Wenn Profis Gutes tun

Wie sich Freiburger Fußballspieler gesellschaftlich engagieren – und aus welchen Gründen

Ein Workshop gegen sexualisierte Gewalt am Freiburger Rotteck-Gymnasium – und mittendrin prominente Fußballer des SC Freiburg: Wer sich in der Millionenbranche Fußball sozial engagiert, geht mit gutem Beispiel voran. Aber nicht jeder Fußballpromi spricht gerne über seinen Einsatz.Nils Petersen, Fußball-National- und 165-facher Bundesligaspieler, lehnt an einer Wand der Turnhalle des Rotteck-Gymnasiums. Auf dem Hallenboden vor ihm sitzt ein Dutzend Siebtklässler, alles Jungs. Gemeinsam blicken der SC-Profi und die Schüler auf ein Wimmelbild. Es zeigt eine Schulhof-Szenerie, es geht um Mobbing, und um sexualisierte Gewalt. Ein ernstes Thema. „Der Junge zieht dem Mädchen die Hose runter. Das ist ein absolutes No-Go“, sagt Petersen zu den Schülern. Die lernen an diesem Tag viel über persönliche Grenzen und Grenzüberschreitungen. Manuel Tumino, der den Workshop für die Fachberatungsstelle Wildwasser mitbetreut, ist zufrieden. „Wenn ein prominenter Fußballer wie Nils da ist, haben die Schüler eine viel höhere Aufmerksamkeit“. Drei weitere Fußballer hat der SC Freiburg an diesem Tag mitgebracht – Verteidiger Philipp Lienhart und die SC-Fußballerinnen Clara Schöne und Anja-Maike Hegenauer. „Für uns ist das toll“, sagt Susanne Striegl von Wildwasser. „Ich mache diese Arbeit seit 20 Jahren. Aber das erlebe ich zum ersten Mal.“
„Wir wollten Wildwasser nicht nur Geld geben, sondern auch das Wertvollste, das wir haben. Das ist Prominenz“, sagt Niklas Ziegler, verantwortlich beim SC für gesellschaftliches Engagement. Fußballer, die sich sozial engagieren – dafür gibt es in der Region noch ein Positivbeispiel. Der aus March stammende Fußball-Weltmeister und Ex-SC-Spieler Matthias Ginter nutzt seine Prominenz, indem er mit einer eigenen Stiftung den Neubau der Kinder- und Jugendklinik in Freiburg unterstützt. Bei einer Spendengala kamen kürzlich 20.000 Euro zusammen. „Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt Ginter. Aber nicht jeder Kicker, der sich engagiert, spricht darüber. „Bei uns im Verein weiß ich von vier Profis, die gemeinnützig tätig sind oder spenden“, sagt SC-Sprecher Sascha Glunk. Welche das sind, sagt er nicht. Hier gilt: Tue Gutes – aber rede lieber nicht darüber. Ob ein Fußballer sein Engagement öffentlich mache oder nicht, sei eine Typfrage, sagt Glunk. Auch bei „Common Goal“, ein Zusammenschluss von Profis, die ein Prozent ihres Gehalts spenden, findet man keine Namen des SC Freiburg.


„Wir haben Verantwortung“
„Der Fußball ist ein Unterhaltungsbetrieb, der für die Grundbedürfnisse unseres Lebens entbehrlich ist. Doch gerade weil er so ernst genommen wird wie kein anderes entbehrliches Gut, muss er mehr in die Gesellschaft zurückspielen“, sagt der Autor Ronny Blaschke, der über soziales Engagement von Fußballvereinen schreibt. Wie Blaschke hebt auch Niklas Ziegler einen Verein in der Fußball-Bundesliga lobend hervor: Den SV Werder Bremen, dessen Abteilung für soziales Engagement zehn hauptamtliche Mitarbeiter umfasst. Beim SC Freiburg sind es laut Ziegler zwei, unterstützt von zwei dualen Studenten, einer Praktikantin und 50 Honorarkräften. Und doch leistet der Verein viel: über die Achim-Stocker-Stiftung, den Förderverein der Fußballschule oder den Fair-Ways-Förderpreis.
Warum er bei dem Workshop mitgemacht hat? Nils Petersen sagt: „Wir Fußballer haben eine Verantwortung. Da ist es gut, dass wir unsere Reichweite auf diese Weise sinnvoll einsetzen können“. Auch der 13-jährige Elias fand es „sehr cool“, dass Petersen da war. „Und ich fand das Thema sehr wichtig“, sagt Elias.

Matthias Joers

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