Trommler am Spielfeldrand

Vom Jugendspieler zum Cheftrainer: Interview mit Dennis Oppermann, dem neuen Headcoach des Football-Drittligisten aus Freiburg

Der zweite Saisonsieg der Sacristans soll her: Am kommenden Samstag (15 Uhr/FT-Sportpark) möchte Headcoach Dennis Oppermann seine Jungs im Heimspiel gegen Pforzheim zum Erfolg führen. Im Interview spricht der 29-Jährige, der seit dieser Saison den Cheftrainerposten inne hat, über seinen Werdegang und den Saisonauftakt seiner Mannschaft.

Herr Oppermann, was waren die Gründe für die jüngste, knappe Niederlage in Holzgerlingen?

Dennis Oppermann: Unerfahrenheit und zeitweise Disziplinlosigkeit. Wir haben in der Defensive zwei Touchdowns bekommen, einfach nur weil jemand dachte, er macht jetzt etwas anderes, als das, was der Coach vorgegeben hat – so haben wir zwei Big Plays über 60 Yard kassiert. Das ist super ärgerlich. Hätten wir es einfach runtergespielt, wäre alles gut gewesen.

Auch zu Saisonbeginn gab es zwei Niederlagen. Musste sich die Mannschaft erst finden?

Oppermann: Bei der ersten Niederlage in Heilbronn waren wir noch grün hinter den Ohren. Wir haben dieses und letztes Jahr jeweils 20 neue Spieler dazu bekommen. Dabei sagt man im Football, man hat erst nach drei Jahren wirklich verstanden, wie das Spiel funktioniert. Zwei Drittel unserer Mannschaft wissen noch nicht, wie Football auf diesem Niveau gespielt wird. Die zweite Niederlage war gegen Karlsruhe, die inzwischen klar auf Meisterschaftskurs sind.

Sie sind jetzt seit 13 Jahren in dem Verein. Hängt man da mit besonders viel Herzblut dran?

Oppermann: Definitiv. Ich habe selber die Jugendteams und dann die Herren durchlaufen. Zwischendurch war ich in Auswahl-Mannschaften, sowohl als Spieler wie auch als Coach. Ich habe alles mal gesehen und deswegen funktioniert das hier. Außerdem kenne ich die Spielerperspektive und sehe natürlich, wenn die Jungs schlapp machen. Deswegen arbeite ich viel mit der Einstellung der Spieler.

Aber auch Sie haben sich mit ihrem neuen Job erst anfreunden müssen?

Oppermann: Vor drei Jahren hätte ich noch gesagt: Headcoach, ich? Niemals. Als Headcoach im Football coacht man die anderen Coaches, was viel Organisatorisches mit sich bringt. Ich dachte mir, niemals mache ich nur noch den Orgakrempel und gehe weg von den Spielern.

Und wie sind Sie dieser Zwickmühle entkommen?

Oppermann: Was die Trainingspläne angeht, profitiere ich viel von der Vorarbeit, die im Verein und von Jochen Kern geleistet wurde (Gründungsmitglied der Sacristans, heute Jugend-Headcoach, d. Red.). Ich selbst versuche zu jedem Spieler Kontakt aufzubauen, ungeachtet ob ich ihn coachen kann oder nicht. Als Headcoach ist es wie auf dem Boot: Du bist der Trommler vorne. Und wenn der aufhört zu trommeln, hören auch alle anderen auf.

Was war letztlich ausschlaggebend dafür, dass Sie sich diese neue Aufgabe zugetraut haben?

Oppermann: Ich habe 13 Jahre lang immer Defense gespielt. In den letzten beiden Spielen der vergangenen Saison fielen alle drei Quarterbacks mit Verletzungen aus. Wir haben uns angeschaut und gesagt, Leute, was machen wir jetzt? Also bin ich als Quarterback eingesprungen. Da habe ich tatsächlich in zwei Spielen drei Touchdowns gemacht, langersehnt, nach 13 Jahren! Sogar meine Mama war am Spielfeldrand dabei. Danach konnte ich loslassen und sagen: Du hast alles auf dem Feld erlebt, was Du konntest – das Football-Bingo ist voll. Von da an war ich bereit zu sagen, ab jetzt beeinflusst Du lieber 65 Spieler als nur Dich alleine.

Am kommenden Samstag folgt das Heimspiel gegen Pforzheim. Was ist da drin für die Sacristans?

Oppermann: Zunächst treten wir kein Spiel an, ohne es gewinnen zu wollen. Wir sind sehr heimstark. Und wir kennen Pforzheim jetzt aus dem Hinspiel (7:25). Die Jungs haben gesehen, was auf sie zukommt. Es ist wie gegen Heilbronn, als wir das Rückspiel zu Hause gewonnen haben. Die Jungs haben sich da nichts vom Teller nehmen lassen. So wird es auch am Samstag sein. Das Team wird bis in die Haarspitzen motiviert sein.

Zurück