig für die öffentliche Ordnung und selbst im Mooswald aufgewachsen, ärgerte sich über die Demonstranten vor der Tür. „Ich habe jedenfalls ein gutes Gefühl, wenn mir Polizisten entgegenkommen“. Am Beispiel seiner Töchter beschrieb Breiter das in der Stadt herrschende Unbehagen: „Man geht im Seepark nicht mehr abends joggen“. Die schrecklichen Taten der jüngsten Vergangenheit hätten „alles über den Haufen geworfen“.
Deutliche Worte fand auch der erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach zum Widerstand gegen mehr polizeiliche Präsenz in der Stadt. „Sie reden dem Sozialdarwinismus das Wort. Wir wollen keine Zustände wie in Südamerika, wo es Sicherheit nur für Reiche gibt.“ Sicherheit solle es für alle geben, und dazu würde zur Zeit ein „Gesamtpaket geschnürt“. Gewaltprävention beginne schon an der Schule. Auch müsse eine Sensibilisierung aller Beteiligten, wie zum Beispiel Discothekenbetreibern und Thekenpersonal erfolgen.
Polizeipräsident Bernhard Rotzinger brachte die Problematik zurückhaltend auf einen Punkt: „Es sind Gruppen von jungen Männern in der Stadt unterwegs, die Unbehagen auslösen.“ Vorsichtig optimistisch zeigte sich Polizeidirektor Berthold Fingerlin. Nach den beiden Morden an der Dreisam und in Endingen sei die Sicherheitspartnerschaft ins Leben gerufen worden. Seither hätten seine Beamten rund 10.000 Personen kontrolliert und 5.000 Menschen und teils auch deren Fahrzeuge durchsucht. Das Resultat waren 50 Haftbefehle. Eine eigene Ermittlungsgruppe beschäftige sich außerdem mit rund 200 sogenannten Intensivtätern.
„Wir rechnen mit einem signifikanten Rückgang der Gewaltverbrechen“, fasste Fingerlin die Bemühungen zusammen. Dem konnte Harry Hochuli, Leiter des Polizeireviers Freiburg Nord nur beipflichten. In den Vorjahren habe man im sogenannten „Bermudadreieck“ rund 1.000 Straftaten registriert. „Auf einer Fläche von gerade mal zwei Fußballfeldern“. Diese Quote habe man in diesem Jahr auf etwa 400 senken können.


„Wachsame Gelassenheit“
Für den Freiburger Westen konnte Polizeihauptkommissar Spencer Diringer eine stabile Lage vermelden. Man kenne die Brennpunkte, Runzmattenweg, die Stadtbahnlinie 1 und den Seepark, und habe lediglich in den Nachtstunden noch etwas „Nachholbedarf“. Mit Gefährderansprachen und Platzverweisen zeige die Polizei jedoch verstärkt: „Wir sind hier der Herr, wir haben die Lage im Griff“.
Zu „wachsamer Gelassenheit“ riet Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Schmid. „Es ist nicht zu schaffen, dass nie ein Psychopath ihre Lebenslinie kreuzt.“ Mit der richtigen Haltung könnten aber viele Übergriffe verhindert werden. „Erziehen Sie ihre Töchter zur Frechheit“, riet er. Menschen die von vornherein Wehrhaftigkeit ausstrahlten, würden zudem nachweislich seltener zu Opfern. Ein aufrechter Gang, mit sichtbaren Händen symbolisiere Tatkraft. Auch ein lautes Telefonat am Handy schrecke potenzielle Täter ab. Das Gegenüber muss damit rechnen, dass der Gesprächspartner sofort die Polizei informiert. Wichtig sei auch, einen Angreifer niemals zu duzen. Dies würde von Umstehenden häufig als Beziehungsstreit interpretiert, in die man sich nicht einmischen wolle. Grundsätzlich gelte: „Zeigen Sie Zivilcourage, wenn ein Mitmensch bedroht wird. Benutzen Sie zumindest Ihr Handy und versetzen Sie uns in die Lage, helfen zu können.“

Jens Brodacz

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