Er hat’s mal wieder gewusst

Zu viel Lobhudelei? Die Heimspiele gegen Frankfurt und Augsburg als Gradmesser

„Jetzt müssen wir keine Hype-Gespräche mehr führen“ – Christian Streich sah in der 0:6-Pleite beim VfL Wolfsburg das aus seiner Sicht Positive. Statt Träumereien von der Champions League fasst der SC-Trainer lieber die Rückkehr zu den Fußball-Basics ins Auge. Zwei Heimspiele heute gegen Frankfurt (20.30 Uhr/Sky) und am Samstag gegen Augsburg (15.30 Uhr/Sky) sollen es richten.Tabellenzweiter der Bundesliga sowie Achtelfinalist im DFB-Pokal und in der Europa-League – die gewagte Frage eines Journalisten, ob Christian Streich vor der Partie in Wolfsburg nicht genug gegen die Lobeshymnen auf seine Mannschaft vorgegangen ist, beantwortet der 57-Jährige am Sonntag auf seine typische Art. „Sie können mir wahrscheinlich viel vorwerfen. Aber dass ich nicht genug gegensteuere, da würde ich sagen, eher nicht“.


Grifo kurz vor der Rückkehr
Sonntagmorgen auf dem Trainingsplatz am Europa-Park Stadion in Freiburg. Am Ende der öffentlichen Trainingseinheit am Tag nach dem 0:6 spricht der SC-Trainer nochmal im Mannschaftskreis zu seinen Spielern. Im Anschluss trotten die Spieler ins Stadioninnere. Dass der ursprünglich trainingsfreie Montag gestrichen wurde, stand da schon lange fest. Die Stimmung? War schonmal besser. Und Christian Streich? Der scheint tatsächlich eine leise Ahnung von dem Unheil gehabt zu haben, das am Samstag in Wolfsburg über den SC hereinbrach. Über den zweiten Platz, den die Mannschaft – verdientermaßen – zwei Monate lang inne hat und der ihr das Etikett des „Bayern-Jägers“ einbrachte, sagte Streich Anfang Januar: „Da bleiben wir ja eh nicht, das ist ja eh klar.“
Allein, es nützte wenig: Vor Lobesgesängen von außen konnten sich die Spieler kaum retten. Als zum Ende der Winterpause auch noch die Resultate in den Testspielen stimmten – der SC den Zweitliga-Zweiten HSV sogar 6:2 besiegte – schien die Mehrheit zu glauben, im ersten Bundesligaspiel würde alles seinen gewohnten Gang nehmen: nämlich so erfolgreich wie bisher auch. Aber schon die neun Testspiel-Gegentore gegen Luzern, Karlsruhe, Bern, Basel und Hamburg ließen bei Christian Streich die Alarmglocken ertönen. Seine These für die Rückrunde lautete: „Ich glaube, einige Mannschaften werden gegen uns voll draufgehen, weil sie uns nicht spielen lassen wollen.“ So wie Wolfsburg es dann vormachte.
Nun also Eintracht Frankfurt. Auf der gestrigen Pressekonferenz vor der Partie ließ Christian Streich zunächst das 0:6 rekapitulieren: „Wir waren nicht in der Lage an unsere Grenze zu gehen. Wir waren zu langsam. Es war nicht so, dass die Jungs nicht gewillt waren.“ Aber natürlich, so Streich, dürfe es nicht sein, „dass wir so viele Räume geben und so oft zu spät kommen.“ Personell, das ließen schon die Auswechslungen in Wolfsburg erahnen, dürfte es einige Veränderungen geben: Eine Rückkehr von Philipp Lienhart in die Startelf für Manuel Gulde erscheint ebenso plausibel wie das Comeback des zuletzt erkrankten Vincenzo Grifo, der bisher aber nur individuell trainiert hat. Hier will der SC-Coach bis morgen abwarten: „Wenn er eine gute Nacht hat, ist er im Kader.“
„Jetzt heißt es, uns konzentriert vorbereiten auf Frankfurt“, so Streich, „Wir wissen, was auf uns zukommt. Das ist eine Topmannschaft – wie Wolfsburg. Wir müssen probieren mit viel Energie und Überzeugung, aber auch mit der nötigen Balance ins Spiel zu gehen.“ Leicht machen wird es der hessische Champions-League-Teilnehmer dem SC sicher nicht. Aber, so Streich: „Wir werden nicht hinten reinstehen – das machen wir eh nie. Und wir werden nicht versuchen, Frankfurt nur auszukontern.“


Matthias Joers
„Wir waren nicht in der Lage an unsere Grenze zu gehen.“
Christian Streich, Trainer des SC Freiburg über das 0:6

Zurück