„Man sollte es nicht übertreiben“

Einfach durchhalten: wie es mit dem Vorsatz „Mehr Sport“ klappt, erklärt die Freiburger Fitness-Youtuberin Anne Kissner

Mehr Sport ist einer der beliebtesten Vorsätze im neuen Jahr. Doch auch wenn die Motivation anfangs groß ist, halten viele nicht lange durch. Wie man dran bleibt, weiß Freiburgerin Anne Kissner. Sie ist eine der erfolgreichsten Fitness-Youtuber Deutschlands. Allein ihr Kanal „Bodykiss“ mit Home Workout-Videos hat rund 660.000 Abonnenten und wurde knapp 150 Millionen mal aufgerufen.

Frau Kissner, vielen fällt das Durchhalten schwer, wie klappt es langfristig mit dem Fitnessvorsatz?

Anne Kissner: Die meisten starten total motiviert und wollen alles auf einmal: mehr Sport machen, sich gesünder ernähren, auf Alkohol verzichten oder ähnliches, das ist natürlich sehr viel auf einmal, da geben die meisten sehr schnell wieder auf. Ich würde eher kleine Schritte empfehlen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und sich dann vielleicht noch eine zweite hinzu zu nehmen.

Merken Sie die Begeisterung der Sportmuffel wieder aktiv zu werden, auch auf Ihrem YouTube-Kanal?

Kissner: Für die Fitnessbranche ist das natürlich eine ganz wichtige Jahreszeit, in den Geschäften dreht sich viel um Fitnessgeräte und die Fitnessstudios sind ziemlich voll. Auch wir merken das auf unserem YouTube-Kanal „Bodykiss“ jedes Jahr, die Workouts werden deutlich mehr angeklickt und die Workout-Programme häufiger verkauft.

Wie sieht das beste Training für Anfänger aus?

Kissner: Man sollte es vor allem nicht übertreiben und nicht gleich mit vier oder fünf mal die Woche Sport starten. Darunter leidet nicht nur die Motivation, sondern bei vielen hängt dann auch das Immunsystem kurz durch. Dann wird man krank und verliert endgültig die Lust, deswegen würde ich sagen es reicht schon, wenn man versucht ein bis zwei mal in der Woche Sport einzubauen. Im Alltag aktiver zu werden, macht schon einen großen Unterschied. Mit ein bis zwei Spaziergängen am Tag, beispielsweise morgens auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause erreicht man schon sehr viel. Fitnesstracker fürs Handgelenk oder per App können hilfreich sein. Das richtige Maß ist entscheidend, es ist leider kein Sprint, sondern ein Marathon, wenn man fitter werden will.

Wie oft treiben Sie Sport?

Kissner: Dadurch, dass ich vor sieben Monaten Mutter geworden, muss ich auch wieder in meinen Rhythmus finden, aber ich versuche schon vier bis fünf mal die Woche Sport zu machen. Dafür sind manche Workouts kürzer, wenn das Kind anfängt zu weinen, ist halt Schluss.

Wie motiviert man sich am besten, wenn es schwer fällt?

Kissner: Manchen hilft es, sich zum Sport zum verabreden oder sich bei einem Kurs anzumelden, dann fühlt man sich eher verpflichtet. Bei anderen klappt das am besten mit einer kleinen Belohnung nach einer erfolgreichen Sportwoche, beispielsweise ein Stück Kuchen mit Freunden zu essen oder ein Kleidungsstück zu kaufen, dass man schon länger haben wollte. Der Kopf ist dabei total wichtig, der Schweinehund ist immer das größte Hindernis. Es muss Spaß machen, deshalb muss man das Passende für sich finden, egal ob ein Tanzkurs oder Nordic Walking mit den Freunden.

Haben Sie als Fitnessprofi auch mal einen Durchhänger?

Kissner: Ja, den habe ich auch mal. Ich brauche dann meinen Mann, der sagt, er geht dann alleine Sport machen. Das geht für mich nicht, da muss ich mit. Es ist natürlich ein großer Vorteil, wenn der Partner oder jemand aus dem Freundeskreis mitzieht. Das ist die größte Motivation. Es gibt ja mittlerweile auch Apps, mit deren Hilfe man leicht Trainingspartner finden kann.

Wenn man fitter werden will oder abnehmen will, spielt aber auch die Ernährung eine Rolle, oder?

Kissner: Genau. Aber auch bei der Ernährung sollte man es nicht übertreiben und sie von heute auf morgen komplett umstellen. Oft hilft es schon, weniger Fertiggerichte zu essen und wieder mehr selbst zu kochen. Da reicht auch ein einfaches Rezept wie Kartoffeln mit Hähnchen und Gemüse, man darf sich schon satt essen. Interview: Saskia Schuh

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