Mord nach 37 Jahren Ehe

Prozess vor dem Landgericht: 68-Jähriger gesteht, seine Frau getötet zu haben

Vor dem Landgericht Freiburg hat ein Pädagoge im Ruhestand am Montag gestanden, seine Ehefrau erschlagen zu haben. Die Tat hatte sich am 68. Geburtstag des schwer kranken Mannes ereignet. Die Tat kann er sich selbst nicht erklären, möglicherweise waren jedoch Verlustängste das Motiv.Es ist ein grauenhafter Mord, der sich am 22. Juli dieses Jahres in Freiburg-Herdern ereignet hat. Der Tag markiert ausgerechnet den 68. Geburtstag des Angeklagten. Es war ein Morgen wie viele zuvor. Der ehemalige Kunst- und Werklehrer saß von düsteren Gedanken umhüllt und innerlich ausgebrannt am kargen Frühstückstisch. Keine Kerzen, kein Kuchen, kein Geschenk, obwohl es sein Ehrentag war. Vermutlich war ihm das aber egal. Denn wieder hatte er eine schlaflose Nacht hinter sich. Seit bei ihm im März dieses Jahres eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert worden war, fiel der Pädagoge im Ruhestand in ein lethargisch-depressives Loch. Auch Suizidgedanken hatte er schon gehegt. Dazu gab es offenbar fast täglich Spannungen zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau. Beide waren mit der Erkrankung überfordert. Die Spannungen hatten sich bis dato jedoch nie in physischer Gewalt entladen.
Der Auslöser für die Eskalation war an jenem Julitag offenbar ein Tagebucheintrag. Ungefragt hatte der Ehemann in Notizen seiner Partnerin gelesen. Vor Gericht ließ er über seinen Anwalt erklären, dass sich diese Einträge für ihn „wie eine Mängelliste“ an seiner Person gelesen hätten. Er war gekränkt. Als er dies am Tisch zur Sprache gebracht hatte, entgegnete ihm – laut seiner vagen Erinnerung – seine Frau: „Du kriegst nichts mehr auf die Reihe, bist ein kranker Mann.“ Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Frau dem Mann außerdem mitgeteilt, dass sie sich trennen wolle.
Was nach dem offenbar längeren Streit geschah, daran kann sich der Angeklagte laut eigener Aussage nur noch in Rudimenten erinnern. Offenbar war er auf seine 62-jährige Frau losgegangen und schlug mit einer Flasche und einem Glaskrug zehnmal auf sie ein. Der stark blutenden Frau gelang es noch, ins Wohnzimmer zu fliehen und dort unter einem Tisch Schutz zu suchen. In Folge der starken Verletzung musste sie sich übergeben und erstickte schließlich an ihrem Erbrochenen. Als schließlich die Polizei eintraf – denn Nachbarn hatten markerschütternde Schreie vernommen – stand der Angeklagte blutüberströmt an der Haustür.
Der Angeklagte legte zwar ein Geständnis ab und erklärte, er habe ein unfassbares Verbrechen begangenen, jedoch könne er selbst sich die Tat bis heute nicht erklären. Rückblickend würde er sagen, hätten beide eigentlich bis zur Krankheit „eine glückliche Ehe“ geführt.
Was vor Gericht deutlich wurde, war, dass der schwer gezeichnete Mann innerlich offenbar mit allem abgeschlossen hat. Obwohl eine medizinische Therapie möglich wäre, lehnt er jede Behandlung ab. Warum er das tut, konnte er, wie so vieles andere, nicht beantworten. Am Mittwoch kommender Woche wird der Prozess fortgeführt.


Sven Meyer



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